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Alte Sparkasse, Friedrich-Ebert-Straße 18

                  

Das vom ehemaligen Uffenheimer Kammerrat und Amtskastner Georg Ludwig Greiner erbaute Gebäude stammt aus der ersten Hälfte 18. Jahrhunderts und wurde zum Teil auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus errichtet.

Im Jahre 1743 kam es durch ein Tauschgeschäft in markgräflichen Besitz, wurde 1744 mit einem Aufwand von 1.181 fl renoviert und diente im Anschluss als Dienstwohnung für den Oberamtmann.

Es handelt sich um ein sehr stattliches dreigeschossiges Eckhaus mit Walm-Mansard-Dach. Die Fachwerkobergeschosse waren ursprünglich, wie im Barock üblich, verputzt. Das Fachwerk wurde 1930 freigelegt, um schließlich 1994 doch wieder verputzt zu werden. Zur Friedrich-Ebert-Straße hin ragt ein Balkon aus der Fassade, der auf drei mit Voluten geschmückten Konsolen ruht (Volute ist eine schneckenförmige, künstlerische Ornamentik in der Architektur).

In der „Alten Sparkasse“ befinden sich unter abgehängten Decken alte Stuckdecken, bemalte Decken mit freier- und Schablonenmalerei. Zwei aus diesem Haus stammende, restaurierte farbige Stuckmedaillons mit den Darstellungen eines Fasans und einer Wildente befinden sich im Gollachgaumuseum.                            

Die „Alte Sparkasse“, das ehemalige „Markgräfliche Amtshaus“, wurde vom  Kastner und späteren Justizdirektor Konrad Christoph Jung (Junior) 1778 von der Markgrafschaft gekauft.

Ein „Kastner“ wurde für einen Amtsbezirk bestellt, wo er mit der Aufsicht und Verwaltung des herrschaftlichen Kammerguts beauftragt war. Dies betraf zunächst den „Kasten“, also den Speicher, wo die Naturalabgaben der Untertanen zusammenflossen (zum Beispiel Getreide, Grieß, Mehlsorten, Kleie, Salz). Dem Kastner oblagen somit die sachgerechte Lagerung der Naturalien, die Qualitätssicherung, aber auch die Überwachung der Arbeitsleistungen der Untertanen bis hin zur Bestimmung des Brotpreises.

Da sich aus den Naturalabgaben die Steuern entwickelten, wurde Kastner zu einer Bezeichnung für den Aufseher über alle Einkünfte eines Grundherrn, also für einen Rentmeister.

Das Haus verblieb bis 1847 im Besitz der Familie Jung bis es der Rittergutsbesitzer und Kreditkasseninhaber Johann Georg Krämer aus Wallmersbach erwarb. Er hatte sein Handwerk nach den napoleonischen Kriegen im Hause Rothschild in Frankfurt erlernt und gründete im Jahre 1855 die „Krämersche Kreditkasse und Wechselbank“. Er war seit 1837 mit der Urenkelin des obengenannten Konrad Christoph Jung, Maria Dorothea Luz aus Uffenheim, verheiratet.

Anschließend wurde das Haus von seinen Söhnen, Richard Krämer (er war von 1897 bis zu seinem Tod am 05.08.1899 auch Bürgermeister von Uffenheim) und Otmar Krämer, beide Bankiers, übernommen.

Die im Laufe der 1890er Jahre einsetzende ungeheure Bautätigkeit der rasant wachsenden Großstädte hatte das Bankhaus Krämer dazu veranlasst, an der Peripherie von München Bauerwartungsland aufzukaufen, um es später zu parzellieren und mit hohem Gewinn als Bauplätze zu verkaufen. Abgestoßen wurde immer nur so viel Land wie zur laufenden Solvenz nötig war.

Der Ausbruch des russisch-japanischen Krieges im Jahre 1904 löste eine weltweite Schockwirkung aus, die zu einer – wenn auch nur kurzfristigen und vorübergehenden – Stagnation der deutschen Konjunktur führte. Die bisher lebhafte Nachfrage nach Baugelände brach ein und es kam zu einem rapiden Preisverfall der Grundstücke. Die durch die Alarmnachrichten der Presse nervös gewordenen Anleger begannen anfangs nur vereinzelt ihre Gelder abzuziehen. Als sich jedoch in Uffenheim das Gerücht verbreitete, die Bank habe sich derart verspekuliert, dass sie bereits ihre Depots angegriffen habe und zahlungsunfähig sei, führte dies zu einem massenhaften Abzug der Kundeneinlagen und in der Folge zur faktischen Insolvenz der Bank. Wie sich später herausstellte, waren keine Depots angegriffen worden und das Bankhaus fiel nur der allgemeinen Hysterie zum Opfer. Die Ansprüche der Anleger konnten letztlich mit den Erlösen aus Versteigerungen und dem Verkauf des bankeigenen Grundbesitzes (u.a. Gut Aspachhof) und dem Einsatz privater Mittel vollständig befriedigt werden.

1906 kauft die Stadtgemeinde Uffenheim als Inhaberin der Städtischen Sparkasse Uffenheim das Anwesen.

 

Berühmte Gäste des Hauses:

 

Uffenheim war 1791 preußisch geworden, Landesherr war nun König Friedrich Wilhelm II., ab 1797 sein Sohn König  Friedrich Wilhelm III.

In die Ära des letzteren fielen die Napoleonischen Kriege. In der Schlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806 ging diese preußische Herrschaft über Uffenheim unter.

Am Freitag, dem 13. Juni 1792 besuchte der preußische König Friedrich Wilhelm II. sein neues Herrschaftsgebiet und hielt Einzug in Uffenheim.

Vom Balkon des Hauses Nr. 18 nahm er die Huldigung der Uffenheimer zusammen mit seinem Minister Karl August Freiherr von Hardenberg entgegen. Unter beständigem Rufen, mit dem Donner von Böllern und dem Erschallen von Pauken und Trompeten riefen die in großer Anzahl gekommenen Uffenheimer: „Es lebe der König“.

Anschließend folgte dann die eigentliche Attraktion: Dem 21-jährigen Kronprinzen, wurde die von Johann Georg Schuster gebaute Rechenmaschine Schuster I vorgeführt. Dies war eine Rechenmaschine, welche die vier Grundrechnungsarten bis in den 12-stelligen Bereich beherrschte. Die Erfindung (Entwurf) stammte von seinem Schwager, dem Pfarrer Philipp Matthäus Hahn (siehe Uffenheimer Bilderbogen I Abb. 7).

Schuster, ein Bauernsohn aus Westheim an der Frankenhöhe, war seiner Zeit voraus und hatte nach den Anfängen in Westheim sich mit seiner Familie in Uffenheim angesiedelt. Diese Rechenmaschine fertigte er hier, wie der Aufschrift zu entnehmen ist: „...angefangen 1789, vollendet 1792 in Uffenheim“. Diese Rechenmaschine befindet sich heute im Deutschen Museum in München.

Zwei Jahre später ernennt ihn die Ansbacher Uhrmacherzunft zum Meister. Dort fertigte er zwei weitere Rechenmaschinen, die Schuster II, die 1820 fertiggestellt wurde und die Schuster III.

Letztere wurde 1993 für 7.707.500 £ bei Christie´s in London versteigert. Sie ging an das Forschungsinstitut für Diskrete Mathematik in Bonn, wurde restauriert und kann nun der Öffentlichkeit präsentiert werden.

 

Im Jahre 1805 residierte Marschall Jean-Baptiste Graf Bernadotte (1764-1844), der spätere schwedische König, im Auftrag seines französischen Kaisers in diesem Haus. Er hielt am Schellenberg an der Nordseite des Hochholzes eine Manöverschau mit zwei Kürassierregimentern (Kürassier: ein mit Brustpanzern ausgestattete schwerer Kavallerist). Marschall Bernadotte erfreute sich mit seiner leutseligen Art in Uffenheim großer Beliebtheit.

Ab 1818 bis 1844 war Graf Bernadotte dann als Karl XIV. Johann König von Norwegen und Schweden. Karl XIII., der letzte der Dynastie Holstein-Gottdorf, hatte keine überlebenden Kinder und adoptierte den Grafen Bernadotte 1810.

Nachdem sein Adoptivvater erkrankt war, führte Graf Bernadotte bereits ab 1811 die Amtsgeschäfte und wurde nach dem Tode Karl XIII. im Jahre 1818 somit zum ersten Vertreter der noch heute in Schweden amtierenden Königsfamilie Bernadotte.