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Stadtkirche St. Johannis, Kirchplatz 1

 

Diese Kirche ist nachweislich der vierte steinerne Kirchenbau an dieser Stelle.

Die frühere Annahme, eine erste hölzerne Taufkapelle sei ein Ableger der Kirche von Gollhofen (= Mutterkirche) gewesen, ist derzeit nicht mehr haltbar.

Im Rahmen der fränkischen Landnahme etwa um das Jahr 500 nach Christus erhielten die ersten Siedlungen das Suffix -heim (Uffenheim und Andere).

Spätere Siedlungen erhielten das Suffix –bach (z.B. Wallmersbach), dann folgten Siedlungen mit dem Suffix -hofen (z.B. Gollhofen) und die letzten Siedlungen das Suffix –hausen (z.B. Welbhausen). Deshalb ist wohl Uffenheim die ältere Siedlung.

Auch die gesicherte Datierung der Kapelle im NW-Bereich des Schlosses aus der Zeit zwischen 980 und 1050 spricht dafür, dass Uffenheim älter als Gollhofen ist. (Näheres hierzu im Beitrag zum Schloss Uffenheim)

Im 13. Jahrhundert wurde eine erste Kirche im romanischen Baustil unter der Herrschaft derer von Hohenlohe errichtet.

1291 wird erstmals ein Pfarrer in Uffenheim erwähnt, also war  zu dieser Zeit wohl bereits eine Kirche in Uffenheim vorhanden.

Im 15. Jahrhundert herrschte  reichstes kirchliches Leben in der Stadt.

Im Jahre 1492 ist das Patrozinium St. Johannis des Täufers in einem Ablassbrief enthalten. Um 1500 sorgten sich 8 Geistliche um das Heil von 700 Seelen.

Die Einführung der Reformation 1528 durch Markgraf Georg d. Frommen bringt eine Zäsur; es wird nur noch von einem Stadtpfarrer berichtet.

Im 16. Jahrhundert verfällt das Kirchengebäude zusehends. So wurde im Jahr 1578 bei einer Kirchenvisitation darüber geklagt,

„dass die Mauer am Kirchhof bei der Schule gar eingefallen und auch das Vieh (Schwein, Geiß usw.) dahinein, dann auch wohl in die Kirche laufen, zudem sonst der Kirchhof ganz unsauber gehalten wird, dass benachbarte Dörfer und Fremde, so vorüber gehen, übel daran reden.“

Die 1588 angeschaffte erste Orgel wurde schon 1632 von „den wilden Säuen durchwühlt und verderbt“. Gemeint sind damit die sogenannten „Kroatischen Reiter“ im 30-jährigen Krieg. Ihnen fiel auch das Stadtarchiv in der Hohenlohischen Kanzlei am Marktplatz zum Opfer. Die Orgel wurde 1640 (“organon mit 8 Haupt- und 4 Nebenregistern“) erneuert.

Die erste steinerne Kirche war wohl eine einschiffige Kirche. Wie einer alten Darstellung zu entnehmen ist, trug ihr Turm damals eine Spitzhaube.

Die Kirche hatte 3 Kapellen:

•         Simon und Judae

•         Gebsattel-Kapelle (Gebsattel war Vogt in Uffenheim)

•         Michaelis-Kapelle

5 Altäre:

•         Marienaltar – Hauptaltar

•         St. Antonienaltar

•         St. Elisabethenaltar

•         St. Leonhardsaltar

•         St. Katharinenaltar

Diese Kirche dürfte bereits eine stattliche Größe gehabt haben, nachdem sie 1716 „245 Männer-, 310 Weiberstühle und Bänklein für 200 Kinder bis zu 15 Jahre“, also 755 Plätze aufwies.

Der Friedhof lag zunächst, wie schon von Karl dem Großen angeordnet, um die Kirche herum. Er wurde ab Beginn des 17. Jahrhunderts allmählich nicht mehr genutzt. Der Grund hierzu war Platzmangel,  insbesondere verursacht durch den hohen Anfall von Toten durch die Kriegsfolgen und Seuchen des Dreißigjährigen Krieges. So wurden allein im Jahre 1632 in Uffenheim 213 Personen im Friedhof an der Jobstkapelle am südöstlichen Stadtrand beerdigt. Ab dieser Zeit erfolgten dort alle Bestattungen. Auf diesem Friedhof hatten bereits die Toten des Spitals nach Auflösung des Spitalfriedhofes und die Seuchenkranken seit etwa dem Jahre 1400 ihre letzte Ruhe gefunden.

1690 wird laut einer Urkunde der Kirchturm stückweise eingelegt und erneuert.

Bereits 1706/07 wurden erste Entwürfe für einen Neubau gefertigt.

Der letzte Gottesdienst in der baufälligen Kirche  fand 1723 statt.

Die abschließende Planung für den Neubau erstellte 1724 der markgräfliche Baumeister Freiherr Friedrich von Zocha, anschließend erfolgte der Abbruch der Kirche und der umliegende Friedhof wurde endgültig aufgegeben.

Im Zuge des Abrisses der Kirche wurden die bis dahin in der Kirche befindlichen Grüfte derer von Hohenlohe aufgelöst und die bislang dort befindlichen Epitaphien in die Spitalkirche / Jobstkapelle verbracht.

Im Jahre 1726 erfolgte die Grundsteinlegung für den Neubau. Die Markgrafschaft Ansbach sicherte die Finanzierung in Person der Markgräfin Christiane Charlotte. Diese führte wegen der Unmündigkeit ihres Sohnes Carl Wilhelm Friedrich (CWF) die Regentschaft zwischen 1723 und 1729.

Die Kirche wurde im Markgrafenstil erbaut nach dem Vorbild der Schlosskirche in Weimar. Der Innenausbau erfolgte als ansbachische Kanzelwand mit dem Altar im Norden! Altar, Kanzel und Orgel waren übereinander angeordnet mit zwei Emporengeschossen (siehe Kirchen in Ippesheim, Rudolzhofen, Welbhausen, Adelhofen, Simmershofen und Ermetzhofen).

Der von 1696 bis 1729 wirkende Dekan M. Dürr betrieb den Neubau der Kirche während seiner gesamten Amtszeit mit all seinen Kräften. Die Innengestaltung der Kirche geschah weitestgehend nach seinen Vorstellungen. Er verstarb am 03.02.1729 noch vor der Vollendung des Kirchenbaues.

Der Turm blieb der alte, da er wenige Jahre zuvor erst neu ertüchtigt worden war.

Zum Bau wurden auch teilweise Steine der abgebrochenen St. Leonhardskirche bei Wallmersbach verwendet. Zum Dank wurde anstelle der abgebrochenen Kapelle die, noch heute dort befindliche, St. Leonhardssäule durch die Stadt Uffenheim errichtet.

Die Einweihung der Sankt Johannis Kirche erfolgte am 02.09.1731, dem ersten Sonntag im September 1731 durch Dekan Jakob Friedrich Georgii. Damit war auch der Termin für das alljährliche Kirchweihfest begründet.

Durch Urkunden in der Turmkugel sind folgende Ereignisse belegt:

1604   Blitzeinschlag in der Kirche

1690   Neugestaltung des Turmes

1731   Dachschäden durch einen starken Sturm

1746   Schiefereindeckung der Kirche durch einen Dachdecker aus Kitzingen                      

Am 13. Mai 1890 geriet bei Dachstuhlarbeiten die Kirche in Brand und wurde vollständig zerstört. Wahrscheinlich fiel Glut bei Lötarbeiten in Taubennester und die herrschenden   Starkwindverhältnisse beschleunigten den Brandvorgang. 22 Feuerwehren aus der ganzen Umgebung mit 1200 Mann bekämpften den Brand vergebens.

1892 beginnt die Neuplanung durch den Architekten H. Steindorff aus Nürnberg, wiederum mit zwei Emporengeschossen und Sitzplätzen für 800 Personen.

Im Jahre 1894 begann der Neubau des Kirchengebäudes. Schwierigkeiten mit der Turmstatik führten 1895 zum Abtragen des Turmes in seiner Gesamtheit und seiner völligen Neugestaltung. 1897 erfolgte die Einweihung des Neubaus im Stil des Neo-Rokoko.

Von den Uffenheimern wurde der Bau wegen des eigenwilligen Baustils als „Opernhaus“ bezeichnet.

Im Inneren konnte man eine wunderbar geschnitzte Holzdecke bewundern, deren zentrales Ornament das als  Dreieck dargestellte „Auge Gottes“ war.

Die Apsis war wie ein Sternenhimmel blau mit Gold ausgemalt.

40 Jahre verblieben zum Abtragen der Bauschulden bis 1937.

1942, während des Zweiten Weltkrieges, wurden drei der vier vorhanden Glocken zu Kriegszwecken abgenommen. Es handelte sich hierbei noch um die Originalglocken, die im Jahr 1896 auf der Landesausstellung in Nürnberg wegen ihres Wohlklanges einen Preis erhalten hatten, und die deshalb im 1. Weltkrieg im Turm verbleiben durften.

Der letzte Gottesdienst am Sonntag, 8. April 1945 wurde wegen Luftalarmes nach 20 Minuten abgebrochen.

Am 10. April 1945 (12:27 Uhr) wurde die Kirche durch Phosphor- und Brandgeschosse weitestgehend zerstört. Auch die Jobstkapelle fiel diesem Angriff zum Opfer.

Unter den Architekten Otto Wicht aus Uffenheim (auch zuständig für die Jobstkapelle) und H. Siemsen aus Burgbernheim wurde die Kirche unter Verwendung der alten Grundmauern 1953 wiederaufgebaut. Zuerst erfolgte der Wiederaufbau des Turmes, da dieser nur einen geringen Zerstörungsgrad aufwies. Erst  anschließend wurde der Bau des Langhauses in Angriff genommen.

Die geplante Einweihung zum 1.10.1950 konnte nicht eingehalten werden. Das Richtfest fand somit erst am 01.11.1952 statt. Die Einweihung der Kirche erfolgte am 22. Oktober 1953.

Gegenüber dem vorherigen Neo-Rokoko-Stil zeigt die Außenansicht eine deutliche Vereinfachung: Neobarock, mit neoklassizistischen Elementen, auch in der Farbgebung.

Entgegen der Ausrichtung der Kirche von 1731 mit der ansbachischen Kanzelwand (Altar, Kanzel und Orgel übereinander) auf der Nordseite, wurden die Kirchen von 1897 und auch die heutige Kirche, wieder nach alter Tradition gebaut. Damit findet sich der Chorraum im Osten für Altar und Kanzel sowie die Orgel im Westen auf der Empore.

Den 55 Meter hohen Turm bedeckt nun eine schiefergedeckte Haube mit Laterne an der Spitze.

Die Turmkugel mit dem Kreuz fertigte die Fa. Currlin, das Turmbalkenwerk die Zimmerei Seufferlein, das Kirchenschiff wurde von der Zimmerei Bock mit dem neuen Dachstuhl versehen. Es handelte sich hierbei jeweils um Uffenheimer Firmen.

Der Innenraum zeigt sich schlicht gestaltet aber ausgeglichen und ist  in hellem Grau und Gelb gehalten.

Die Glaskunstfenster der Apsis stammen von einem Coburger Glasmaler. Sie sind wie auch  der Taufstein gestiftet worden.

Darstellung:

        Links                                          Mitte                                               Rechts

      Geburt                               Kreuzigung Christi                             Himmelfahrt     

 

1988 erfolgte eine Generalsanierung mit erheblicher Umgestaltung des Innenraumes.

Das Kreuz unter dem Regenbogen zeigt den Bund zwischen Gott und allem Lebendigen.

Der Altar mit Hörnern stellt einen Israelitischen Brandopferaltar dar – „Schmücket das Fest mit Maien (für im Mai im Saft stehende Zweige vor Allem der Zweige der Birke) bis an die Hörner des Altars“ – Psalm 118, 27

Die Kanzel ist das Zentrum der Verkündigung des Wortes Gottes. Dargestellt ist das Fischernetz Petri. Lukas 5, 1-10: „Fürchte Dich nicht! Denn von nun an wirst Du Menschen fangen.“

Das Taufbecken mit überwölbender Kuppel ist als Weltkugel geformt (Außen Europa, Asien und Afrika; Im Inneren die außen fehlende Erdhälfte) und weist symbolisch auf den Missionsauftrag hin: „Gehet in alle Welt…“

Im vorderen Bereich des südlichen Querflügels sehen wir einen alten Taufstein aus der Gemeinde Maniersch, dem heutigen Magherus im Kreis Mures in Siebenbürgen. Viele der jetzt in Uffenheim sesshaften ehemaligen Heimatvertriebenen stammen aus dieser Gegend.   

Die zweite Empore auf der Westseite ist nun vorwiegend für die dreimanualige Steinmeyer-Orgel und die Kirchenmusik vorgesehen.

 

 

Glocken:

Die vier Glocken der heutigen Kirche wurden am 15. Mai 1953 angeliefert und am Morgen des 16. Mai 1953 auf den Glockenturm aufgezogen. Die Arbeiten waren rechtzeitig abgeschlossen, um die Glocken  um 12:00 Uhr desselben Tages erstmals läuten zu können.

1.     Die Zwölf-Uhr Glocke wiegt 1.500 Kilogramm, zeigt ein Bild von Jesus Christus und trägt die Umschrift „Friede sei mit Euch“.

2.     Die Elf-Uhr Glocke wiegt 700 Kilogramm und wurde von den Kirchenvorständen der Amstperioden 1946 bis 1952 und 1953 bis 1958 gestiftet. Sie zeigt ein Bildnis von Johannes dem Täufer und trägt die Umschrift “Tuet Busse, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“.

3.     Die Taufglocke wiegt 300 Kilogramm und trägt die Umschrift:Lasset die Kindlein zu mir kommen“. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Bäckerfamilie Hans Pehl gestiftet.

 

Der Guss dieser drei Glocken erfolgte 1953 in der  im Jahre 1850 von Joseph Bachmair gegründeten Glockengießerei Bachmaier in Erding, welche 1936 von Karl Czudnochowsky (*1900 - +1977) übernommen wurde.

Der Betrieb der Gießerei wurde 1971 eingestellt.

Karl Czudnochowsky war der Neffe von Glockengießermeister Heinrich Ulrich aus Apolda in Thüringen, der 1923 für den Kölner Dom die Nachfolgerin der Kaiserglocke, die St. Petersglocke (Dicker Pitter) in einem einzigen Guss gefertigt hatte. Diese Glocke hatte im Gegensatz zur Kaiserglocke den schon für diese geplanten, richtigen Schlagton „c0 -5“.

Diese Kaiserglocke hatte trotz dreier Gussversuche diesen geplanten Schlagton nie erreicht.

Der Guss des „Dicken Pitter“ erfolgte auf Grundlage der sogenannten Gloriosa-Rippe der 1497 gegossenen Gloriosaglocke im Erfurter Dom. Diese gilt auch heute noch weltweit als eine der am besten klingenden Glocken.  Czudnochowsky arbeitete zu dieser Zeit bei seinem Onkel und war so am Guss der St. Petersglocke beteiligt.

 

4.     Die „Schlesische Glocke“ wiegt 450 Kilogramm und stammt ursprünglich  aus Mühlatschütz im Landkreis Oels (nordöstlich von Breslau). Sie wurde im Jahre 1735 gegossen.

Sie war im Zweiten Weltkrieg, wie so viele andere Glocken, zu Kriegszwecken abgenommen worden und landete auf dem „Hamburger Glockenfriedhof“.

Hier wurden die Glocken gesammelt, um anschließend eingeschmolzen zu werden. Nach Kriegsende wurden jene Glocken, die aus von den Sowjettruppen besetzten Gebieten stammten, nicht zurückgegeben. Westdeutsche Gemeinden, die durch vorherige Glockenabnahmen neue Glocken benötigten, wurden mit Glocken vom Glockenfriedhof, die vom Einschmelzen verschont geblieben waren, versorgt. So kam die „Schlesische Glocke“ schließlich nach Uffenheim.

 

Schloss Oels war seit 1905 wiederholt das Domizil des Kronprinzen von Preußen, Wilhelm von Hohenzollern (1882 – 1951), dem ältesten Sohn des Kaisers Wilhelm II.

 

Die Glockentöne sämtlicher Glocken  sind Bestandteil des 4-stimmigen Salve Regina Geläutes mit den Nominaltönen c“ –e“ –g“ –a“.