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Evangelisch – Lutherisches Dekanat, Luitpoldstraße 3

 

Der Bau des massiven, zweigeschossigen Walmdachhauses erfolgte im Jahr 1731, also während der Regierungszeit von Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Hohenzollern (1729 – 1757) CWF, der erst im 19. Jahrhundert den Beinamen „Der Wilde Markgraf“ bekam.

Der öffentliche Charakter des Gebäudes wird geprägt durch die Gliederung mit umlaufendem Gurtgesims unter den Obergeschossfenstern und den darunterliegenden Putzfeldern, sowie den farbigen Fensterläden. Bei der letzten Sanierung 2010/11 erfolgte der Einbau zusätzlicher Dachgauben.

Zum alten Fuhrwerksweg auf den Lerchenbühl (heutiger Bahnberg) gelangte man außer über die heutige Alte Bahnhofstrasse auch von der Stadt aus über das schmale Hirtengässlein, die heutige Luitpoldstraße.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gässchen im Volksmund auch „Krinolinenweg“ genannt. Diesen Namen erhielt es, als der Reifrock mit dem Namen  „dernier cri“ die Damenmode beherrschte. Die Uffenheimer Damen unterwarfen sich natürlich auch dieser Diktatur der Pariser Haute Couture (gehobene Schneiderei) und gürteten um ihre Wespentaillen diese weitausladenden Ungetüme. Die Gasse war so schmal, dass eine krinolinetragende Frau diesen Engpass völlig ausfüllte. Wer von der anderen Seite entgegenkam, konnte nicht ausweichen, da kein Platz mehr war. Er musste also wieder zurückgehen und erst das Verkehrshindernis mit den wippenden Hüften passieren lassen.

Der Weg führte dann weiter durch eine kleine Ausgangspforte in der Stadtmauer am Dekanatsgebäude. Das Türchen wurde im Winter um 8 Uhr und im Sommer um 9 Uhr geschlossen und erst am nächsten Morgen wieder geöffnet.

An der Stelle des heutigen Kriegerdenkmals befand sich ein kleiner sumpfiger Weiher. Die Stockwiesen im Osten reichten bis fast an die Stadtmauer heran. Jeden Morgen watschelten hier die Uffenheimer Enten mit lautem Geschrei aus der Stadt hinaus, um sich tagsüber auf dem Weiher aufzuhalten.

Über diese Wiesen gelangte man auf einem meist nassen Fußweg bei der Hedwigsruh auf den obengenannten Fuhrwerksweg, heutige Alte Bahnhofsstraße.

Nach einigen gescheiterten Anläufen in den Jahren 1864 bis 1872 wurde im Jahre 1879 endlich die Verbreiterung des oben genannten Hirtengässchens, der Durchbruch durch die Stadtmauer und der Bau der neuen Bahnhofstraße bis zur Stelle der heutigen Hedwigsruh beschlossen (Zusammenschluss mit alter Bahnhofstrasse), um einen direkten Straßenzugang zum Bahnhof zu schaffen. Hierzu war der Abriss mehrerer Gebäude (u. a. die Dekanatsscheune) im Bereich des Dekanats und des heutigen Gerlach-von-Hohenlohe-Stifts nötig. Die Arbeiten wurden bis 1882 abgeschlossen. Auch der Teil vom Spitalplatz bis zur Kreuzung hieß damals noch Bahnhofstraße und wurde erst anlässlich des achtzigsten Geburtstages von Prinzregent Luitpold von Bayern am 12. März 1901 in „Luitpoldstrasse“ umbenannt.

Quelle: Gollachgau II. Jahrgang, Seiten 90 – 92

 

Hedwigsruh

Sie befindet sich an der Mündung der Alten Bahnhofstraße in die Bahnhofstraße.

Die dortige Ruhebank geht zurück auf eine Stiftung der Würzburger Amtsrichters-Gattin Gretchen Nüßler (eine Schwester des Uffenheimer Posthalters Christoph Neeser) aus dem Jahre 1911 zur Errichtung einer Ruhestelle und der gleichzeitigen Finanzierung einer Wöchnerinnenfürsorge. Die Amtsrichters-Gattin richtete die Stiftung zur Erinnerung an Ihre Tochter Hedwig ein, die im Wochenbett verstorben war.

Heute steht dort auch ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten nach dem 2.Weltkrieg.

Quelle: Gollachgau II. Jahrgang Seite 93