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Alte Post, Schloßstraße 3

 

Die früheren Namen der Tavernwirtschaft (nach Rechter- Häusergeschichte) in chronologischer Reihenfolge:

 „Zum Lamm“ (1603)

„Zum Guldenen Lamm“ (1677)

„Zum Lamm“ (1737)

„Zum Goldenen Löwen“ (1834)

„Zum Goldenen Lamm“ (1856?)

Spätestens ab dem 01. Februar 1866, mit der Übernahme des Gasthofes durch die Posthalterfamilie Neeser, ist die Namensänderung auf „Gasthaus zur Post“ durch eine Zeitungsannonce (siehe „Hotels, Gasthäuser und …,“ von Ernst Gebert) belegt. Die von „Rechter“ für das Jahr 1856 (s.o.) aufgeführte Bezeichnung „Zum Goldenen Lamm“ würde sich mit dem Namen der Gaststätte des damaligen Braueranwesens an der Würzburger Str. 5 überschneiden, die den gleichen Namen wohl schon ab 1792 trug. Das ehemalige „Gasthaus zur Post“ trug ab 1946 bis zur Schließung im Jahre 1995 den Namen „Alte Post“, der auch noch die heutige Bezeichnung für den Gebäudekomplex ist. Heute beherbergt dieser u.a. die „Forschungsstelle für Fränkische Volksmusik“, den Trausaal und die Stadtbibliothek.

Das „Gasthaus zur Post“ war zu allen Zeiten wegen seiner vorzüglichen Küche und seines ausgezeichneten frischen Trunkes weit und breit berühmt. So konnte man doch oft auch an Tanzvergnügungen, am Walpurgimarkt und an der Kirchweih von Tänzern und Musikanten vorsingen hören:

„Zu Uffni in der Post, da geuts an guten Most;

Da geuts an guten Wein, der löfft wie lauter Baumöl nein.“

Anmerkung: „Baumöl“ ist alte Bezeichnung für Olivenöl.

 

Der Vorgängerbau datiert laut dendrochronologischem Gutachten eines Pfostenrestes aus dem Jahre 1352. Im Boden gefundene Scherben stammen ebenfalls aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.

Das Haus wurde um 1709 neu erbaut. Wenige Jahrzehnte später erfolgte der Anbau eines Seitenflügels (Richtung Schweinemarkt) als Braustätte. Bei der jüngsten Renovierung konnten vom Archäologischen Arbeitskreis des Gollachgaumuseums unter dem Fußboden die Fundamente des Braukessels, der Schürkanal und der Rauchabzug freigelegt werden. Diese Braustätte wurde  um das Jahr 1700 erbaut und um 1870 aufgegeben. All diese Relikte sind noch  unter dem Fußboden des neuen sich heute dort befindlichen städtischen Trausaals erhalten.

Das Obergeschoss zeigt ein symmetrisch angeordnetes Sichtfachwerk mit historisch gesicherter grauer Farbgebung.

1525 musste der damalige Eigentümer Hans Schwab d. Ä. wegen Teilnahme am Bauernkrieg 300 Gulden Strafgeld bezahlen, wovon er bis 1527 105 Gulden getilgt hatte. Er hatte als städtischer Bürgermeister Futter in das Lager der Bauern nach Heidingsfeld gebracht und vom Amtmann Eberhard Geyer die Schlüssel zum hinteren Schlosstor verlangt. Er gehörte zu den 11 wegen der Teilnahme am Bauernkrieg gefangen gesetzten Uffenheimer Bürgern.

 

Erläuterungen zur Taverne:

Taferne, Taverne (von lat. taberna: Hütte/Laden/Gasthaus) sind alte Bezeichnungen für eine Gaststätte.

Der Wirt einer Taferne oder Tafernwirtschaft, Taferner oder Tafernwirt genannt, hatte in früheren Zeiten das Tafernrecht inne. Dieses Recht, in etwa der heutigen Gaststättenkonzession vergleichbar, beinhaltete verschiedene Privilegien. Es wurde vom Landesherrn verliehen.

Danach hatte der Wirt einer Tafernwirtschaft, einer sogenannten „vollkommenen Wirtschaft“, nicht nur das öffentliche Schank- bzw. Krugrecht, das Herbergs- und Gastrecht sowie die Fremdenstallung (die Versorgung und das Unterstellen der Zug- und Reittiere), sondern er durfte auch Verlöbnismähler (Häftlwein), Hochzeiten, Stuhlfeste (ritueller Bestandteil der Hochzeitsvorbereitung), Tauf- und sonstige festliche Mahlzeiten ausrichten.

Der Wirt durfte Bier, Wein und Branntwein ausschenken. Mit einem Glas Wein wurden früher Rechtsgeschäfte bekräftigt. Zum Tafernrecht gehörten auch das Braurecht, das Brennrecht und die Backgerechtigkeit, also das Recht, einen Backofen anzulegen und Brot zu backen.

Eine Tafernwirtschaft musste wandernde Handwerksgesellen gegen Geld oder handwerkliche Gegenleistungen beherbergen, sie hatte also auch eine soziale Verpflichtung.

Ferner wurde bei Todesfällen der Leichenschmaus in der Taferne abgehalten sowie die Nachlassverhandlung geführt.

War kein Amtshaus vorhanden, fanden dort auch Gerichtsverhandlungen statt. Die Taferne war der kommunale Mittelpunkt in weltlichen Angelegenheiten der Bewohner der Stadt. Ein Wirt ohne Tafernrecht war lediglich Zapfwirt.

In Uffenheim gab es 5 einst Tavernwirtschaften:

•         Goldener Stern (Spitalplatz)

•         Grüner Baum (Marktplatz)

•         Goldener Hirsch (Marktplatz)

•         Goldenes Lamm (Alte Post)

•         Schwarzer Adler (Adelhofer Str.)

 

 

Posthalterei

Neben dem Gasthausbetrieb war hier auch 200 Jahre lang die Uffenheimer Posthalterei untergebracht. Eine Uffenheimer Poststelle ist seit 1698 nachgewiesen (lt. dem Taxischen Archivar Schragmüller). Uffenheim verdankte  die frühzeitige Entstehung einer Taxischen Kaiserlichen Reichsposthalterei seiner günstigen Verkehrslage an der alten Poststraße Augsburg – Würzburg – Frankfurt.

Einer der ersten Reichsposthalter Uffenheims dürfte um das 1700 zunächst im „Gasthof zum Goldenen Stern“ der ehemalige Uffenheimer Ratsherr und Gastwirt Adam Strebel (gest. 1705) gewesen sein. Im Jahre 1731 kam die Posthalterei in den Besitz der Familie Clemenius, aus der in der Folgezeit mehrere Posthalter hervorgegangen sind.

Mit diesem Besitzerwechsel wanderte die Posthalterei vom „Goldenen Stern“ am Spitalplatz zur heutigen „Alten Post“, die zu diesem Zeitpunkt den Namen „Zum Guldenen Lamm“ führte.

Von Uffenheim aus liefen von Pferden gezogene Postwagen nach Würzburg, Ansbach, Markt-Bibart, Aub, Rothenburg und später sogar nach Wallmersbach - Equarhofen – Tauberzell, Gollachostheim und Reusch - Weigenheim.

Die Postlinie Ansbach – Würzburg wurde nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie 1865 eingestellt.

Mit der Einführung der Kraftwagenpost fand die gemütliche Einrichtung der pferdegezogenen Postwagen endgültig ihr Ende. Die letzte Pferdepost fuhr am 7. Juni 1931 reich geschmückt nach Simmershofen.

 

Der Besuch von König Ludwig

Im Gasthof zur Post kehrte auch König Ludwig I. von Bayern (reg. 1825 -  1848 (Abdankung), +1868) öfter ein, wenn er auf dem Wege von oder nach Bad Brückenau unterwegs war.

Als der König eines Tages in Uffenheim nächtigte, musste wie stets, die Bürgerwehr ausrücken und zum Schutze und zur Sicherheit des Königs eine Ehrenwache abstellen. Das Wachlokal befand sich unten in der Post selbst und die bewaffneten Bürger ließen sich bei dieser Gelegenheit manch guten Tropfen schmecken und den geliebten Landesvater, öfter als es für ihre Standfestigkeit gut war, hochleben. Der König sah darüber stillschweigend und lächelnd hinweg.

Einmal hatte sich bei seiner Ankunft wie immer eine große Menge von großen und kleinen Zuschauern eingefunden. Als sich der König auf seinem Zimmer bereits zur Ruhe begeben hatte, wollte der damalige Polizeimeister Strohmenger Kinder und Erwachsene zur Ruhe mahnen und zum Heimgehen veranlassen mit den Worten:

„Gebd Ruh und machd, dass ihr hemkummd; der Kenig id müd und will schlaf. Müssd ihr denn jeden Dräk secha!“

Ob die Worte übelgenommen wurden und ob sie geholfen haben ist nicht überliefert.

 

Oberstleutnant Anton Miaulis

König Otto von Griechenland, ein Sohn des Königs Ludwig I. von Bayern, kam mit seinem Gefolge am 10. November 1836 nach Uffenheim und nahm im Gasthof „Alte Post“ Quartier. Er befand sich auf Brautfahrt nach Oldenburg (die Braut war Maria Friederike Amalie von Oldenburg).

Der königlich griechische Oberstleutnant und Adjutant seiner Majestät, Herr Anton Miaulis war an der Cholera erkrankt und verstarb hier neuneinhalb Stunden nach Ausbruch der Krankheit am 11. November 1836. Er wurde am 14. November 1836 auf dem Uffenheimer Friedhof beigesetzt.

Für die vorbildliche Pflege des Patienten wurde dem Gastwirt und Posthalter Karl Kober von König Otto das „Silberne Ritterkreuz des Erlöserordens“ verliehen. Die Verleihungsurkunde wird im Uffenheimer Gollachgaumuseum aufbewahrt. Das Ritterkreuz ging in den Besitz eines Verwandten über und gilt heute als verschollen.

Die von Seuchenkranken benützten Betten wurden, um der Ansteckungsgefahr vorzubeugen, im Siechenhaus am Schießplatz drei Jahre lang aufgehängt und dann öffentlich versteigert.