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Historische Gebäude

Erstellt von:

Dr. Robert Herold
Norbert Holzmann

unter Mitwirkung von:

Manfred Fischer
Walter Gebert
Fritz Klaußecker Jr.
Ferdinand Seehars

1. Oberamtskanzlei

Oberamtskanzlei, Schloßplatz 6

Die Oberamtskanzlei wurde 1698 als Ersatz für die hohenlohische Kanzlei (dieses Gebäude stand an der Ecke Marktplatz zur Schmiedsgasse und ist im Jahre 1890 abgebrannt) erbaut. Deshalb hatte die hinter der alten hohenlohischen Kanzlei befindliche Bäckerei (letzter Bäcker Franz Ellgoth) den Beinamen „Kanzleibeck“.

Das Oberamt war bis 1791 eine Art „Mittelinstanz“ zwischen den Zentralbehörden und den Außenämtern. 15 Oberämter in der Markgrafschaft Ansbach hatten die Aufsicht über Verwaltung, Rechtsprechung und Wirtschaft. Dazu gehörten auch die Frevelgerichtsbarkeit, die Ziviljustiz, das Wehrwesen und die vielfältigen Aufgaben der Polizei.

Der Leiter des Oberamtes, ein adeliger Oberamtmann, vereinigte als Stellvertreter des Landesherrn alle Funktionen der Herrschaft in der mittleren Ebene auf sich.

Das alte Oberamt Uffenheim umfasste 1732 folgende Ortschaften und reichte bis vor die Tore des heutigen Bad Windsheim:

Adelhofen, Auernhofen, Berchtshofen, Brackenlohr, Buchheim und Rannenmühle, Custenlohr, Equarhofen und Grubmühle, Ergersheim, Ermetzhofen mit Obermühl, Kellermühl und Simesmühl, Geißlingen, Hohlach, Holzhausen mit Gälesmühl, Kleinharbach, Langensteinach, Mörlbach mit Seemühl und Habermühl, Neuherberg, Pfaffenhofen mit Zeigelmühl und Rannenmühl, Hinter- und Vorderpfeinach, Rudolzhofen, Seenheim, Simmershofen, Uffenheim mit Hummelsberg, Grabenmühle, Mittelmühle, Riedmühl und Schafhof, Ulsenheim, Unterickelsheim, Uttenhofen mit Zollhaus, Walkershofen, Wallmersbach, Welbhausen mit Welbhäuser Mühl, Wiebelsheim.

Die Ämter in Mainbernheim, Prichsenstadt, Kleinlangheim und Stefansberg waren dem Oberamt Uffenheim oberaufsichtlicht angegliedert.

1797 in preußischer Zeit (1792 – 1806) wurde Uffenheim Kreisdirektorium mit Sitz in der Oberamtskanzlei, das für die vorerwähnten Ämter nach wie vor zuständig war.

In der bayerischen Zeit (ab 1806) wurden die Aufgaben des Kreisdirektoriums durch die Landrichter weitergeführt. Uffenheim hatte damit ein Landgericht und ein Rentamt (Finanzamt), welche dann zeitgleich in das Schlossgebäude verlegt wurden.

Am 1. Juli 1862 wurden die Landgerichte älterer Ordnung aufgelöst und Verwaltungs- und Justizbehörde getrennt. Durch den Zusammenschluss der bisherigen Landgerichte Uffenheim und Windsheim entstand das Bezirksamt Uffenheim, das seinen Sitz in Uffenheim hatte und an dessen Spitze von da an ein Bezirksamtmann stand. Dieses Gebilde wurde 1939 in „Landkreis Uffenheim“ umbenannt. An seiner Spitze stand der Landrat.

Nach der Renovierung der Oberamtskanzlei im Jahre 1742 sehen wir hier einen barocken Profanbau mit horizontalem Gurtgesims und vertikaler Eckbetonung.

Das Oberamtskanzleigebäude wurde von ca. 1815 bis 1946 als Fronfeste (Gefängnis) und Gerichtsdienerwohnung verwendet.

Ab 1948 diente das Gebäude jahrelang als Polizeistation mit Arrestzellen.

Anfang der achtziger Jahre bestand auch einmal die Vorstellung, in dem Gebäude einen Lebensmittelmarkt einzurichten.

Seit 1990 ist darin der jüngere Teil des Gollachgaumuseums untergebracht.

Im Erdgeschoss ist eine Schmiedewerkstatt eingerichtet, der Vorraum und die beiden ehemaligen Arrestzellen dienen zu Wechselausstellungen.

Im ersten Obergeschoss befinden sich die stadtgeschichtliche Abteilung mit einem Stadtmodell der Ansicht von 1690 sowie ein Vortragsraum.

Im zweiten Obergeschoss befinden sich u.a. die Zinngießerwerkstatt der Familie Krämer, ein alter Tante-Emma-Laden (Remele) sowie weitere Handwerksstuben.

Das Dachgeschoss beherbergt die Exponate der Archäologie aus Uffenheim und seinem Umkreis von ca. 15 km. Unter Anderem wird hier „Ergi“,  das Skelett einer jungen Frau aus der Zeit der Völkerwanderung (375 – 568) gezeigt, welches beim Bau der Umgehungsstraße von Ergersheim gefunden wurde.

 

 

 

 

 

 

2. Markgräfliches Schloss

Markgräfliches Schloss, am Schloßplatz

 

Baubeschreibung

Das ehemalige Wasserschloss nimmt das südwestliche Viertel der ummauerten Altstadt ein. Es handelt sich um ein sogenanntes Kernschloss.

Der gesamte Baukörper ruht auf einem Bruchsteinsockel aus Muschelkalk.

Der nördlich gelegene Haupttrakt ist dreieinhalb geschossig und umgibt eine lichthofartige, quadratische innere Öffnung.

An den Außenseiten von Nord- und Ostseite finden sich leicht vorgezogene Mittelrisalite und durchlaufende kolossale Ecklisenen.

Die Hoffront des Nordflügels wird von  einem stärker hervorgehobenen Mittelrisalit dominiert. Im westlichen Sockelbereich führt eine  rundbogige Türe in die Kellerräume und zur ergrabenen ehemaligen Kapelle.

Zwischen Mezzanin- und Obergeschoss ist ein kräftig profiliertes Geschossgesims erkennbar. (Ein Mezzaningeschoss ist ein niedrigeres Zwischengeschoss)

Der Mittelrisalit auf der Hofseite des Nordflügels wird von einem Zwerchhaus bekrönt.

Schlosshof

Gegen den Schlosshof öffnet sich das Erdgeschoss des aus dem 17. Jahrhundert stammenden Südtraktes bei zurückgesetzter Wand in fünf ungleich breiten korbbogigen Pfeilerarkaden.

Die Hochwand ist in Fachwerk ausgeführt, dessen Brüstung gefeldert verputzt ist und analog zur Erdgeschossarkade korbbogig geführt ist (möglicherweise ursprünglich eine offene, später zugesetzte Galerie).

Der nördliche Treppenturm liegt am hofseitigen westlichen Ende des Nordbaues.

Die Ecken bestehen aus gefelderten, verzahnten Eckquadern. Die verzogenen steigenden Rautenfenster weisen auf die Bauzeit in der Renaissance hin. Eine  Rundbogentür führt nach innen zur steinernen Wendeltreppe. Der Innenhof wird durch einen Verbindungsbau aus dem 18. Jahrhundert im Osten geschlossen.

Torturm

Den westlichen Abschluss des allseits geschlossenen Innenhofes bildet der vorgestellte, außen mit drei Seiten freistehende Torturm. Er zeigt genutete Ecklisenen und eine korbbogige, dann rechteckig umrahmte, spitzbogige Durchfahrt. Im Ursprung stammt dieser Turm noch aus dem Jahre 1481, als aus der abgebrannten Niederungsburg eine Wasserburg entstand. Seitlich davon sind die vermauerten Rollenlöcher der ehemaligen Zugbrücke noch erkennbar.

Außen über der Durchfahrt befindet sich ein Sandsteinwappen der Markgrafschaft  Brandenburg – Ansbach.

Dieses Wappen war gültig von 1654 – 1703/04.

Das Sandsteinwappen enthält allerdings einen heraldischen Fehler:

•        Das seitenverkehrte „F“ in der letzten Zeile ist ein altes Wappen von Kiew/Ukraine

•        Hier müsste statt diesem „F“ eigentlich ein Ankerkreuz (Kamminer Kreuz) für das Fürstentum Kammin  stehen.

 

 

Das niedrige Obergeschoss mit genuteten Ecklisenen und Walmdach ist durch ein Gurtgesims abgesetzt.

Die Durchfahrt hat eine verputzte Flachdecke und nördlich eine rechteckige in den ehemaligen Graben führende vermauerte Türe.

Der ehemals breite Graben ist trockengelegt und in eine Gartenanlage umgewandelt. Die äußeren Futtermauern stehen noch an der West – und Südseite, ein kleiner Rest noch am Schweinemarkt.

Ein durch senkrechte Futtermauern begrenzter Damm mit Fahrweg führt im Westen auf den Torturm zu. Der heutige Damm, erbaut Mitte des 20. Jahrhunderts, hatte eine steinerne Brücke als Vorläufer, welche ab 1748 eine frühere Holzbrücke ersetzt hatte.

 

Geschichtlicher Exkurs

Die in der Stadt gelegene einstige Niederungsburg war bereits Sitz der Herren von Uffenheim. Aus dieser Zeit stammt auch die erste schriftliche Erwähnung Uffenheims im Jahre 1103. Ab 1266 war sie der Ansitz der Herren von Hohenlohe. Diese verkauften dann 1378 die Burg mit der Stadt und der Herrschaft aus Geldnot an die Burggrafen von Nürnberg (Burggraf Friedrich V.) aus dem Hause Zollern für 24.000 Gulden (nach  heutiger Kaufkraft ca. 8.000.000 EURO).

Im gemauerten Bruchsteinsockel aus Muschelkalk, links unterhalb des Torturms, im Bereich des ehemaligen Wassergrabens ist ein romanischer Doppelbogen erkennbar, dessen Zweck und Alter aber unklar sind.

Dahinter befand sich eine ehemalige Kapelle aus spätottonischer bzw. frühsalischer Zeit (aus der Zeit zwischen 1020 und 1050), die wohl bis zum Brand der Burg 1461 dort bestanden hatte. Der Grundriss der rechteckigen Kapelle mit eingezogener Apsis ist archäologisch vollständig ergraben.

 

Die wohl bereits in ottonischer Zeit (919 – 1024) entstandene erste Burg war also eine Niederungsburg in einer Spornlage. Diese wurde gebildet von den ehemals hier im heutigen Stadtgebiet verlaufenden Bächen „Hainbach“ und „Schellenbach“ (Custenlohrer Bach), die spätestens um 1485 um die heutige Altstadt herumgeleitet wurden.

Der ehemalige Zusammenfluss der beiden Bäche kann im Bereich des heutigen Schweinemarkts angenommen werden. Der gemeinsame Abfluss in Richtung Gollach erfolgte dann nördlich des extra muros gelegenen Spitals etwa in Höhe der heutigen Luitpoldstrasse.

1349 wurde Uffenheim  durch Kaiser Karl IV., den Luxemburger, unter der Ägide von Ludwig von Hohenlohe (*1312, reg. 1330  - 1356) zur Stadt erhoben.

Im Jahre 1461 wurde die Burg in Folge des Bayerischen Krieges (1459-1463), auch Fürstenkrieg genannt, vom eigenen Kastner Leonhard Renner angezündet, um die darin lagernden Vorräte dem Feind nicht in die Hand fallen zu lassen.

An gleicher Stelle wurde die Anlage als Wasserburg neu errichtet. Die Arbeiten waren bis 1481 beendet. Die Burg wurde in den folgenden Jahrhunderten sukzessive erweitert. Insbesondere lassen sich für die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts Baumaßnahmen erschließen (Südflügel sowie die Westseite des Nordflügels zusammen mit dem Renaissance-Treppenturm). Dabei nahm die Burg (Verteidigungsanlage) zunehmend den Charakter eines Schlosses (Wohn- und Repräsentationsbau) an.

Das seitherige Wasserschloss ist in seinem heutigen Erscheinungsbild durch den letzten großen Umbau zum reinen Niederungsschloss geprägt, der 1737 – 1752 unter Leitung des Hofbaudirektors Leopoldo Retti begonnen und unter Johann David Steingruber beendet wurde. Dabei wurde das Schloss erheblich nach Osten erweitert. Mit den Bauarbeiten war der Uffenheimer Maurermeister Zipold beauftragt. Hierbei wurden im 2. Obergeschoss repräsentative Räume für die Nutzung als Jagdschloss aufwändig mit Stuckornamenten dekoriert.

Mit Beginn der bayerischen Zeit im Jahre 1806 zogen das Landgericht und das Rentamt (Finanzamt) als Nachfolgeinstitution des preußischen Kreisdirektoriums von der Oberamtskanzlei in das Schlossgebäude um.

Am 1. Juli 1862 wurden die Landgerichte älterer Ordnung aufgelöst und Verwaltungs- und Justizbehörde getrennt. Durch den Zusammenschluss der bisherigen Landgerichte Uffenheim und Windsheim entstand das Bezirksamt Uffenheim, das seinen Sitz weiterhin im Uffenheimer Schloss hatte und an dessen Spitze von da an ein Bezirksamtmann stand.

Diese Einrichtung wurde 1939 in „Landkreis Uffenheim“ umbenannt. An seiner Spitze stand der Landrat.

Bereits im Jahre 1902 war die Justizbehörde in das neu errichtete Amtsgericht, heute Haus der Kirche, umgezogen.

 

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern im Jahre 1972 wurden die Landkreise Uffenheim, Scheinfeld und Neustadt a. d. Aisch aufgelöst und zum Landkreis Neustadt a. d. Aisch – Bad Windsheim zusammengefasst mit seinem Sitz in Neustadt an der Aisch.

Im Schloss in Uffenheim verblieb das Finanzamt, das seither für den gesamten  Landkreis Neustadt a. d. Aisch – Bad Windsheim zuständig ist.

Anfang des 21. Jahrhunderts waren die Platzverhältnisse des Schlosses nicht mehr ausreichend. Die Errichtung des erforderlichen Neubaus für das Finanzamt an der Westseite des Schlossplatzes war 2005 abgeschlossen.

Im Anschluss daran konnte die Renovierung des Schlossgebäudes durchgeführt werden.

Die Stuckornamente aus der Markgrafenzeit, in der das Gebäude als Jagdschloss diente, wurden bei der Restaurierung des Gebäudes in den Jahren 2006 bis 2009 freigelegt und lassen die ehemalige Nutzung heute wieder lebendig werden.

In diesem Rahmen erfolgte auch der Einbau eines Aufzuges im neu mit Glas überdachten Lichthof.

Im Zuge der Gesamtmaßnahmen erfolgte auch die Wiederherstellung der ursprünglichen Fassadenfarbe auf Putz– und Fachwerkflächen.

Das Mezzaningeschoss ist heute für Bürozwecke wegen zu geringer Raumhöhe nicht mehr geeignet. Daher wird es nur noch als Archiv genutzt.

Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter des Finanzamtes befinden sich heute sowohl im Schloss als auch im Neubau gegenüber, der auch ausschließlich für den Publikumsverkehr genutzt wird.

Die Skulptur von Markus Stangl auf dem Vorplatz des Neubaus steht exakt im Schnittpunkt der Blickachsen zum Schlosszugang und zum Haupteingang des Erweiterungsbaus.

Die ca. 5m hohe Cortenstahl – Skulptur aus einem 16- teiligen Vieleck ist als Schleife konstruiert, die einzelnen Segmente sind durch ein innen liegendes Edelstahlseil zusammengespannt.

COR-TEN-Stahl (auch: Cortenstahl oder Kortenstahl) ist die Handelsbezeichnung für einen wetterfesten Baustahl.

1890 entstand die Uffenheimer „Dammanlage“ (Grünanlage), die dem nördlichen und östlichen Teil des trockenen Burggrabens entspricht. Dieser Platz war vormals der Hauptteil des Uffenheimer Viehmarktes.

Der Schlossplatz diente in geschichtlicher Zeit als Exerzierplatz und nach dem 2. Weltkrieg kurzzeitig als Festplatz.

Noch bis in die 1950er Jahre wurde neben dem eigentlichen Schweinemarkt  auch der Schlossplatz zeitweise zum Abhalten des Schweinemarktes genutzt, der bis ca. 1980 jeden Mittwoch in Uffenheim stattfand.

Derzeit wird der Schlossplatz als zentrumsnaher Parkplatz und als Festgelände für Vereinsveranstaltungen mit der erforderlichen Infrastruktur in der Zehntscheune genutzt.

3. Heisenstein

Heisenstein

 

Der Name soll sich von einer mittelalterlichen Richtstätte ableiten. Hier wurden Strafen, die mit „heiß“ (Brandmarken, Blenden etc.) zu tun hatten, vollzogen.

Die Gerichtsstätte war oben am Heinrichsturm und war der zweite Pranger Uffenheims (erster Pranger am Grünen Baum oder Rathaus).

Heute stellt der Heisenstein eine malerische Idylle Uffenheims dar.

Der Mauerdurchbruch zur Neuen Gasse erfolgte 1739 unter Markgraf Carl Wilhelm Friedrich (CWF). Die heutige Bebauung stammt zum Teil aus der Barockzeit (18. Jahrhundert). Im Verlauf der Gasse findet man einen Kellereingang mit Jahreszahl 1760 und eine auffällige in der Mitte verlaufende Abwasserrinne.

Das Eckhaus Heisenstein/Schlossstraße mit Walmdach und Gurtgesimsen war 1802 Eigentum des Kammerrats Joh. Friedrich Macco. Er war der Vater von Alexander Macco (*1767 in Creglingen; † 1849 in Bamberg).

Dieser deutsche Historien- und Porträtmaler wohnte oft bei seinem Vater oder seinem Bruder in diesem Haus.

Bei einem Blick auf das Treppengeländer dieses Hauses fallen im oberen Feld auf der linken und rechten Seite zwei kleine Kreise mit Schriftzeichen auf.

Es handelt sich hier um alte Stenographie-Zeichen.

Im linken Kreis ist hier der Vorname „Heinrich“ zu lesen. Bei dem genannten Heinrich dürfte es sich hier um Heinrich Ritter handeln, der von Beruf Schlosser war und das Anwesen 1881 von seinem Vater übernommen hatte. Die in der Mitte des Geländers eingearbeitete Schwert- bzw. Ritterlilie dürfte hier wohl  für den Namen „Ritter“ stehen.

Die Zeichen im rechten Kreis sind zwar nicht eindeutig zu entziffern, aber nachdem es sich hierbei wohl um ein Kürzel für „mpf“ oder Ähnlichem handelt, könnte es sich hier eventuell um  die Initialen der Braut des Besitzers eine gewisse Maria Barbara Friedlein handeln.

4. Heinrichsturm

Heinrichsturm, Amtsgartenweg 16

 

Er ist der niedrigste Turm der Stadtbefestigung und war bis Ende des 20. Jahrhunderts bewohnt.

Unterhalb des Kellergeschosses befindet sich ein fensterloses Lochgefängnis, das nur durch eine Luke von oben zugänglich war. Es diente als sogenannte Fronfeste, hier vorzugsweise zur Verwahrung für zum Tode Verurteilte und für zu brandmarkende Verbrecher.

Ein in den Jahren 1798 – 1806 projektierter Umbau des Heinrichsturms zu einem „Modernen Polizeigefängnis“ scheiterte an den zu hohen Kosten (8.164 fl, 15 ¼ Kreuzer).

Exkurs zur Mittelalterlichen Gerichtsbarkeit

Ziel der Strafen früherer Zeiten war die Vergeltung für die Missetat, nicht eine Besserung des Täters herbeizuführen.

Ab dem 13. Jahrhundert war dann auch die Abschreckung wichtig.

Man sollte dem Verbrecher, solange er lebte, die Strafe ansehen; daher die Verstümmelungsstrafen (Brandmarken, Finger oder Hand abtrennen, etc.)

 

Delikte und ihre Strafen

Mord

Früher war nach germanischem Stammesrecht die Sühne durch „Wergeld“                (Sühnegeld) üblich. Ab dem 12. Jahrhundert setzte sich die „Peinliche Bestrafung“ (Todesstrafe) durch.

Mörder wurden durch Rädern und Mörderinnen durch lebendiges Begraben hingerichtet. Oft wurde aus Gnade die Enthauptung mit dem Schwert zuvor vollzogen, ab dem 18. Jahrhundert nur noch durch das Schwert.

Totschlag

Strafe durch Enthauptung, vereinzelt Galgen oder Strafgeld an die Stadt mit anschließender Verbannung.

 

Brandstiftung

Nach dem Sachsenspiegel wurde die einfache Brandstiftung durch Enthauptung, der absichtliche Mordbrand mit Rädern bestraft.

 

Diebstahl

Kleiner Diebstahl durch Geldbuße, die dem mehrfachen Wert der gestohlenen Sache entsprach. Später kam die Bestrafung „An Haut und Haaren“: Prügel, Brandmarken, Ohrabschneiden etc.

Hexerei

Im Frühmittelalter lediglich Buße und kirchliche Strafen.

15. – 18. Jahrhundert Hexenverfolgung (Inquisition) grundsätzlich mit Folter und fast immer mit Tod durch Verbrennen. Es genügten die reine Denunziation oder ungewöhnliche körperliche Merkmale wie rote Haare oder ein Buckel.

Die letzte Hexenverbrennung fand in Würzburg 1749 statt.

 

Folgende Strafen kamen grundsätzlich in Frage:

 Todesstrafen

Enthaupten, Hängen, Rädern, Ertränken, Sieden, Verbrennen, Lebendig begraben, Pfählen, Einmauern, Vierteilen.

Verstümmelungsstrafen

Blenden, Abtrennen von Finger, Hand, Ohr, Zunge etc..

Ehrenstrafen

Verweis, Widerruf und Abbitte, Tragen schimpflicher Tracht, Dachabdeckung, Schubkarrenschieben für unkeusche Liebespaare, Tragen von Schandmasken, Halsgeige, Falschspielerkette, Verbot Waffen zu tragen, Strafarbeit, Rangverlust, Begräbnis außerhalb des Friedhofes, Pranger, Reiten auf dem Esel, Prellen (die Person wurde auf einem gespannten Tuch hochgeschleudert und es kam oft zu unsanften Landungen), Bäckertaufe.

Freiheitsstrafen

Lochgefängnis (auch zur Unterbringung vor der Hinrichtung).

 

 

„Uffenheimer Hochgericht“  (Blutgerichtsbarkeit)

In alter Zeit soll das Hochgericht (patibulum = Galgen, Kreuz) auf dem Schellenberg (vor dem Nordrand des Hochholzes – Flurname „Alter Galgen“) gestanden haben.

Auf dem Galgenbuck am Geckenheimer Weg befand sich wohl schon spätestens 1732 eine Richtstätte (lt. Johann Georg Vetter, Vertreter der markgräflichen Landbeschreibung). Eine Neugestaltung  dieses Hochgerichts soll in den 1760er Jahren eingeweiht worden sein (lt. J. A. Bullnheimer). In den Jahren 1813 – 1815 wurde selbiges Hochgericht wieder abgetragen.

Pers. Anmerkung: Sicherlich von beiden Standorten ein sehr schöner „Letzter Blick“ auf Stadt und Landschaft.

Zitat aus Bullnheimer:

Kriminal-Exekutionen. Alte wörtliche Wiedergabe:

„Ao. 1723 den 20. November wurde einem inhaftierten Sodomiten (Sodomie ist ein religiöses, christliches Konstrukt für sündiges Sexualverhalten, das nicht der Fortpflanzung in der Ehe dient—auch Sexualität mit Tieren), so mit einem Füllen zu thun gehabt, nämlich N.N. M. aus Equarhofen, 38 Jahre alt, Vater von 6 Kindern, das Leben in custodia (im Gefängnisse) abgekündigt, durch Herrn Stadtvogt Evander, Stadtschreiber und zwei Bürgermeister und meiner, des Spitalpfarrers David Heber, Gegenwart.“

„Den 23. wurde er von mir (Stadtpfarrer) und Herrn Pfarrer Gröninger zum Richtplatz begleitet, und musste ich nach der neuen hochfürstl. Verordnung (von 1720) nach der justification (Rechtfertigung) vor den Spectatoribus (Zuschauern) eine Vermahnung halten, da der Körper zum Spectakel(= fürchterlichen, widrigen und seltsamen Anblick) liegen blieb, bis er vollendet (?) war.“

„Die strafrechtliche Todesart – ohne Zweifel Enthauptung – ist in dieser Relation nicht angegeben. Es mögen wohl an die 4000 Zuhörer gewesen sein. Tags darauf wurde sein Weib, eine vierfache Ehebrecherin ausgepeitscht. Die Herren Beamten und der Rath haben nach der Exekution eine herrliche Mahlzeit gehalten!“

„Im Jahre 1764 ward Michael K., vulgo (gemeinhin so genannt) Tuchmichel, gehenkt.“

„Freitag, den 15. März 1765 wurde Michel H., vulgo „Jörg Dickerl“, 22 Jahre alt, mit dem Schwerte hingerichtet. Nach Inhalt des Todesurteils sollte sein Kopf auf den Galgen gesteckt werden, was jedoch unterblieb. Sein absichtlich gemästeter Leib wurde zum Teil ausgesotten, und das Fett zum wundärztlichen Gebrauche in die Apotheke abgegeben.“

„An demselben Tage ward Joh. Leonhard H., vulgo „dicker Lerd“, gehenkt, desgl. Johann Georg H.. Diese drei Maleficanten (=Missetäter, Übeltäter) hatten sich vielfältiger Diebereien und nächtlicher Einbrüche schuldig gemacht.“

„Am 14. Mai 1767 ward der Mörder und Dieb Jakob Herold (vulgo „Schleifers Jackel“), katholischer Konfession, durch den Scharfrichter-Amtsverweser Joh. Wilhelm Meyer enthauptet und Rumpf und Kopf auf das Rad gesteckt. Seither keine Hinrichtung mehr.“

Alle strafrechtlichen Fälle wurden ins sog. Malefiz- oder Blutbuch eingetragen.

 

 

5. Haus der Kirche

Haus der Kirche, Adelhofer Straße 14

 

Das Haus wurde 1901 als Königlich Bayerisches Amtsgerichtsgebäude mit Grundbuchamt und Dienstwohnungen errichtet.

Der zweigeschossige Mansarddachbau mit Mittelrisalit und Zwerchhaus (Giebel steht im rechten Winkel zum Hauptgiebel) steht heute unter Denkmalschutz, nicht zuletzt wegen seiner reichen neobarocken Putz- und Sandsteingliederung. Der repräsentative Gründerzeitbau zeigt  weiter auch Elemente des Jugendstils.

Bemerkenswert ist der Giebel mit dem Königlich  Bayrischen Wappen.

Ab 1902 befand sich darin bis 1973 das Amtsgericht Uffenheim.

Das Amtsgericht war bereits anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes vom 1. Oktober 1879 im Uffenheimer Schloss als Nachfolger des Landgerichtes eingerichtet worden.

Der Sprengel war deckungsgleich mit dem des vorherigen Landgerichtsbezirks Uffenheim  und umfasste die damaligen Gemeinden Adelhofen, Auernhofen, Bergtheim, Brackenlohr, Buchheim, Custenlohr, Equarhofen, Ergersheim, Ermetzhofen, Geckenheim, Geißlingen, Gollachostheim, Gollhofen, Gülchsheim, Hemmersheim, Herbolzheim, Hohlach, Ippesheim, Langensteinach, Lipprichhausen, Mörlbach, Neuherberg, Oberickelsheim, Pfaffenhofen, Pfahlenheim, Reusch, Rodheim, Rudolzhofen, Seenheim, Simmershofen, Uffenheim, Ulsenheim, Unterickelsheim, Uttenhofen, Walkershofen, Wallmersbach, Weigenheim, Welbhausen und Wiebelsheim.

Übergeordnete Instanzen waren das Landgericht Ansbach und das Oberlandesgericht Nürnberg.

Durch die Aufhebung des Amtsgerichts Marktbreit am 1. Juli 1932 vergrößerte sich der Uffenheimer Gerichtsbezirk noch um die Orte Bullenheim und Gnötzheim.

Mit Inkrafttreten des Gesetzes über die Organisation der ordentlichen Gerichte im Freistaat Bayern (GerOrgG) vom 1. Juli 1973 wurde das Amtsgericht Uffenheim aufgehoben und dessen Bezirk wie folgt aufgeteilt:

Bullenheim, Gnötzheim und Unterickelsheim kamen als nunmehriger Bestandteil des Landkreises Kitzingen zum Amtsgericht Kitzingen,  während die übrigen Orte als Teil des neuen Landkreises Neustadt an der Aisch / Bad Windsheim dem Amtsgericht Neustadt an der Aisch zugeteilt wurden.

Heute wird das Haus als kirchliches Zentralgebäude für die Kirchenverwaltung der Dekanate Uffenheim, Markt Einersheim und Bad Windsheim genutzt. Ebenso finden hier kirchliche Veranstaltungen statt.

6. Marienkirche

Marienkirche, Würzburger Straße 15

 

Bei der Eingliederung Uffenheims in das Königreich Bayern 1806 gab es zunächst keine Erfordernisse für ein katholisches Gotteshaus. Die wenigen katholischen Gläubigen mussten zum Gottesdienst nach Rodheim.

Erst als Ende des 19. Jahrhunderts die Zahl der Katholiken auf ca. 100 angewachsen war, dachte man über den Bau zunächst eines Betsaales neben der Oberamtskanzlei am Schlossplatz, später dann über einen Kirchenneubau nach.

Die Grundsteinlegung am 02.04.1892 erfolgte durch Pfarrer Will. Der Architekt war Herr Strebel aus Windsheim. Erzbischof Dr. Josef von Schork weihte die Kirche am 25.10.1893 „In Honorem Sanktae Mariae“.

Die im Nordosten an die Apsis angebaute Sakristei wurde in den 1950er Jahren erweitert und in ihrem nördlichen Anteil unterkellert. Im Boden der Sakristei befindet sich noch eine Senkgrube zur Verbrennung von Sakramentalien wie z.B. Chrisam (Salböl), geweihte Kerzen, Palmen, Kreuze und Skapuliere, die nicht mehr benutzt werden können.

Nach dem Bau der Marienkirche 1893 bestand hier seit 1904 eine Kuratie, d. h. der Pfarrer von Rodheim konnte hier am Wohnort der Gläubigen den Gottesdienst abhalten.

Das vormalige Schmiedeeisentor der Einfriedung wurde bei der Verbreiterung der Würzburger Straße abgebaut und als Friedhofseingangstor zur Verfügung gestellt (Ornamentik mit Rose und Rankwerk am Friedhofsgitter vergleichbar der Ornamentik des Kirchenportals).

Nach dem WK II wurden durch die Vertreibung aus dem Osten zahlreiche Katholiken in Uffenheim ansässig. Der Platz in der Marienkirche reichte nicht mehr aus, so dass der Bau der Herz Jesu Kirche im Jahr 1964 unter Pfarrer Friedrich Naßwetter in der Innenstadt notwendig wurde. Zuvor wurde 1956 die Kuratie unter Pfarrer Ebensberger und Kaplan Friedrich Naßwetter zur Pfarrei heraufgestuft.

Mit der Erstellung der Herz Jesu Kirche wurde der Gottesdienst in der Marienkirche eingestellt, lediglich zu den Maiandachten wird die Kirche für katholische Gläubige geöffnet.

Der neuromanische Backsteinbau mit ungegliedertem, einschiffigem Langhaus von 1893 (aus der Gründerzeit, wie diverse weitere Backsteingebäude in Uffenheim) steht heute unter Denkmalschutz. Eine Renovierung der Kirche erfolgte 2002.

Das Kirchenportal besteht aus Holz mit eisernen Beschlägen von Rosenmotiven, die auf Maria als Patrozinium der Kirche hinweisen. Die Rose ist das Sinnbild für das sich ewig erneuernde Leben.

Die Türgriffe stellen zwei Engel dar. Darüber befindet sich ein bunt verglastes Rundbogenfenster.

 

Innenausstattung:

Der Innenraum besteht aus einer Apsis (Altarraum), einem Mittelgang mit je 10 Bänken für ca. 140 Sitzplätze und der Empore mit der Orgel.

 

 

 

 

Im Altarblock befinden sich die Reliquien des Hl. Felix, des Hl. Justinus und der Hl. Julia. Die Front des Blockes ziert in der Mitte das Zeichen „Maria Regina“ (Maria Himmelskönigin), eingerahmt von je einer Rosenblüte.

Der goldfarbene Tabernakel ist verziert mit Ähre und Traube, den Symbolen für Brot und Wein. Bei geöffneten Flügeln zeigen sich zwei vergoldete Erzengel.

In der Mitte über dem Tabernakel befindet sich die Gottesmutter     Maria mit Krone und Zepter. Auf dem linken Arm hält sie das Jesuskind in einem Silberkleid mit Goldborte. Als Insignien hält das Jesuskind in der linken Hand die Weltkugel mit dem Kreuz.

Auf der linken Seite des Hauptaltars figürliche Darstellung von Kaiser Heinrich II. mit einem Modell des Bamberger Domes von 1012. Er ist der Begründer des Bistums Bamberg im Jahre 1007, und er wurde 1146 heiliggesprochen.

Ihm gegenüber rechts seine Gemahlin Kunigunde von Luxemburg mit dem Modell einer der zahlreichen in Franken vorhandenen Kunigundenkapellen in der rechten Hand. Sie wurde im Jahre 1200 heiliggesprochen.

 

 

 

Über dem Hochaltar das Auge des Heiligen Geistes.

Im Bereich des linken Chorbogens, unterhalb des ewigen Lichtes, befindet sich die Schmuckikone der rumänisch orthodoxen Kirche.

Direkt im linken Chorbogen der Heilige Joseph. Er trägt ein blaues Unterkleid und einen rotbraunen Überwurf. Seit der Barockzeit wird er mit Jesus auf dem Arm dargestellt. In der rechten Hand trägt er eine Lilie, dem Symbol der Reinheit und Hingabe an Gott.

Ihm gegenüber, im rechten Chorbogen, sehen wir eine Darstellung des Heiligen Aloisius von Gonzaga im Gewand eines Diakons mit Kreuz und Lilienstängel. 1585 verzichtete er zu Gunsten seines Bruders auf seine Rechte als Erstgeborener und trat dem Jesuitenorden bei.

Die Krankenpflege und das würdige Begräbnis Armer lagen im sehr am Herzen. Diese intensive Sorge führte zu seiner Pesterkrankung, der er im Alter von 23 Jahren erlag.

Langhaus:

Auf der linken Westseite eine Madonna (Maria Mutter Gottes) mit Rosenkranz. Sie trägt ein hellrotes Kleid und einen hellblauen Überwurf.

In der Mitte der Südseite eine Statue des Heiligen Antonius von Padua. Er ist dargestellt im Habit eines Franziskanerpriesters, in der linken Hand ein Buch haltend auf dem das Jesuskind sitzt. In der rechten Hand die weiße Lilie als Sinnbild der Reinheit. Der Heilige Antonius wird gerne angerufen, um einen verlegten Gegenstand wieder zu finden, ist also der „Patron der Schlamper“.

In der Südostecke eine Pieta. Dies ist die Darstellung Marias als Mater Dolorosa (Schmerzensmutter) mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus.

In der Mitte der Nordseite ein Kruzifix, weiter westlich davon befindet sich   die Kanzel mit  Schalldeckel von Krone und Kreuz bekrönt.

An der rechten Westseite eine Herz-Jesu-Darstellung mit grauem Kleid und rötlichem Überwurf. Das durchbohrte Herz des Gekreuzigten wird in der katholischen Spiritualität als Quelle der Sakramente betrachtet.

Die Orgel ist datiert auf 1893, erstellt von der Fa. Steinmeyer in Oettingen. Sie verfügt über ein Manual und acht Register. An der rechten Seite befindet sich der Blasebalg mit Fuß-Pedal, womit im Falle eines Stromausfalls Luft geschöpft werden konnte.

Im ca. 28 Meter hohen Turm hängt  noch die Margaretha-Glocke (im Grundton es), die schon beim Bau der Kirche mit angeschafft wurde und welche die Konfiszierungen in beiden Weltkriegen überdauert hatte, da sie die jeweils kleinste Glocke war. Sie trägt die Umschrift: „St. Margaretha ora pro nobis!“ (St. Margaretha bete für uns!) und ein Bildnis der Heiligen.

Von den ursprünglich drei Glocken wurden im 1. Weltkrieg die beiden größeren zu Kriegszwecken verwendet. Die um 1930 angeschafften neuen Glocken ereilte im 2. Weltkrieg das gleiche Schicksal. Die zwei nach dem 2. Weltkrieg wiederum neu angeschafften Glocken wurden nach dem Neubau der Herz Jesu Kirche im Jahre 1964 in den dortigen Glockenturm verbracht.

 

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2018 feierte man in der Kirche die 125-Jahrfeier des Kirchenbaus.

Seit dieser Zeit 2018 nutzt auch die rumänisch-orthodoxe Kirche das Gotteshaus. Sie hält jeden Sonntagvormittag einen ca. dreistündigen Gottesdienst mit 30 bis 40 Gläubigen. Ihr Sprengel umfasst neben Uffenheim auch die Gläubigen aus Rothenburg, Bad Windsheim und Ansbach.

 

 

7. Schwarzer Adler

Gasthaus Schwarzer Adler, Adelhofer Straße 1

 

Es handelt sich um ein massives, verputztes, zweigeschossiges Eckhaus mit Walmdach. Die genuteten Lisenen sind über Eck gestellt. Das schöne Hausteinportal mit verkröpftem Gesims und vasenbekrönter Supraporte zeigt Wappenreliefs (Brandenburg, Brauer) und einen Maskenkeilstein.

Der geschmiedete Ausleger mit schwarzem Adler trägt die Jahreszahl 1701.

Dies ist wohl nicht das Baujahr, sondern das Herstellungsjahr des Auslegers und eventuell auch das Jahr der Namensgebung („Schwarzer Adler“).

Inwieweit das Gebäude bei der Zerstörung der „Oberen Vorstadt“ durch die Truppen Tillys im Jahre 1631 betroffen war ist nicht belegt aber wahrscheinlich.

Bereits 1677 wurde über den Verkauf der Schenke berichtet.

Die Familie Stellwag aus Wallmersbach erwarb in den Jahren 1692 und 1720 das bis dahin geteilte Anwesen. Unter Johann Leonhard Stellwag wurde das Anwesen 1739 in seiner heutigen Form neu errichtet.

Das Gebäude wurde 1732 als Erbschenke „Zum Schwarzen Adler“ erwähnt, später auch als Brauhaus und Tavernwirtschaft.

Ursprünglich war das Anwesen ein markgräfliches Brauhaus.

1886 ist ein großes Windrad im Hof des Gasthauses Schwarzer Adler nachgewiesen.

Der Braubetrieb wurde 1904 eingestellt.

Zum Haus gehört ein beeindruckender Gewölbekeller, der sich unter dem heutigen Biergarten befindet und sich bis zu den Nachbarhäusern erstreckt.

1940 kauften Kurt Schellbach und seine Ehefrau Sophie für 65.000 RM das Anwesen.

In früheren Zeiten befand sich gegenüber dem Brauhaus und westlich davon der „Schloezergarten“, benannt nach dem Färbermeister Schloezer. Der Garten umfasste das Areal des heutigen Hauses der Kirche, des heutigen Kindergartens, des Notariats und reichte bis zur Marienkirche.

8. Neue Gasse

Neue Gasse

 

Uffenheim hatte durch seine günstige Lage an der Heerstraße in Kriegszeiten, besonders aber im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) durch Truppendurchzüge und Belegung mit Truppen sehr viel zu leiden.

So wurde Ende Oktober 1631 die damals schon vierzehn Häuser zählende außerhalb der Stadtmauer gelegene Obere Vorstadt geplündert und in Asche gelegt. Dies erfolgte durch die kaiserliche Tillysche Armee bei ihrem Vorbeizug nach Rothenburg ob der Tauber.

Diese Brandstätte wurde erst nach über 100 Jahren aufgeräumt und der nördliche Stadtgraben 1720/1730 aufgefüllt. 1731 erfolgte auch der Mauerdurchbruch am Heisenstein.

1737 erließ der Markgraf Carl Wilhelm Friedrich (CWF) die sogenannte Baugnade; d.h. Bauwillige bekamen dort Grundstücke und Bauholz kostenlos. Ebenso bekamen sie Steuervergünstigungen, aber auch Bauauflagen wie einheitliches Aussehen, zweistöckige Bauweise, Brandschutzmauern, Traufe zur Straße aus Ersparnisgründen. Die Brandschutzmauern waren damals die ersten Präventionsmaßnahmen im süddeutschen Raum gegen einen Stadtbrand. Es handelte sich hierbei um die erste und einzige Stadterweiterung während der Markgrafenzeit.

Für das Haus Nr. 4 (mit großer Gaube) war im Jahre 1809 lt. Häuserbuch eine Schänke mit Billiardgerechtsame (= Recht, Billiardspiel zu betreiben) im Grundbuch eingetragen. Man könnte sagen, dies war die erste Uffenheimer Spielhölle.

Bei dem letzten Haus stadtauswärts rechts,  handelt es sich um das ehemalige Schülerheim des Progymnasiums Uffenheim. Es handelt sich hierbei um einen Bau aus dem Jahr 1908. Das vorhergehende zweigädige Wohnhaus aus dem Jahre 1739 beherbergte ab dem Jahre 1862 das Bankhaus Grieninger & Sohn,  in dem auch der Bankier Wilhelm Crämer sen. als Direktor beschäftigt war.

Friedrich Grieninger (*1835  +1915) war von 1862 – 1875 Bürgermeister von Uffenheim, und Wilhelm Crämer sen. (*1836  +1895) bekleidete dieses Amt von 1876 bis 1881. Das Bankhaus und das Gebäude gingen am 29. September 1905 durch Verkauf an die Bayrische Diskonto- und Wechselbank über.

9. Würzburger Torturm

Würzburger Torturm, Würzburger Straße 12

 

Erste Bauphase:

Der Turm wurde vermutlich in der Zeit der Stadtgründung im 14. Jahrhundert im Rahmen des Stadtmauerbaues 1333 – 1347 errichtet.

Dieser Turm mit einem Pyramidendach war ursprünglich viel niedriger. Der stadtseitig noch erkennbare gotische Bogen war sicherlich nicht die ursprüngliche Durchfahrtshöhe, sondern es handelt sich hierbei um ein statisches Element zur Verstärkung des damaligen Schalenturmes.

Ein Schalenturm ist ein steinerner Wehrturm in einer äußeren Mauer, der auf der Stadtinnenseite offen oder dort in einer leichten Bauweise ausgeführt ist.

Seitliche Aufgänge führten zum umlaufenden Wehrgang.

Die Stadterhebung erfolgte 1349 durch Kaiser Karl IV. (reg. 1346 – 1378) unter der Ägide von Ludwig von Hohenlohe (reg. 1330 - 1356).

 

Zweite Bauphase:

Im Jahre 1583 erfolgte der Bau der Barbakane als vorgelagertes Verteidigungswerk.

Die in klassischer Baumanier runde Bauform diente als Kanonenstation ohne Vorzugsrichtung für das Richten der dort frei aufgestellten Kanonen.

Die Uffenheimer Barbakane steht mit der Ringmauer nicht bzw. nur teilweise in Verbindung, wie die Ausrichtung der Achsen von Turm und Barbarkane aufzeigt. Sie stellt eine Reaktion auf die Entwicklung der Feuerwaffen dar, indem man dem Tor einen gut zu verteidigenden Wehrbau vorschaltete.

In den Jahren 1584/85 wurden zwei Fachwerkgeschosse auf dem Turm aufgesetzt. Darüber hinaus wurde ein weiterer Geschossboden über der Tordurchfahrt mit Rundbogen eingefügt. Der Abschluss erfolgte wiederum mit einem Pyramidendach.


Dritte Bauphase:

1696 erhält der Turm seine endgültige Form, so wie wir sie seit Generationen kennen. Dies ist sowohl dendrochronologisch als auch durch eine Urkunde gesichert.

Es wird ein weiteres Fachwerkgeschoss  auf die beiden bereits vorhandenen Fachwerkgeschosse aufgesetzt und die Turmspitze erhält ihre heutige Form, auf einem basalen Zeltdachanteil die charakteristische Zwiebel und die aufgesetzte Laterne. Es wird eine neue Wohnung für den Türmer eingerichtet.


Die Turmhöhe beträgt seither 34,95 m bis zur Kugel.

 

Die ursprünglich an der Außenmauer stadteinwärts angebrachte Feuernotleiter wurde  in den 1970er Jahren entfernt

Der heute vorhandene Zugang von der Würzburger Straße zwischen dem Haus Gebhardt und der heutigen Eisdiele zum Westportal der Stadtkirche Sankt Johannis war einst zugebaut.

Hier stand zur Straße hin eine Scheune und zur Kirche gewandt die 1741 abgebrochene alte Lateinschule.

Durch das gotische Türchen unterhalb des Treppenaufgangs im Würzburger Tor gelangten die Bewohner der Würzburger Straße auf direktem Weg zur Kirche.

An der Stadtinnenseite des Torturmes findet sich das Stadtwappen, das in dieser Form seit 1546 existiert. Die optisch linke Seite zeigt die Zollernvierung,  das Stammwappen des Hauses Hohenzollern. Seit dem 13. Jahrhundert wurde der weiß – schwarz quadrierte Schild als Stammwappen der Familie und auch als Amtswappen für die Burggrafen von Nürnberg verstanden.

Die optisch rechte Seite zeigt in schwarz einen goldenen Löwen aufsteigend mit aufrechtem Schwanz, rot-bewehrt und rot bezungt. Der hier gezeigte Löwe stammt vermutlich aus dem Wappen derer von Raabs (fränkischer Hochadel) mit Stammschloss in Raabs an der Thaya (nördliches Waldviertel in Niederösterreich). Sophia von Raabs, einzige und Erbtochter des Nürnberger Burggrafen Konrad II. von Raabs heiratete um 1190 Friedrich III. von Zollern. Somit gelangten die Zollern von ihrer Stammburg in Schwaben auf die Nürnberger Burg und damit nach Franken.

 

Die Glocke in der Laterne des Turmes:

Die vormals auf dem Turm befindliche „Feuerglocke“ wurde nach dem 2. Weltkrieg abgenommen und ersetzt seither die in diesem Krieg zerstörte Glocke in der Laterne des Rathauses. Über der Glocke war ein Hammer angebracht, den man von der Wohnung des Türmers durch ein Seil aufziehen und dann auf die Glocke herabfallen lassen konnte. Dies ergab einen fortgesetzt eintönigen Schlag, der aber bei den Uffenheimer Einwohnern sehr gefürchtet war; denn er kündete einen ausgebrochenen Brand und mahnte zur schleunigen Hilfeleistung. Diesen Dienst versah sie bis 1929. Seither wird die Alarmierung mittels der Sirene auf dem Rathaus vorgenommen.

Beschreibung der Feuerglocke:

Die Glocke hat einen Durchmesser von 62 cm, eine Höhe von 42,5 cm und ist auf den Grundton f abgestimmt. Der Kronenbügel zeigt an den Außenseiten jeweils einen Wulst zwischen Stegen. Auf der Haube befinden sich drei Stege, auf dem Übergang zur Schulter je zwei Engelsköpfchen und Rosetten. Die Schulter ziert ein Friesband aus Akanthusvoluten, getrennt durch Palmetten. Die Inschrift zwischen schmalen leeren Bändern lautet: „GOSSEN MICH NICOLAUS UND CLAUDI ARNOLDT IN DINKELSBIHL ANNO 1744“. Unter der Inschrift erkennt man eine Strichpunktreihe und ein Fries aus hängenden Kreuzblumen, Lilien und Knospen, verbunden durch Bögen und Ranken. Die Flanke zeigt in den vier Achsen Engelsköpfchen bzw. Rosette über hängendem Salbeiblatt. Über dem Schlagring aus drei Stegen sind vier stehende Akanthuspalmetten in den Nebenachsen angebracht. Der Schlag besteht aus einem leere Band zwischen Stegen.

 

Türmer und Stadtmusikus:

Die vormalige Stelle des Türmers mit ausschließlicher Wachfunktion wurde nach der Einrichtung der Türmerwohnung im Jahre 1696 mit dem sogenannten „Stadtmusikus“ besetzt.

Seine Aufgaben waren:

·               Neben dem allgemeinen Wachdienst während der Nacht mit der Turmglocke durch einen Seilzug die vollen Stunden zu schlagen.

·               Bei einem Brand innerhalb der Stadt war die Glocke fortgesetzt zu schlagen. Nachdem im Jahre 1929 die Sirene auf dem Rathaus angebracht wurde, entfiel diese Aufgabe.

·               Bei einem erkannten auswärtigen Brand musste er mit dem großen

Wächterhorn fortgesetzt nach allen vier Seiten blasen, um zur allgemeinen Hilfeleistung aufzurufen.

·               Schließlich musste er noch eine Anzahl von Musikern ausbilden, mit denen er am Sonntag nach dem Gottesdienst ein Kirchenlied vom Turmfenster herab blies. Auch bei sonstigen Anlässen musste der Türmer mit seinen Musikern den musikalischen Teil übernehmen.

  

Seine Entlohnung bestand aus:

·                   Freier Wohnung

·                   Besoldung in Geld und Holz

·                   Dem Recht, zum Jahresanfang in den umliegenden Orten „Das Neue Jahr  anzublasen“ –  d.h. er ging mit seinen Musikanten von einem Ort zum anderen, spielte dort auf bestimmten Plätzen einige Musikstücke, oft auch in Wohnstuben und durfte nun in jedem Hause eine Gabe beanspruchen:

-               Brot, geräuchertes Fleisch, Würste, Eier, Mehl, Butter, Schmalz,

-               Flachsreisten (=eine Handvoll gehechelten Flachses als Grundlage für die Herstellung von Leinen - Die weitere Verarbeitung erfolgte durch Spinnen und Weben). Weitere Gaben waren Wolle und andere Gebrauchsgegenstände. Auch Geld wurde reichlich gespendet. Nur selten wurden sie abgewiesen, wussten doch alle, dass er im Laufe des Jahres treulich über sie wachte.

Die Stelleninhaber waren meist tüchtige Musiker. Die Stelle war ob ihrer sicheren und guten Einnahmen sehr begehrt.

Leonhard Schwegler war bis 1907 der letzte Türmer der gleichzeitig auch die Stelle des Stadtmusikus innehatte.

Der letzte Stadtmusikus Oskar Escher war ein ausgezeichneter Violinkünstler und wirkte bis ca. 1930 in Uffenheim. Er unternahm von hier aus Konzertreisen nach Amerika. Nach seinem Umzug nach Gunzenhausen bekleidete er ab 1934 die Stelle eines staatlichen Musiklehrers am Realgymnasium Ansbach.

Der letzte Türmer war August Heinlein, der von 1907 bis 1953 bei traumhaftem Panoramablick hoch über der Stadt seinen Dienst versah.


Die Türmerwohnung wurde 1996 durch seine Enkelin Helene Braun wieder annähernd originalgetreu eingerichtet.

 

Leserbrief im Uffenheimer Wochenblatt vom 27. April 1910:

Nachdem der Straßenteil Hotel Post – Würzburger Tor in absehbarer Zeit doch nicht gepflastert wird, möge man ja nicht versäumen, in den auswärtigen Zeitungen die Pfingst-Ausflügler rechtzeitig auf diese Sehenswürdigkeit Uffenheims aufmerksam zu machen. Oder soll wohl erst das Zusammentreffen des Halley´schen Kometen mit der Mutter Erde am 18. Mai (1910) abgewartet werden, um dem Stadtsäckel eventuell diese Ausgabe zu ersparen?“

 

Gebäude Würzburger Str. 5 – ehemaliges Gasthaus „Zum goldenen Lamm“

 

Zur Zeit des Bauernkrieges im Jahre 1525 befand sich das damalige Gebäude im Besitz von Wolf Dollinger.

Dieser gehörte zu den elf Uffenheimer Bürgern die, wegen ihrer Teilnahme am Aufstand der Bauern, arretiert wurden. Sein Plan, das Uffenheimer Schloss niederzubrennen, war glücklicherweise gescheitert. Er kam mit der vom Markgrafen Kasimir verhängten Geldstrafe in Höhe von 300 Gulden vergleichsweise glimpflich davon.

Seit dem Jahre 1603 war das Areal, das entlang der Stadtmauer bis zum Heisenstein reicht, dann im Besitz diverser Bierbrauerfamilien. Unter anderen waren dies bis zum Ende des 17. Jahrhunderts die Brauerfamilien Heubner und Stellwag die gleichzeitig die Inhaber des Brauereigasthofes „Schwarzer Adler“ waren.

Das unmittelbar an den Torturm und die Stadtmauer angebaute Gebäude wurde im Jahre 1732 als Haus mit Braustatt beschrieben. Dieses Vorgängergebäude wurde unter dem Besitz von Christian Valentin Schäfer im Jahre 1792 durch einen Neubau ersetzt.

Im Jahre 1858 wurde das Anwesen vom Brauer Heinrich Geuder erworben. Er betrieb neben der Brauerei eine Bierstube und errichtete 1868 auf dem Gelände an der Stadtmauer einen Sommerkeller mit Kegelbahn. Die weitläufigen Kellergewölbe erstreckten sich vom Torturm bis zum Heisenstein und sind heute noch teilweise vorhanden. Im Türsturz zu den Gewölbekellern ist heute noch der Name „Heinrich Geuder 1860“ zu lesen. Das ehemalige Brauhaus steht auf der Westseite des Geländes. Die Brauerei wurde drei Jahre nach dem Tode von Heinrich Geuder im Jahre 1908 stillgelegt. 1910 wurde das gesamte Anwesen an die Brauerei Adler in Rothenburg verkauft und die Gastwirtschaft von einem Pächter namens Johann Horn weitergeführt bis sie 1914 endgültig geschlossen wurde.

Der Bruder von Heinrich Geuder „Tor-Geuder“, Johann Georg Friedrich Geuder war der Besitzer des Gasthauses „Zur golden Waage“ und siedelte seinen Betrieb Ende des 19. Jahrhunderts in die neue Brauerei an der Ringstraße aus.

 

Nach längerem Leerstand erwarb der Schmiedemeister Wilhelm Martin Wolf am 06.06.1918 das Anwesen an der Würzburger Straße. Neben den traditionellen Arbeiten eines Huf- und Wagenschmiedes mit 3 Essen (Feuerstellen), Hammerwerk, Exzenterpresse usw. und dem Brunnen- und Wasserleitungsbau widmete er sich verstärkt der Entwicklung und dem Bau von landwirtschaftlichen Geräten (z.B. Rübenbröckler, Kartoffelquetschen, Obstpressen, Futterkarren, Großschargeräte usw.), auf die er jeweils Patentrechte angemeldet hatte. Daneben betrieb er auch den Handel mit anderen landwirtschaftlichen Maschinen.

Nach dem 2. Weltkrieg verrichte Herr Wolf auch im großen Umfang Bauschlosserarbeiten. 1949 wurde er beim Beschlagen eines Pferdes am Knie verletzt und musste seinen Betrieb im Jahre 1951 aufgeben.

 

Das am Torturm angrenzende Gebäude wurde im April 1945 durch Kriegseinwirkung schwer beschädigt. Das spätbarocke Türportal von 1792 mit verkröpftem Gesims, einer vasenbekrönten Supraporte und dem Wappenrelief eines Schäfers blieb glücklicherweise erhalten und behielt seinen Platz im  Gebäude. Es weist noch heute auf den damaligen Besitzer, den Brauer und Büttner „Christian Valentin Schäfer“, hin. Das im Wappenrelief dargestellte Lamm war wohl auch der Namensgeber für die ehemalige Gaststätte „Zum goldenen Lamm“.

Im Jahre 2006 übernahm die Stadt Uffenheim das Anwesen und renovierte sowohl die Wohnungen als auch und die Außenfassade. Der rückwärtige mehrgeschossige Anbau wurde bis auf das Erdgeschoss, das ehemals die Schmiede beherbergte, abgetragen. In deren Räumen wurde ein Laden eingerichtet, der heute ein Fotoatelier beherbergt. Die durch die Abbruchmaßnahmen freigestellt Stadtmauer wurde saniert.

10. Scherenhof

Scherenhof, Würzburger Straße 3

 

Der Scherenhof wurde, wahrscheinlich auf Teilen eines Vorgängerbaues errichtet. In der Brüstungszone findet sich das Erbauungsjahr „1571“.

Das Haus ist ein bedeutendes Beispiel städtischen Fachwerkbaues in Mittelfranken.

Es handelt sich um ein sehr stattliches zweigeschossiges Giebelhaus mit massivem, verputztem Erdgeschoss und verzahnten Eckquadern. Gekoppelte Rechteckfenster mit gekehltem Sturz und gegen Süden ein Zollernwappen prägen die Fassade. Eine breite, rundbogige Einfahrt mit profiliertem Gewände führt in den Innenbereich.

Dem kräftig profilierten Schwellbalken (= basaler Fachwerkbalken) ist das Fachwerk des Obergeschosses aufgesetzt. Der 3½-geschossige Giebel weist Mannfiguren und Feuerböcke (Andreaskreuze) mit Augen (Schmuckelemente) auf.

An der Süd-Ost-Ecke des Obergeschosses ist auf einer hölzernen Konsole ein vorkragender, 6/8-seitiger Erker mit Pyramidendach vorgebaut, der die Fachwerkkonfiguration des Obergeschosses fortsetzt.

Die Obergeschossfenster sind wohl im 18. Jahrhundert etwas vergrößert worden.

Im Hausinneren befindet sich ein zentraler Treppenaufgang mit peripher angeordneten Räumen.

Der Unterbau soll mit einem früheren Fuldaischen und späteren Heilsbronnischen Klosterhof identisch sein, was einige Historiker bezweifeln.

Der Name Scherenhof rührt von einer Gerberdynastie mit Namen Scherer her. Diese waren überwiegend Rot-oder Lohgerber, das heißt, sie verarbeiteten Rinderfelle zu Schuh- und Sattelleder.

Nach der Familie Scherer war bis Anfang des 20. Jahrhunderts  in dem Haus die Hafnerei der Familie Burkert untergebracht – daher auch als Burkertshaus bekannt. Die Familie Burkert hatte einen Brennofen am heutigen Brennofenweg, nach dem dieser Uffenheimer Straßenzug benannt ist.

 

 

 

Uffenheim war eine Stadt der Bäcker, Metzger, Gerber, Schuhmacher und Brauer.

Im Jahre 1786 existierten in Uffenheim:

-          11       Bäcker

-          9         Metzger

-          13       Gerber

-          20       Schuhmacher

-                     diverse Bierbrauer und Wirte (fast jede Wirtschaft braute selbst)     

11. Alte Post

Alte Post, Schloßstraße 3

 

Die früheren Namen der Tavernwirtschaft (nach Rechter- Häusergeschichte) in chronologischer Reihenfolge:

 „Zum Lamm“ (1603)

„Zum Guldenen Lamm“ (1677)

„Zum Lamm“ (1737)

„Zum Goldenen Löwen“ (1834)

„Zum Goldenen Lamm“ (1856?)

Spätestens ab dem 01. Februar 1866, mit der Übernahme des Gasthofes durch die Posthalterfamilie Neeser, ist die Namensänderung auf „Gasthaus zur Post“ durch eine Zeitungsannonce (siehe „Hotels, Gasthäuser und …,“ von Ernst Gebert) belegt. Die von „Rechter“ für das Jahr 1856 (s.o.) aufgeführte Bezeichnung „Zum Goldenen Lamm“ würde sich mit dem Namen der Gaststätte des damaligen Braueranwesens an der Würzburger Str. 5 überschneiden, die den gleichen Namen wohl schon ab 1792 trug. Das ehemalige „Gasthaus zur Post“ trug ab 1946 bis zur Schließung im Jahre 1995 den Namen „Alte Post“, der auch noch die heutige Bezeichnung für den Gebäudekomplex ist. Heute beherbergt dieser u.a. die „Forschungsstelle für Fränkische Volksmusik“, den Trausaal und die Stadtbibliothek.

Das „Gasthaus zur Post“ war zu allen Zeiten wegen seiner vorzüglichen Küche und seines ausgezeichneten frischen Trunkes weit und breit berühmt. So konnte man doch oft auch an Tanzvergnügungen, am Walpurgimarkt und an der Kirchweih von Tänzern und Musikanten vorsingen hören:

„Zu Uffni in der Post, da geuts an guten Most;

Da geuts an guten Wein, der löfft wie lauter Baumöl nein.“

Anmerkung: „Baumöl“ ist alte Bezeichnung für Olivenöl.

 

Der Vorgängerbau datiert laut dendrochronologischem Gutachten eines Pfostenrestes aus dem Jahre 1352. Im Boden gefundene Scherben stammen ebenfalls aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.

Das Haus wurde um 1709 neu erbaut. Wenige Jahrzehnte später erfolgte der Anbau eines Seitenflügels (Richtung Schweinemarkt) als Braustätte. Bei der jüngsten Renovierung konnten vom Archäologischen Arbeitskreis des Gollachgaumuseums unter dem Fußboden die Fundamente des Braukessels, der Schürkanal und der Rauchabzug freigelegt werden. Diese Braustätte wurde  um das Jahr 1700 erbaut und um 1870 aufgegeben. All diese Relikte sind noch  unter dem Fußboden des neuen sich heute dort befindlichen städtischen Trausaals erhalten.

Das Obergeschoss zeigt ein symmetrisch angeordnetes Sichtfachwerk mit historisch gesicherter grauer Farbgebung.

1525 musste der damalige Eigentümer Hans Schwab d. Ä. wegen Teilnahme am Bauernkrieg 300 Gulden Strafgeld bezahlen, wovon er bis 1527 105 Gulden getilgt hatte. Er hatte als städtischer Bürgermeister Futter in das Lager der Bauern nach Heidingsfeld gebracht und vom Amtmann Eberhard Geyer die Schlüssel zum hinteren Schlosstor verlangt. Er gehörte zu den 11 wegen der Teilnahme am Bauernkrieg gefangen gesetzten Uffenheimer Bürgern.

 

Erläuterungen zur Taverne:

Taferne, Taverne (von lat. taberna: Hütte/Laden/Gasthaus) sind alte Bezeichnungen für eine Gaststätte.

Der Wirt einer Taferne oder Tafernwirtschaft, Taferner oder Tafernwirt genannt, hatte in früheren Zeiten das Tafernrecht inne. Dieses Recht, in etwa der heutigen Gaststättenkonzession vergleichbar, beinhaltete verschiedene Privilegien. Es wurde vom Landesherrn verliehen.

Danach hatte der Wirt einer Tafernwirtschaft, einer sogenannten „vollkommenen Wirtschaft“, nicht nur das öffentliche Schank- bzw. Krugrecht, das Herbergs- und Gastrecht sowie die Fremdenstallung (die Versorgung und das Unterstellen der Zug- und Reittiere), sondern er durfte auch Verlöbnismähler (Häftlwein), Hochzeiten, Stuhlfeste (ritueller Bestandteil der Hochzeitsvorbereitung), Tauf- und sonstige festliche Mahlzeiten ausrichten.

Der Wirt durfte Bier, Wein und Branntwein ausschenken. Mit einem Glas Wein wurden früher Rechtsgeschäfte bekräftigt. Zum Tafernrecht gehörten auch das Braurecht, das Brennrecht und die Backgerechtigkeit, also das Recht, einen Backofen anzulegen und Brot zu backen.

Eine Tafernwirtschaft musste wandernde Handwerksgesellen gegen Geld oder handwerkliche Gegenleistungen beherbergen, sie hatte also auch eine soziale Verpflichtung.

Ferner wurde bei Todesfällen der Leichenschmaus in der Taferne abgehalten sowie die Nachlassverhandlung geführt.

War kein Amtshaus vorhanden, fanden dort auch Gerichtsverhandlungen statt. Die Taferne war der kommunale Mittelpunkt in weltlichen Angelegenheiten der Bewohner der Stadt. Ein Wirt ohne Tafernrecht war lediglich Zapfwirt.

In Uffenheim gab es 5 einst Tavernwirtschaften:

•         Goldener Stern (Spitalplatz)

•         Grüner Baum (Marktplatz)

•         Goldener Hirsch (Marktplatz)

•         Goldenes Lamm (Alte Post)

•         Schwarzer Adler (Adelhofer Str.)

 

 

Posthalterei

Neben dem Gasthausbetrieb war hier auch 200 Jahre lang die Uffenheimer Posthalterei untergebracht. Eine Uffenheimer Poststelle ist seit 1698 nachgewiesen (lt. dem Taxischen Archivar Schragmüller). Uffenheim verdankte  die frühzeitige Entstehung einer Taxischen Kaiserlichen Reichsposthalterei seiner günstigen Verkehrslage an der alten Poststraße Augsburg – Würzburg – Frankfurt.

Einer der ersten Reichsposthalter Uffenheims dürfte um das 1700 zunächst im „Gasthof zum Goldenen Stern“ der ehemalige Uffenheimer Ratsherr und Gastwirt Adam Strebel (gest. 1705) gewesen sein. Im Jahre 1731 kam die Posthalterei in den Besitz der Familie Clemenius, aus der in der Folgezeit mehrere Posthalter hervorgegangen sind.

Mit diesem Besitzerwechsel wanderte die Posthalterei vom „Goldenen Stern“ am Spitalplatz zur heutigen „Alten Post“, die zu diesem Zeitpunkt den Namen „Zum Guldenen Lamm“ führte.

Von Uffenheim aus liefen von Pferden gezogene Postwagen nach Würzburg, Ansbach, Markt-Bibart, Aub, Rothenburg und später sogar nach Wallmersbach - Equarhofen – Tauberzell, Gollachostheim und Reusch - Weigenheim.

Die Postlinie Ansbach – Würzburg wurde nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie 1865 eingestellt.

Mit der Einführung der Kraftwagenpost fand die gemütliche Einrichtung der pferdegezogenen Postwagen endgültig ihr Ende. Die letzte Pferdepost fuhr am 7. Juni 1931 reich geschmückt nach Simmershofen.

 

Der Besuch von König Ludwig

Im Gasthof zur Post kehrte auch König Ludwig I. von Bayern (reg. 1825 -  1848 (Abdankung), +1868) öfter ein, wenn er auf dem Wege von oder nach Bad Brückenau unterwegs war.

Als der König eines Tages in Uffenheim nächtigte, musste wie stets, die Bürgerwehr ausrücken und zum Schutze und zur Sicherheit des Königs eine Ehrenwache abstellen. Das Wachlokal befand sich unten in der Post selbst und die bewaffneten Bürger ließen sich bei dieser Gelegenheit manch guten Tropfen schmecken und den geliebten Landesvater, öfter als es für ihre Standfestigkeit gut war, hochleben. Der König sah darüber stillschweigend und lächelnd hinweg.

Einmal hatte sich bei seiner Ankunft wie immer eine große Menge von großen und kleinen Zuschauern eingefunden. Als sich der König auf seinem Zimmer bereits zur Ruhe begeben hatte, wollte der damalige Polizeimeister Strohmenger Kinder und Erwachsene zur Ruhe mahnen und zum Heimgehen veranlassen mit den Worten:

„Gebd Ruh und machd, dass ihr hemkummd; der Kenig id müd und will schlaf. Müssd ihr denn jeden Dräk secha!“

Ob die Worte übelgenommen wurden und ob sie geholfen haben ist nicht überliefert.

 

Oberstleutnant Anton Miaulis

König Otto von Griechenland, ein Sohn des Königs Ludwig I. von Bayern, kam mit seinem Gefolge am 10. November 1836 nach Uffenheim und nahm im Gasthof „Alte Post“ Quartier. Er befand sich auf Brautfahrt nach Oldenburg (die Braut war Maria Friederike Amalie von Oldenburg).

Der königlich griechische Oberstleutnant und Adjutant seiner Majestät, Herr Anton Miaulis war an der Cholera erkrankt und verstarb hier neuneinhalb Stunden nach Ausbruch der Krankheit am 11. November 1836. Er wurde am 14. November 1836 auf dem Uffenheimer Friedhof beigesetzt.

Für die vorbildliche Pflege des Patienten wurde dem Gastwirt und Posthalter Karl Kober von König Otto das „Silberne Ritterkreuz des Erlöserordens“ verliehen. Die Verleihungsurkunde wird im Uffenheimer Gollachgaumuseum aufbewahrt. Das Ritterkreuz ging in den Besitz eines Verwandten über und gilt heute als verschollen.

Die von Seuchenkranken benützten Betten wurden, um der Ansteckungsgefahr vorzubeugen, im Siechenhaus am Schießplatz drei Jahre lang aufgehängt und dann öffentlich versteigert.

12. Alte Deutsche Schule

Deutsches Schulhaus, Kirchplatz 2

 

Das Schulhaus links neben dem Markgrafenbrunnen war 1655 dermaßen baufällig, dass es vor dem Einsturz stand. Die Gemeinde nutzte zu dieser Zeit das Kellergeschoss gegen die Gasse zu als Fleischhaus.

1732 wird es als ein „altes, untaugliches Gebäude“ bezeichnet und 1739 neu errichtet.

1525 war der ehemalige Schulmeister Hans Leußner „Feldweibel“ bei den aufständischen Bauern. Seit 1570 war hier ein eigener „deutscher Schulmeister“ im Dienst. 1603 erhält der „teutsche“ Schulmeister Niklas Martin Hellmuth seine Altersversorgung im Spital. Sein Nachfolger ist Sebastian Michael Sommer.

Die Uffenheimer Schulordnung aus dem Jahre 1694 bestätigte nochmals besonders diese Deutsche Schule, die entsprechend Luthers Vorschlag auch von Mädchen besucht wurde. 

Ab 1834 wird das Gewölbe des Schulhauses zur ebenen Erde als Schranne benutzt. Als Schranne bezeichnet man in Süddeutschland den Getreidemarkt oder einen Kornspeicher. Nach dem 2. Weltkrieg wurde dieses Gewölbe vom gegenüberliegenden Eisenwarengeschäft von Heinrich Schemm als Ausstellungs- und Lagerraum genutzt.

Dieses Haus am Kirchplatz 2 ist auch das Geburtshaus des späteren Dekans Johann Friedrich Christoph Bauer, der im Jahre 1848 Abgeordneter und Vizepräsident des Parlaments in der Frankfurter Paulskirche war.

Teile des Gebäudes dienten bis vor einigen Jahren der evangelischen Kirchengemeinde als Raum für Kindergottesdienste. Derzeit befindet sich das Haus in Privathand, die vier Wohneinheiten sind vermietet.

 

 

13. Markgrafenbrunnen

Der Markgrafenbrunnen, am Marktplatz

 

Eine doppelläufige Kirchentreppe umfasst einen Springbrunnen, der einst von zwei kleineren Bäumen eingesäumt war. 1749 zur Zeit seiner Entstehung war solch ein Brunnen eine Sehenswürdigkeit.

Beim Neubau war die Inschrift auf dem Schild an der Wand hinter dem Brunnen in Latein – oder – in Deutsch vorgesehen. Man entschied sich, dem Zuge der Zeit folgend, für die Ausführung in Latein, auch wenn die wenigsten, die hier vorüber gehen, den Text verstehen können.

Regnante  optimo  principe

domino  Carolo  Wilhelmo  Friederico  patre  patriae

sub  auspiciis  domini  Christiani  Philippi Friederici  Baron de  Seckendorff

scalam cum fonte publicis commodis

tradiderunt praefecti  senatus populique Uffenheimensis

anno salutis

MDCCIL

In deutscher Übersetzung:

„Während der Regierung des besten Fürsten, des Herrn Carl Wilhelm Friedrich, Vater des Vaterlandes, unter dem Oberamte des Herrn Christian Philipp Friedrich, Baron von Seckendorff, haben die Treppe samt dem Brunnen der öffentlichen Benutzung übergeben die Vorstände der Stadt Uffenheim im Jahre des Heils 1749.“

Die Steinmetzarbeit und das Schild, dessen Inschrift leider immer wieder unter dem herabfallenden Wasser sehr gelitten hat, trägt den Fürstenhut und wird links und rechts von je einem schwarzen Adler geschützt; jeder Adler wendet sein Gesicht dem Schild zu und hält seinen äußeren Flügel leicht geöffnet.

Schnabel und Fänge waren einst reich vergoldet. Nach oben rechts entwinden sich dem Relief eine Hopfenrebe mit Dolden und links ein Palmenwedel, der aber auch eine Korn- oder Weizenähre darstellen könnte.

Zum Schutz gegen Frost wurde schon früher der Brunnen im Winter abgestellt und mit Brettern eingehaust.

Bürgermeister Karl Naffz ließ den Markgrafenbrunnen 1841 umfassend renovieren, wie die Inschrift unter dem Wappenensemble bezeugt:

Restauravit         MDCCCXXXXI

Praefectus          C . RR . Naffz

Er war am 01.01.1837 Bürgermeister der Stadt Uffenheim geworden und stand dieser bis 05.12.1842 vor.

Dem Zerfall nahe erfolgte die vorletzte Renovierung im Jahre 1965/1966, die letzte Restauration dann unter Bürgermeister Georg Schöck 2011  (Hinweis am Brunnenprospekt rechts unten).

Eingefasst ist dieser Brunnen mit einem sehr schön gefertigten, kunstvoll ausgeführten Gitter, das an den inneren Seiten der Treppen hinauf zur Plattform führt. Es wurde gefertigt von den Uffenheimer Kunstschmieden Johann L. Bunz und Christoff L. Schäuerlein.

Die Planung des Brunnens erfolgte von Johann David Steingruber, ausführender Steinmetz war Reingruber, beide aus Ansbach.

An der Eingangstüre zum Brunnen an der Straße ist in einem Umlauf in geschmiedeten Buchstaben zu lesen:

Honi soit qui mal y pense

In Deutsch:                   

Verhöhnt (oder entehrt oder ein Schuft) sei wer Arges dabei denkt.

Dieser Wahlspruch des Hosenbandordens umschließt die kunstvoll verschlungenen und verbundenen drei Anfangsbuchstaben vom Namen des Markgrafen C W F, also Carl Wilhelm Friedrich.

Dieselben drei Buchstaben sind oben auf der Plattform im Gitter noch einmal einzeln als Schmuck in der Füllung zu finden.

Der Hosenbandorden war 1348 vom englischen König Eduard III. gestiftet worden.

Es wird erzählt, König Eduard III. habe auf einem Hofball, als seiner Geliebten, Catherine Grandison, der Gräfin Salisbury, das linke, blaue Strumpfband aufging und zu Boden fiel, dieses rasch aufgehoben und dabei zufällig das Kleid der Gräfin mit angefasst und etwas angehoben.

Umstehende haben darüber spöttisch gelächelt und sich sogar scherzhafte Anmerkungen erlaubt, wodurch die Gräfin sich gekränkt fühlen musste.

König Eduard III., entrüstet über dieses taktlose und boshafte Gebaren und zur Genugtuung für seine Geliebte sowie zum Beweis für die Reinheit seiner Handlung, rief laut:

Verhöhnt (oder entehrt oder ein Schuft) sei wer Arges dabei denkt.“

Überdies werde ich dieses blaue Band noch zu solchen Ehren bringen, dass die, welche heute darüber gespottet haben, sich noch glücklich schätzen werden, es tragen zu dürfen“.

Bald darauf im Jahre 1348 wurde von ihm jener Orden vom blauen Hosenband gestiftet, der zum vornehmsten englischen Orden geworden ist. Einschließlich des Königs kann er nur von weiteren 24 der ersten englischen Adeligen getragen werden, weil er außer dieser Zahl nur von Prinzen des königlichen Hauses getragen wird und auch heute noch nur an regierende ausländische Monarchen verliehen wird.

Der Orden des blauen Hosenbandes, der Orden des Heiligen Georg von England, hochedler Orden vom Hosenbande ist der exklusivste Orden des Vereinigten Königsreiches und einer der angesehensten Orden Europas.

Bis heute fungiert er als höchster Ritterorden des Vereinigten Königreichs, vor dem schottischen Distelorden und dem nicht mehr verliehen Orden von St. Patrick, jedoch nach dem Victoria-Kreuz und dem Georgs-Kreuz als Ehrenzeichen für höchste Tapferkeit.

Das Zeichen des Ordens ist ein blaues Samtband mit dem golden eingestickten Wahlspruch an einer goldenen Schnalle.

Es wird von Herren unter dem linken Knie, bei Damen am linken Oberarm getragen. Weitere Insignien des Ordens sind die Ordenskette und der Bruststern mit dem Sankt-Georgs-Kreuz.

Wie kommt nun dieser Wahlspruch des englischen Hosenbandordens an einen Brunnen in Uffenheim?

1749 bekam Carl Wilhelm Friedrich als regierender Markgraf von Brandenburg-Ansbach diesen Orden verliehen von seinem Onkel, dem englischen                   König Georg II., der mit Wilhelmine Caroline von Ansbach verheiratet war.

Sie war eine Schwester zu Markgraf Wilhelm Friedrich, dem Vater von Carl Friedrich Wilhelm.

Weitere öffentliche Brunnen in der Altstadt von Uffenheim:

Heute noch vorhandene Brunnen:

•          Brunnen vor der Stern – Apotheke, Würzburger Straße

•          Brunnen am Schweinemarkt; daneben steht die Bronzeplastik einer Schweinemarktszene  des Bildhauers Hellmut Edelhäuser

•          Brunnen am Spitalplatz, ursprünglich waren es einmal zwei Brunnen

•          Brunnen in der Friedrich-Ebert-Straße neben  der Einmündung in die Dammgasse

•          Brunnen Am Schellengründlein. Letzterer läuft mit einer Umwälzpumpe, alle anderen Brunnen werden/wurden wohl mit Wasser von der Strüth (Wald in Richtung Welbhausen) und dem Custenlohrer Bach gespeist.

 

Aufgelassene Brunnen:

•          Brunnen am Marktplatz gegenüber Uebelhoer Haus

•          Brunnen vor der Stadt – Apotheke,  Marktplatz

•          Gesundheitsbrünnlein an der Ecke Karl-Arnold-Straße / Kolbudyplatz

•          Ein weiterer Brunnen am Schweinemarkt befand sich auf der Nordseite der ehemaligen jüdischen Metzgerei Goldstein. (Der heutige Umriss des Platzes entstand erst durch den Abriss dieses Gebäudes im Jahre 1920)  

•          Brunnen in der Judengasse in der mauerseitigen Baulücke

•          Rußenbrunnen in der Ansbacher Straße, vor der ehemaligen Metzgerei Schellbach. Er war nach dem seinerzeitigen Hausbesitzer Ruß (der Rußenwirt) benannt

•          Ein alter Brunnen im Schlossinnenhof wurde nach Einführung einer zentralen Wasserversorgung des Schlossbereiches  im Jahre 1749 nicht weiter benötigt

14. Stadtkirche

Stadtkirche St. Johannis, Kirchplatz 1

 

Diese Kirche ist nachweislich der vierte steinerne Kirchenbau an dieser Stelle.

Die frühere Annahme, eine erste hölzerne Taufkapelle sei ein Ableger der Kirche von Gollhofen (= Mutterkirche) gewesen, ist derzeit nicht mehr haltbar.

Im Rahmen der fränkischen Landnahme etwa um das Jahr 500 nach Christus erhielten die ersten Siedlungen das Suffix -heim (Uffenheim und Andere).

Spätere Siedlungen erhielten das Suffix –bach (z.B. Wallmersbach), dann folgten Siedlungen mit dem Suffix -hofen (z.B. Gollhofen) und die letzten Siedlungen das Suffix –hausen (z.B. Welbhausen). Deshalb ist wohl Uffenheim die ältere Siedlung.

Auch die gesicherte Datierung der Kapelle im NW-Bereich des Schlosses aus der Zeit zwischen 980 und 1050 spricht dafür, dass Uffenheim älter als Gollhofen ist. (Näheres hierzu im Beitrag zum Schloss Uffenheim)

Im 13. Jahrhundert wurde eine erste Kirche im romanischen Baustil unter der Herrschaft derer von Hohenlohe errichtet.

1291 wird erstmals ein Pfarrer in Uffenheim erwähnt, also war  zu dieser Zeit wohl bereits eine Kirche in Uffenheim vorhanden.

Im 15. Jahrhundert herrschte  reichstes kirchliches Leben in der Stadt.

Im Jahre 1492 ist das Patrozinium St. Johannis des Täufers in einem Ablassbrief enthalten. Um 1500 sorgten sich 8 Geistliche um das Heil von 700 Seelen.

Die Einführung der Reformation 1528 durch Markgraf Georg d. Frommen bringt eine Zäsur; es wird nur noch von einem Stadtpfarrer berichtet.

Im 16. Jahrhundert verfällt das Kirchengebäude zusehends. So wurde im Jahr 1578 bei einer Kirchenvisitation darüber geklagt,

„dass die Mauer am Kirchhof bei der Schule gar eingefallen und auch das Vieh (Schwein, Geiß usw.) dahinein, dann auch wohl in die Kirche laufen, zudem sonst der Kirchhof ganz unsauber gehalten wird, dass benachbarte Dörfer und Fremde, so vorüber gehen, übel daran reden.“

Die 1588 angeschaffte erste Orgel wurde schon 1632 von „den wilden Säuen durchwühlt und verderbt“. Gemeint sind damit die sogenannten „Kroatischen Reiter“ im 30-jährigen Krieg. Ihnen fiel auch das Stadtarchiv in der Hohenlohischen Kanzlei am Marktplatz zum Opfer. Die Orgel wurde 1640 (“organon mit 8 Haupt- und 4 Nebenregistern“) erneuert.

Die erste steinerne Kirche war wohl eine einschiffige Kirche. Wie einer alten Darstellung zu entnehmen ist, trug ihr Turm damals eine Spitzhaube.

Die Kirche hatte 3 Kapellen:

•         Simon und Judae

•         Gebsattel-Kapelle (Gebsattel war Vogt in Uffenheim)

•         Michaelis-Kapelle

5 Altäre:

•         Marienaltar – Hauptaltar

•         St. Antonienaltar

•         St. Elisabethenaltar

•         St. Leonhardsaltar

•         St. Katharinenaltar

Diese Kirche dürfte bereits eine stattliche Größe gehabt haben, nachdem sie 1716 „245 Männer-, 310 Weiberstühle und Bänklein für 200 Kinder bis zu 15 Jahre“, also 755 Plätze aufwies.

Der Friedhof lag zunächst, wie schon von Karl dem Großen angeordnet, um die Kirche herum. Er wurde ab Beginn des 17. Jahrhunderts allmählich nicht mehr genutzt. Der Grund hierzu war Platzmangel,  insbesondere verursacht durch den hohen Anfall von Toten durch die Kriegsfolgen und Seuchen des Dreißigjährigen Krieges. So wurden allein im Jahre 1632 in Uffenheim 213 Personen im Friedhof an der Jobstkapelle am südöstlichen Stadtrand beerdigt. Ab dieser Zeit erfolgten dort alle Bestattungen. Auf diesem Friedhof hatten bereits die Toten des Spitals nach Auflösung des Spitalfriedhofes und die Seuchenkranken seit etwa dem Jahre 1400 ihre letzte Ruhe gefunden.

1690 wird laut einer Urkunde der Kirchturm stückweise eingelegt und erneuert.

Bereits 1706/07 wurden erste Entwürfe für einen Neubau gefertigt.

Der letzte Gottesdienst in der baufälligen Kirche  fand 1723 statt.

Die abschließende Planung für den Neubau erstellte 1724 der markgräfliche Baumeister Freiherr Friedrich von Zocha, anschließend erfolgte der Abbruch der Kirche und der umliegende Friedhof wurde endgültig aufgegeben.

Im Zuge des Abrisses der Kirche wurden die bis dahin in der Kirche befindlichen Grüfte derer von Hohenlohe aufgelöst und die bislang dort befindlichen Epitaphien in die Spitalkirche / Jobstkapelle verbracht.

Im Jahre 1726 erfolgte die Grundsteinlegung für den Neubau. Die Markgrafschaft Ansbach sicherte die Finanzierung in Person der Markgräfin Christiane Charlotte. Diese führte wegen der Unmündigkeit ihres Sohnes Carl Wilhelm Friedrich (CWF) die Regentschaft zwischen 1723 und 1729.

Die Kirche wurde im Markgrafenstil erbaut nach dem Vorbild der Schlosskirche in Weimar. Der Innenausbau erfolgte als ansbachische Kanzelwand mit dem Altar im Norden! Altar, Kanzel und Orgel waren übereinander angeordnet mit zwei Emporengeschossen (siehe Kirchen in Ippesheim, Rudolzhofen, Welbhausen, Adelhofen, Simmershofen und Ermetzhofen).

Der von 1696 bis 1729 wirkende Dekan M. Dürr betrieb den Neubau der Kirche während seiner gesamten Amtszeit mit all seinen Kräften. Die Innengestaltung der Kirche geschah weitestgehend nach seinen Vorstellungen. Er verstarb am 03.02.1729 noch vor der Vollendung des Kirchenbaues.

Der Turm blieb der alte, da er wenige Jahre zuvor erst neu ertüchtigt worden war.

Zum Bau wurden auch teilweise Steine der abgebrochenen St. Leonhardskirche bei Wallmersbach verwendet. Zum Dank wurde anstelle der abgebrochenen Kapelle die, noch heute dort befindliche, St. Leonhardssäule durch die Stadt Uffenheim errichtet.

Die Einweihung der Sankt Johannis Kirche erfolgte am 02.09.1731, dem ersten Sonntag im September 1731 durch Dekan Jakob Friedrich Georgii. Damit war auch der Termin für das alljährliche Kirchweihfest begründet.

Durch Urkunden in der Turmkugel sind folgende Ereignisse belegt:

1604   Blitzeinschlag in der Kirche

1690   Neugestaltung des Turmes

1731   Dachschäden durch einen starken Sturm

1746   Schiefereindeckung der Kirche durch einen Dachdecker aus Kitzingen                      

Am 13. Mai 1890 geriet bei Dachstuhlarbeiten die Kirche in Brand und wurde vollständig zerstört. Wahrscheinlich fiel Glut bei Lötarbeiten in Taubennester und die herrschenden   Starkwindverhältnisse beschleunigten den Brandvorgang. 22 Feuerwehren aus der ganzen Umgebung mit 1200 Mann bekämpften den Brand vergebens.

1892 beginnt die Neuplanung durch den Architekten H. Steindorff aus Nürnberg, wiederum mit zwei Emporengeschossen und Sitzplätzen für 800 Personen.

Im Jahre 1894 begann der Neubau des Kirchengebäudes. Schwierigkeiten mit der Turmstatik führten 1895 zum Abtragen des Turmes in seiner Gesamtheit und seiner völligen Neugestaltung. 1897 erfolgte die Einweihung des Neubaus im Stil des Neo-Rokoko.

Von den Uffenheimern wurde der Bau wegen des eigenwilligen Baustils als „Opernhaus“ bezeichnet.

Im Inneren konnte man eine wunderbar geschnitzte Holzdecke bewundern, deren zentrales Ornament das als  Dreieck dargestellte „Auge Gottes“ war.

Die Apsis war wie ein Sternenhimmel blau mit Gold ausgemalt.

40 Jahre verblieben zum Abtragen der Bauschulden bis 1937.

1942, während des Zweiten Weltkrieges, wurden drei der vier vorhanden Glocken zu Kriegszwecken abgenommen. Es handelte sich hierbei noch um die Originalglocken, die im Jahr 1896 auf der Landesausstellung in Nürnberg wegen ihres Wohlklanges einen Preis erhalten hatten, und die deshalb im 1. Weltkrieg im Turm verbleiben durften.

Der letzte Gottesdienst am Sonntag, 8. April 1945 wurde wegen Luftalarmes nach 20 Minuten abgebrochen.

Am 10. April 1945 (12:27 Uhr) wurde die Kirche durch Phosphor- und Brandgeschosse weitestgehend zerstört. Auch die Jobstkapelle fiel diesem Angriff zum Opfer.

Unter den Architekten Otto Wicht aus Uffenheim (auch zuständig für die Jobstkapelle) und H. Siemsen aus Burgbernheim wurde die Kirche unter Verwendung der alten Grundmauern 1953 wiederaufgebaut. Zuerst erfolgte der Wiederaufbau des Turmes, da dieser nur einen geringen Zerstörungsgrad aufwies. Erst  anschließend wurde der Bau des Langhauses in Angriff genommen.

Die geplante Einweihung zum 1.10.1950 konnte nicht eingehalten werden. Das Richtfest fand somit erst am 01.11.1952 statt. Die Einweihung der Kirche erfolgte am 22. Oktober 1953.

Gegenüber dem vorherigen Neo-Rokoko-Stil zeigt die Außenansicht eine deutliche Vereinfachung: Neobarock, mit neoklassizistischen Elementen, auch in der Farbgebung.

Entgegen der Ausrichtung der Kirche von 1731 mit der ansbachischen Kanzelwand (Altar, Kanzel und Orgel übereinander) auf der Nordseite, wurden die Kirchen von 1897 und auch die heutige Kirche, wieder nach alter Tradition gebaut. Damit findet sich der Chorraum im Osten für Altar und Kanzel sowie die Orgel im Westen auf der Empore.

Den 55 Meter hohen Turm bedeckt nun eine schiefergedeckte Haube mit Laterne an der Spitze.

Die Turmkugel mit dem Kreuz fertigte die Fa. Currlin, das Turmbalkenwerk die Zimmerei Seufferlein, das Kirchenschiff wurde von der Zimmerei Bock mit dem neuen Dachstuhl versehen. Es handelte sich hierbei jeweils um Uffenheimer Firmen.

Der Innenraum zeigt sich schlicht gestaltet aber ausgeglichen und ist  in hellem Grau und Gelb gehalten.

Die Glaskunstfenster der Apsis stammen von einem Coburger Glasmaler. Sie sind wie auch  der Taufstein gestiftet worden.

Darstellung:

        Links                                          Mitte                                               Rechts

      Geburt                               Kreuzigung Christi                             Himmelfahrt     

 

1988 erfolgte eine Generalsanierung mit erheblicher Umgestaltung des Innenraumes.

 

Die obige Ansicht zeigt den Innenraum vor  der Renovierung von 1988.

 

 

Heutige Ansicht der Kirche nach der Renovierung

Das Kreuz unter dem Regenbogen zeigt den Bund zwischen Gott und allem Lebendigen.

Der Altar mit Hörnern stellt einen Israelitischen Brandopferaltar dar – „Schmücket das Fest mit Maien (für im Mai im Saft stehende Zweige vor Allem der Zweige der Birke) bis an die Hörner des Altars“ – Psalm 118, 27

Die Kanzel ist das Zentrum der Verkündigung des Wortes Gottes. Dargestellt ist das Fischernetz Petri. Lukas 5, 1-10: „Fürchte Dich nicht! Denn von nun an wirst Du Menschen fangen.“

Das Taufbecken mit überwölbender Kuppel ist als Weltkugel geformt (Außen Europa, Asien und Afrika; Im Inneren die außen fehlende Erdhälfte) und weist symbolisch auf den Missionsauftrag hin: „Gehet in alle Welt…“

Im vorderen Bereich des südlichen Querflügels sehen wir einen alten Taufstein aus der Gemeinde Maniersch, dem heutigen Magherus im Kreis Mures in Siebenbürgen. Viele der jetzt in Uffenheim sesshaften ehemaligen Heimatvertriebenen stammen aus dieser Gegend.   

Die zweite Empore auf der Westseite ist nun vorwiegend für die dreimanualige Steinmeyer-Orgel und die Kirchenmusik vorgesehen.

 

 

Glocken:

Die vier Glocken der heutigen Kirche wurden am 15. Mai 1953 angeliefert und am Morgen des 16. Mai 1953 auf den Glockenturm aufgezogen. Die Arbeiten waren rechtzeitig abgeschlossen, um die Glocken  um 12:00 Uhr desselben Tages erstmals läuten zu können.

1.     Die Zwölf-Uhr Glocke wiegt 1.500 Kilogramm, zeigt ein Bild von Jesus Christus und trägt die Umschrift „Friede sei mit Euch“.

2.     Die Elf-Uhr Glocke wiegt 700 Kilogramm und wurde von den Kirchenvorständen der Amstperioden 1946 bis 1952 und 1953 bis 1958 gestiftet. Sie zeigt ein Bildnis von Johannes dem Täufer und trägt die Umschrift “Tuet Busse, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“.

3.     Die Taufglocke wiegt 300 Kilogramm und trägt die Umschrift:Lasset die Kindlein zu mir kommen“. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Bäckerfamilie Hans Pehl gestiftet.

 

Der Guss dieser drei Glocken erfolgte 1953 in der  im Jahre 1850 von Joseph Bachmair gegründeten Glockengießerei Bachmaier in Erding, welche 1936 von Karl Czudnochowsky (*1900 - +1977) übernommen wurde.

Der Betrieb der Gießerei wurde 1971 eingestellt.

Karl Czudnochowsky war der Neffe von Glockengießermeister Heinrich Ulrich aus Apolda in Thüringen, der 1923 für den Kölner Dom die Nachfolgerin der Kaiserglocke, die St. Petersglocke (Dicker Pitter) in einem einzigen Guss gefertigt hatte. Diese Glocke hatte im Gegensatz zur Kaiserglocke den schon für diese geplanten, richtigen Schlagton „c0 -5“.

Diese Kaiserglocke hatte trotz dreier Gussversuche diesen geplanten Schlagton nie erreicht.

Der Guss des „Dicken Pitter“ erfolgte auf Grundlage der sogenannten Gloriosa-Rippe der 1497 gegossenen Gloriosaglocke im Erfurter Dom. Diese gilt auch heute noch weltweit als eine der am besten klingenden Glocken.  Czudnochowsky arbeitete zu dieser Zeit bei seinem Onkel und war so am Guss der St. Petersglocke beteiligt.

 

4.     Die „Schlesische Glocke“ wiegt 450 Kilogramm und stammt ursprünglich  aus Mühlatschütz im Landkreis Oels (nordöstlich von Breslau). Sie wurde im Jahre 1735 gegossen.

Sie war im Zweiten Weltkrieg, wie so viele andere Glocken, zu Kriegszwecken abgenommen worden und landete auf dem „Hamburger Glockenfriedhof“.

Hier wurden die Glocken gesammelt, um anschließend eingeschmolzen zu werden. Nach Kriegsende wurden jene Glocken, die aus von den Sowjettruppen besetzten Gebieten stammten, nicht zurückgegeben. Westdeutsche Gemeinden, die durch vorherige Glockenabnahmen neue Glocken benötigten, wurden mit Glocken vom Glockenfriedhof, die vom Einschmelzen verschont geblieben waren, versorgt. So kam die „Schlesische Glocke“ schließlich nach Uffenheim.

 

Schloss Oels war seit 1905 wiederholt das Domizil des Kronprinzen von Preußen, Wilhelm von Hohenzollern (1882 – 1951), dem ältesten Sohn des Kaisers Wilhelm II.

 

Die Glockentöne sämtlicher Glocken  sind Bestandteil des 4-stimmigen Salve Regina Geläutes mit den Nominaltönen c“ –e“ –g“ –a“.

 

15. Rathaus

Rathaus, Marktplatz 16

Ein erstes nachgewiesenes Rathaus wurde um ca. 1580 im gotischen Stil erbaut.

Am Freitag, den 20. Februar 1620, löste eine Unachtsamkeit beim Heizen des Sitzungssaales einen Brand aus, dem das gesamte Rathaus mit allen Akten, Urkunden und Briefschaften zum Opfer fiel.

Nach dieser Zerstörung wurde das Rathaus 1630 im Barockstil wieder aufgebaut und 1739 renoviert unter den ansbachischen Baumeistern Leopoldi Retti und Johann David Steingruber.

Für das Jahr 1746 ist die Erbauung eines Prangers  am Rathaus nachgewiesen.

Der Pranger solle an das Eck des Rathauses gebaut werden und zwar von Eisen, wie ein Hängetisch“.

Denn wer zum Pranger verurteilt war, sollte der Öffentlichkeit deutlich zur Schau gestellt werden. Wann der Pranger wieder entfernt wurde, ist nicht bekannt.

Am 12. April 1945 wurde das Rathaus durch einen Bombenangriff leider mit  dem gesamten Stadtarchiv zerstört.  Die Archivalien standen in Truhen gefüllt bereit zum Abtransport. Doch der für den Abtransport zuständige Stadtinspektor Georg Heubeck musste just zu diesem Zeitpunkt beim „Volkssturm“ Dienst leisten.

Der Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1953-54.  Zuerst diente der Neubau als Berufsschule. Die städtischen Amtsgeschäfte wurden bis in die 1960er Jahre im ehemaligen „Adolf-Hitler-Haus“ (später vorübergehend bis 2016 Polizeistation) in der Bahnhofstraße verrichtet.

Interessant ist die Wegetafel an der Südostkante des Rathauses, welche die Entfernungen von Uffenheim zu weiteren Orten in der Markgrafschaft sowie z.B. nach Windsheim und Nürnberg in Ruthen sowie in Stund und Ruthen anzeigt. Ziele im benachbarten Hochstift Würzburg finden dagegen keine Erwähnung.

 

 

 

 

Erklärung:

Eine fränkische Ruthe entspricht 3,77m.

Eine „Stund“ entspricht 1.200 Ruthen, also ca. 4,5 km, die man in einer Stunde bequem zu Fuß zurücklegen kann. Am Beispiel Ansbach mit 10.970 Ruthen = 9 Stunden 170 Ruthen sind das ca. 42 km.

An Stelle des neuen Erweiterungsbaus des Rathauses (westlich des bereits bestehenden Rathauses) befand sich einst eine Husarenwache (Husaren = leichte Kavallerie)  aus preußischer Zeit von 1792 – 1806.

 

 

Später wurde dieses Gebäude als Polizeiwache genutzt. Der Polizeidiener  Michel Dehm verkündete in den 1920er Jahren mit seiner Handglocke die Bekanntmachungen des Stadtmagistrats.

Auch die ehemalige Husarenwache brannte mit dem Rathaus ab. Das Nachfolgegebäude wurde 2007/08 zur Erweiterung des Rathauses aufgestockt.

Zuvor bestand die Absicht, vom zweiten Obergeschoss des Rathauses eine geschlossene Brückenkonstruktion zum gegenüberliegenden Haus des ehemaligen Zinngießers Krämer zu errichten, welches die Stadt bereits zur Erweiterung ihrer Amtsräume erworben hatte.  Dieser Plan wurde durch Bürgerbegehren und Bürgerentscheid abgelehnt.

 

Als Uffenheim noch preußische Garnisonsstadt war (1792 – 1806), lag in der Stadt eine Schwadron (50 Mann) Husaren, die teils in Privathäusern oder in der Husarenkaserne am Ansbacher Tor untergebracht waren.

Die Husarenwache neben dem Rathaus war mit einem weit vorspringenden Dach versehen, das vor Sonne, Wind, Regen und Schnee schützen sollte. Der Rittmeister der Schwadron wohnte gegenüber der Wache und ihm zu Ehren ging unter dem breiten Dach ein Wachtposten mit gezogenem Säbel ständig auf und ab. Er wurde alle zwei Stunden vom Wachzimmer aus abgelöst. In einer bitterkalten Winternacht, alles war in tiefen Schnee eingehüllt, öffnete der Rittmeister sein Fenster und rief den Wachtposten an, ob es etwas Besonderes gäbe. Dieser antwortete:

Herr Rittmeister, heute Nacht geht der Schnee weg!“

Der Rittmeister antwortete: „So das ist recht; da ändert sich endlich das Wetter“ und schloss zufrieden sein Fenster.

Der Husar aber ging nachdem er abgelöst wurde zur Husarenstallung, sattelte sein Pferd und ritt noch in derselben Nacht heimlich davon.

Am nächsten Morgen hatte sich das Wetter nicht geändert, aber dem Rittmeister wurde gemeldet: „Der Husar Schnee“, so hieß der Posten mit Namen, „ist in dieser Nacht samt Pferd desertiert“. Nun ging dem Rittmeister ein Licht auf. Der „Schnee“ war tatsächlich weg, obwohl der Schnee noch draußen lag.

 

 

16. Stadtapotheke

Stadtapotheke, Marktplatz 9

 

Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg.

Hier ansässige Apotheker der Stadtapotheke waren:

1736 Gründung der Stadtapotheke durch Johann Georg Model

1758 Johann Georg Model junior

1769 Ernst Wilhelm Weinl

1831 Erhard Friedrich Greiner

1851  Georg Friedrich Arnold mit Sohn Karl, dem späteren

           Professor Dr. Karl  Arnold

1859 Karl Friedrich Jergius

1875 Friedrich Georg Wunderlich

1920 Friedrich Karl Wunderlich und Georg Heinrich Wunderlich

1949 Karl-Heinz Szameitat

1954 Hermann Seiter

1975 Gerhard Nussel

2008 Axel Holzmann

 

1914 wurde von Apotheker Friedrich Georg Wunderlich dem neu gegründeten Heimatmuseum eine Auswahl von Gegenständen geschenkt, die einst in einer Apotheke erforderlich gewesen waren, auf die aber nun verzichtet werden konnte.

Die geschenkte Sammlung aus verschiedenen Epochen der Uffenheimer Apotheke am Marktplatz umfasste diverse Mörser, Destilliergeräte, Waagen, Aufbewahrungsgefäße aus Fayence und Holz sowie einen ausgestopften Raben (eigentlich eine Nebelkrähe) als Symbol der Weisheit.

 

Friedrich Georg Wunderlich kam 1875 aus Kulmbach in die hiesige Stadtapotheke, seine Söhne Friedrich Karl und Georg Heinrich führten ab 1920 die Apotheke dann weiter. Georg Heinrich Wunderlich wurde 1951 Ehrenmitglied des Museumsvereins, weil er als gewählter Schatzmeister und Kassier die Bestände des Heimat-und Museumsvereins gut durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges gebracht hatte.

Wie wir aus der Uffenheimer Häusergeschichte von Dr. Gerhard Rechter wissen, kaufte 1728 ein Apotheker Johann Georg Model das Anwesen Haus-Nr. 120 am Markt, das war damals nur eine Hälfte des heutigen längst vereinigten Anwesens.

Die Eröffnung einer Apotheke soll allerdings erst 1736 erfolgt sein, wenn man der Beschriftung des Schaukastens mit diversen Arzneimitteln und anderer Ingredienzien (wie einer getrockneten „morgenländischen Eidechse“ als Aphrodisiakum) trauen kann.

G. Rechter merkt jedoch unter 1758 an: „war 1732 die Stadtapotheke noch im Rathaus?“, da damals mit einem Besitzerwechsel der Stadtapotheke an den Sohn Ludwig Model noch mit „einem Gewölbe unter dem Rathaus“, also im Untergeschoß, einher geht.

Tatsächlich fand sich in einer der kleineren Holzbüchsen ein überklebtes Etikett auf der Innenseite des Deckels mit der Datierung: 1719.

Es ist durchaus möglich, dass viele Gefäße und Schachteln noch aus dieser ältesten Apotheke im Rathaus stammen, und dann in der – dann vollkommen privat geführte  –  Apotheke am Marktplatz 9 weiterverwendet wurden.

Fest steht weiterhin, dass zumindest einige Spanschachteln noch von Apotheker Georg Friedrich Arnold benutzt wurden, denn als dieser 1859 Uffenheim verließ, hinterließ er in der Schachtel mit „Sulphur crud“(um) = Schwefel einen Brief, der vom Januar 1859 datiert ist, kurz vor seinem Aufbruch aus Uffenheim.

Auch einige Arzneifläschchen mit dem Etikett von Friedrich Arnold sind uns überliefert.

Dieser Friedrich Arnold war übrigens der Vater des berühmten Professors Dr. Karl Arnold, dem eine Straße hier in Uffenheim gewidmet ist.

Geboren ist er hier in Uffenheim 1853, gestorben 1929 an seinem Wirkungsort in Hannover.

Die Apotheke und vor allem die Familie Arnold wurden im Jahre 2009 eingehend in einem  Museums-Vortrag vorgestellt. Ein Begleitbüchlein war erhältlich.

Karl Arnold (* 12. März 1853 in Uffenheim; † 24. Juni 1929 in Hannover) war ein deutscher Chemiker, Mineraloge, Gelehrter, Lehrbeauftragter, Geheimrat, Alpinist, Sachbuchautor und Schriftsteller.

Karl Arnold wurde 1853 als Sohn des Apothekers Georg Friedrich Arnold geboren, der zuvor 1851 in Uffenheim das Anwesen „mit Apotheke“ seines Berufskollegen Erhard Friedrich Greiner „[…] auf dem Marktplatz“ erworben hatte. Als knapp 6-Jähriger zog Arnold mit seiner Familie nach Ansbach, wo sein Vater die dortige Hof-Apotheke und den Titel eines bayerischen Hofapothekers übernommen hatte.

Nach dem Besuch des Gymnasiums begann Karl Arnold 1869 eine Lehre als Apotheker in der Hof-Apotheke seines Vaters und wurde ab 1872 in verschiedenen Apotheken in Zofingen (im Schweizer Kanton Aargau), Hamburg, Frankfurt am Main und Magdeburg tätig.

1875 begann er in München an der dortigen Universität das Studium der Pharmazie. Er erhielt 1876 die Approbation als Apotheker, studierte dann jedoch weitere eineinhalb Jahre: 1877 legte er das Lehramtsexamen für Naturwissenschaften ab.

Chemie und Physik studierte er an der Universität Tübingen und der Universität Heidelberg und bestand 1878 im Alter von 25 Jahren schließlich das Examen als Doktor der Philosophie bei Professor Robert Wilhelm Bunsen, dem er im selben Jahr assistierte.

In der Folge leistete Karl Arnold den Militärdienst als Apotheker und arbeitete dann als Assistent im Chemischen Institut der Königlichen Kreis-Realschule zu Würzburg, dem heutigen Röntgengymnasium.

Zum 1. Mai 1880 begann schließlich seine Tätigkeit an der damaligen Königlichen Tierarzneischule in Hannover, zunächst nur – jährlich bis 1885 verlängert – als Repetitor für Chemie und Physik, mit anfangs „[…] 1500 M. Remuneration (Belohnung), freier Wohnung, Licht und Heizung in der Anstalt“.

In diesen Jahren vertrat Arnold mehrfach den wegen Krankheit wiederholt beurlaubten Lehrstuhlinhaber Karl Begemann.

Nach dem Tode Begemanns wurde Karl Arnold am 8. September 1885 zum Dozenten für Chemie, Rezeptierkunde und Pharmakologie berufen sowie zum Vorsteher der Tierarzneischul-Apotheke. Zudem wurde er als Bibliothekar tätig.

Nachdem die Königliche Tierarzneischule in Hannover 1887 zur Hochschule erhoben worden war, wurde Karl Arnold 1889 Direktor des Chemischen Instituts und war nun als alleiniger Dozent für Chemie verantwortlich.

1890 wurde er schließlich zum Professor berufen.

Nach dem Rücktritt des letzten Hochschuldirektors und Einführung der Rektoratsverfassung an der Hochschule wurde Karl Arnold 1913 zum ersten Rektor der Technischen Hochschule Hannover gewählt. Er nahm das Amt jedoch aus Altersgründen und anderweitiger Inanspruchnahme nicht an.

Die Vorlesungen und Übungen Arnolds wurden äußerst gut besucht. Der bei den Studenten im Allgemeinen beliebte Professor verstand es, das Interesse für Chemie zu wecken und zu erhalten, förderte auch persönlich einzelne begabte Studierende.

Arnold veröffentlichte zahlreiche Artikel in Zeitschriften und Fachbüchern, wissenschaftliche, aber auch populärwissenschaftliche Bücher und andere Schriften bis über sein 50-jähriges Doktorjubiläum und seine Pensionierung hinaus.

Er war 45 Jahre Mitglied des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins und zuletzt 1. Vorsitzender der Sektion Hannover.

Die Gemeinde Mallnitz in Kärnten benannte 1888 die Arnoldhöhe nach dem Bergliebhaber. Noch als 76-Jähriger erklomm der emsige und sieggewohnte Geheimrat alpine Bergzüge.

Die Urne Arnolds wurde in einem kleinen Mausoleum beigesetzt, das Arnold zuvor selbst nahe dem damaligen Hannover Haus auf der Arnolds Höhe hatte bauen lassen. Das Mausoleum kann man auch heute noch besuchen.

Dem Gollachgaumuseum Uffenheim hat Arnold per Testament eine wertvolle Schwertersammlung und Messingdosen mit fernöstlichen Schriftzeichen vermacht, die er auf zahlreichen Reisen in viele Teile der Welt gesammelt hatte.

17. Goldener Hirsch

Gasthaus Goldener Hirsch, Marktplatz 7

 

Das Gebäude ist auch als „Stangsches Haus“ oder „Hörlinshaus“ bekannt.

Das Wappen links des Portals stammt aus dem  Erbauungsjahr 1590. „Hans Stang 1590“. Im Türsturz ist die Bezeichnung “AV CERF D`OR – Zum Goldenen Hirsch“ zu lesen. Das Portal ist nicht original sondern stammt aus dem Rokoko.

Auch hier handelt es sich ab 1603 um eine Tavernwirtschaft (Erbtaverne seit 1686).

Das Gebäude stammt aus der Blütezeit des fränkischen Fachwerkbaus. Im 18. Jahrhundert wurde das Gebäude mit einem massiven Erdgeschoss unterfangen und das Fachwerk der heutigen Marktplatzseite konstruktiv erneuert. Die auf den später zugebauten Marktplatz gerichtete Hauswand an der Nordseite ist besonders reich verziert.

Der Goldene Hirsch war seinerzeit der bedeutendste Gasthof in Uffenheim.

Hier nächtigten 1632 zweimal König Gustav Adolf von Schweden und sein Feldmarschall Gustaf Horn. Gustav Adolf fiel in der Schlacht bei Lützen im November 1632. Feldmarschall Gustaf Horn übernahm ab diesem Zeitpunkt die Führung des Schwedischen Heeres. Dessen Kind Gustaf Gustafson, 1648 in Kulmbach geboren und verstorben, wurde 1649 hier in Uffenheim begraben. Sein Epitaph befindet sich heute in der Spitalkirche.

Später unter den Besitzerfamilien Gronbach und Hörlin fungierte das Gasthaus in der Zeit von 1898 bis 1918 auch als „Herberge zur Heimat“ oder als „Natural-Verpflegsstation“, wie die amtliche Bezeichnung ihrer Unterkunft lautete. Hier wurden reisenden Handwerksburschen aber auch Landstreichern Verpflegung und Nachtquartier gewährt. Für das Jahr 1902 sind 4.618 Verpflegungen von Handwerksburschen nachgewiesen.

Abends vor dem Schlafengehen wurden die Personalien dieser Übernachtungsgäste durch einen Polizeiwachtmeister mit dem Fahndungsbuch und vorliegenden Steckbriefen abgeglichen. Bisweilen gelang es hierbei einen gesuchten Verbrecher herauszufischen, der in den Reihen der Heimatlosen untergetaucht war. Die Polizeistation war zu dieser Zeit praktischerweise im gegenüberliegenden Haus Nr. 7 (linkes Eckhaus zur Dekanatsgasse) untergebracht.

Im Gasthaus bestand bis 1908 gleichzeitig eine dazugehörige Brauerei.

Das Gasthaus wurde 1918 geschlossen.

 

 

 

18. Spätgotisches Wohnhaus

 

Haus Dekanatsgasse 1

 

Das Bild zeigt eine einigermaßen gesicherte Rekonstruktion des Originalbauwerks durch den Uffenheimer Architekten Dip. Ing. Walter Gebert.

Es handelt sich hier um das älteste erhaltene Wohnhaus Uffenheims mit spätmittelalterlichem (spätgotischem) Ständerfachwerk von 1438. Die für die Bauzeit typischen Blattungen sind von der Hofseite aus zu sehen.

Ein grundlegender Umbau fand 1727 statt (belegt durch 14 datierte Dachziegelfunde). Damals wurde das Haus in zwei Hälften geteilt, fungierte also als Doppelhaus mit zwei Eingängen, von welchen die rechte Hälfte noch bis 1987 genutzt wurde.

Die Einheit wurde 1989/90 bei einer Totalsanierung zur Erstellung einer Zahnarztpraxis wiederhergestellt. Im jetzigen Wartezimmer im Nordosten ist neben vielen konservierten ein restauriertes florales Deckenmedaillon zu sehen. Die Bemalung der Balken und Felderungen wurden  wiederhergestellt.

Darüber befindet sich Im Obergeschoss eine Stube mit Bohlenwand und Bohlenbalkendecke.

Im Dachgeschoss sind die Trennwände mit einem lehmverkleideten Weidengeflecht ausgeführt.

Die Konstruktion wird im Inneren durch eine mächtige Holzsäule („Ständer“) im Eingangsbereich getragen, ursprünglich waren dies zwei Säulen.

Die Grundkonstruktion des Ständerbaues konnte bei der Totalsanierung durch vielfältige Indizien an den Balken (Zapfenlöcher, Ausblattungen u. dgl.) vollständig rekonstruiert werden. Bemerkenswert ist auch im Obergeschoss die innenliegende, nur über ein Fenster zum Flur belichtete Herdstelle mit ehemaligem Rauchfang.

19. Haas-Haus

Das Haas-Haus, Marktplatz 6

 

Erbaut im 18. Jahrhundert handelt es sich um ein massives, verputztes, zweigeschossiges Doppelhaus im typischen Baustil der Markgrafenzeit. Der nördliche Teil gegen die Dekanatsgasse zeigt ein Walm-Mansarddach mit klassizistischen Gauben. Im Erdgeschoss befindet sich eine klassizistische Fensterkonsole mit Reliefmedaillon und der Initiale

-G-.

Herkunft der Initiale:

Von 1788 bis 1826 war das Haus im Besitz des Konditormeisters Johann Georg Grieninger. Dieser verkaufte seine Erzeugnisse über den sogenannten „Bäckerstein“ an seine Kundschaft.

Im südlichen Teil des Hauses findet man einen markgräflich zeitgenössischen Portalschmuck mit einem Keilstein und der Inschrift „1714 GMT“. Dies sind die Initialen des damaligen Hausbesitzers Georg Matthias Dommer, alte Schreibweise von Thoma. Er war von Beruf Schuhmacher.

Dieser Gebäudeteil, der seit 1834 der Familie Haas gehört, birgt im Inneren noch spärliche spätmittelalterliche Fachwerk-Mauerreste, wie bei den letzten Renovierungsmaßnahmen festgestellt werden konnte.

Im Eckhaus zur Dekanatsgasse, dem eigentlichen Wohnhaus, ließ um 1910 Otto Haas vom Schreinermeister Martin Alt aus Uffenheim zwei Räume mit reicher Holzkassettendecke sowie Holzlamperien (Vertäfelungen) ausstatten, die heute noch gut erhalten sind.

Der „Marktplatz“ ist heute eigentlich nur noch eine Straße. Früher erstreckte er sich zwischen dem Stang´schen Haus = Goldener Hirsch und dem Rathaus.

Im Rahmen der Stadterweiterung sollte er nördlich um die Stadtkirche und außerhalb der Stadtmauer verlegt werden, mit folgenden Absichten:

•         Die Kirche stünde dann mitten auf dem Marktplatz

•         Dieser befände sich zwischen alter und neuer Stadt

•         Das Rathaus befände sich zwischen altem und neuem Markt

 

Diese Pläne von 1699, 1732 und 1762 wurden jedoch nicht verwirklicht (Geldmangel bei den Markgrafen und Desinteresse nach dem Tode von Markgraf Carl Wilhelm Friedrich). Der alte Marktplatz wurde zwischenzeitlich bebaut.

Vom 24.03.1933 bis zum Ende des zweiten Weltkrieges hieß der Marktplatz „Hindenburg-Platz“.

 

 

20. Evang-Luth. Dekanat (seit 1556)

Evangelisch – Lutherisches Dekanat, Luitpoldstraße 3

 

Der Bau des massiven, zweigeschossigen Walmdachhauses erfolgte im Jahr 1731, also während der Regierungszeit von Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Hohenzollern (1729 – 1757) CWF, der erst im 19. Jahrhundert den Beinamen „Der Wilde Markgraf“ bekam.

Der öffentliche Charakter des Gebäudes wird geprägt durch die Gliederung mit umlaufendem Gurtgesims unter den Obergeschossfenstern und den darunterliegenden Putzfeldern, sowie den farbigen Fensterläden. Bei der letzten Sanierung 2010/11 erfolgte der Einbau zusätzlicher Dachgauben.

Zum alten Fuhrwerksweg auf den Lerchenbühl (heutiger Bahnberg) gelangte man außer über die heutige Alte Bahnhofstrasse auch von der Stadt aus über das schmale Hirtengässlein, die heutige Luitpoldstraße.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gässchen im Volksmund auch „Krinolinenweg“ genannt. Diesen Namen erhielt es, als der Reifrock mit dem Namen  „dernier cri“ die Damenmode beherrschte. Die Uffenheimer Damen unterwarfen sich natürlich auch dieser Diktatur der Pariser Haute Couture (gehobene Schneiderei) und gürteten um ihre Wespentaillen diese weitausladenden Ungetüme. Die Gasse war so schmal, dass eine krinolinetragende Frau diesen Engpass völlig ausfüllte. Wer von der anderen Seite entgegenkam, konnte nicht ausweichen, da kein Platz mehr war. Er musste also wieder zurückgehen und erst das Verkehrshindernis mit den wippenden Hüften passieren lassen.

Der Weg führte dann weiter durch eine kleine Ausgangspforte in der Stadtmauer am Dekanatsgebäude. Das Türchen wurde im Winter um 8 Uhr und im Sommer um 9 Uhr geschlossen und erst am nächsten Morgen wieder geöffnet.

An der Stelle des heutigen Kriegerdenkmals befand sich ein kleiner sumpfiger Weiher. Die Stockwiesen im Osten reichten bis fast an die Stadtmauer heran. Jeden Morgen watschelten hier die Uffenheimer Enten mit lautem Geschrei aus der Stadt hinaus, um sich tagsüber auf dem Weiher aufzuhalten.

Über diese Wiesen gelangte man auf einem meist nassen Fußweg bei der Hedwigsruh auf den obengenannten Fuhrwerksweg, heutige Alte Bahnhofsstraße.

Nach einigen gescheiterten Anläufen in den Jahren 1864 bis 1872 wurde im Jahre 1879 endlich die Verbreiterung des oben genannten Hirtengässchens, der Durchbruch durch die Stadtmauer und der Bau der neuen Bahnhofstraße bis zur Stelle der heutigen Hedwigsruh beschlossen (Zusammenschluss mit alter Bahnhofstrasse), um einen direkten Straßenzugang zum Bahnhof zu schaffen. Hierzu war der Abriss mehrerer Gebäude (u. a. die Dekanatsscheune) im Bereich des Dekanats und des heutigen Gerlach-von-Hohenlohe-Stifts nötig. Die Arbeiten wurden bis 1882 abgeschlossen. Auch der Teil vom Spitalplatz bis zur Kreuzung hieß damals noch Bahnhofstraße und wurde erst anlässlich des achtzigsten Geburtstages von Prinzregent Luitpold von Bayern am 12. März 1901 in „Luitpoldstrasse“ umbenannt.

Quelle: Gollachgau II. Jahrgang, Seiten 90 – 92

 

Hedwigsruh

Sie befindet sich an der Mündung der Alten Bahnhofstraße in die Bahnhofstraße.

Die dortige Ruhebank geht zurück auf eine Stiftung der Würzburger Amtsrichters-Gattin Gretchen Nüßler (eine Schwester des Uffenheimer Posthalters Christoph Neeser) aus dem Jahre 1911 zur Errichtung einer Ruhestelle und der gleichzeitigen Finanzierung einer Wöchnerinnenfürsorge. Die Amtsrichters-Gattin richtete die Stiftung zur Erinnerung an Ihre Tochter Hedwig ein, die im Wochenbett verstorben war.

Heute steht dort auch ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten nach dem 2.Weltkrieg.

Quelle: Gollachgau II. Jahrgang Seite 93

21. Stadthalle Uffenheim

Stadthalle Uffenheim, Luitpoldstraße 5

 

Die „Alte Turnhalle“ wurde in den Jahren 1911 bis 1913 erbaut.

 

 

Ab dem 9. September 1914 stand diese Halle als Lazarett neben dem Bezirkskrankenhaus und dem Saal der Brauerei Heinrich Geuder für Verwundete des Ersten Weltkrieges zur Verfügung.

In der Turnhalle fanden zahlreiche Großveranstaltungen statt. Insbesondere  war sie 1924 der zentrale Punkt für die Bayerische Landesausstellung für Landwirtschaft.

Wie eine Aufnahme aus dem Jahre 1931 zeigt, waren die Innenwände und auch die Balustrade der Empore (auf der einen Schmalseite der Halle gegenüber der Bühne) mit zahlreichen Schützenscheiben geschmückt.

Die „Alte Turnhalle“ wurde im April 1945 durch Kriegseinwirkung zerstört.

Einzig die in der Stadthalle befindliche Hausmeisterwohnung für die Familie Dornhöfer blieb nach der Zerstörung der Turnhalle im Zweiten Weltkrieg notdürftig weiter benutzbar.

Die Schüler der Uffenheimer Schulen und die Bürgerschaft mussten die Backsteine der kriegszerstörten Turnhalle durch Abklopfen wieder verwendbar machen. Dieses Material diente dann zum Aufbau der geplanten neuen Stadthalle.

Nach den Plänen des Uffenheim Architekten Ernst Gebert wurde 1955/56 diese neue Stadthalle weitgehend von Uffenheimer Firmen errichtet.

Die Halle wurde im zeitgenössischen filigranen Stil der Moderne in Stahlbetonskelett- und Massivbauweise mit typischer Wellplatteneindeckung errichtet. Die Mehrzweckhalle wurde konzipiert als Theater, Veranstaltungsraum und Schulsporthalle (viele Uffenheimer können sich sicherlich noch an die im Hallenboden versenkbaren Reckstangen erinnern).

In den Jahren 2005/07 erfolgte eine behutsame Restaurierung mit behindertengerechtem Zugang.

Der Platz vor der Stadthalle trägt seit einigen Jahren den Namen „Pratovecchio-Platz“ zur Erinnerung an die erste Städtepartnerschaft Uffenheims mit der italienischen Gemeinde Pratoveccio-Stia, die 1981 begründet wurde.

Der vor der Stadthalle stehende Partnerschaftsbrunnen wurde von Azer Valizada geschaffen. Er war Dozent des Lehrstuhls für Bildende Künste an der staatlichen Universität für Architektur in Baku/Aserbeidschan, von wo er aus politischen Gründen fliehen musste. Er wurde als Geflüchteter in Uffenheim aufgenommen, wo er sich mit seiner Familie seit Jahren bestens integriert hat.

Die vier Stelen des Brunnen symbolisieren neben Uffenheim dessen drei Partnerstädte, Pratoveccio-Stia/Toscana in Italien, Egletons/Corrèze/Nouvelle-Aquitaine  in Frankreich und Kolbudy/Kreis Danzig/Woiwodschaft Pommern in Polen.

An den Stelen sind neben den Wappen der Städte und Staaten zahlreiche Bronzereliefs angebracht, die kulturell namhafte Persönlichkeiten (keine Militärs!) und bemerkenswerte Bauwerke der betreffenden Länder darstellen.

Das durch die Stelen fließende Wasser ergießt sich auf die Weltkugel. Somit werden die kulturellen Leistungen der einzelnen Länder der gesamten Welt zuteil.

 

 

22. Parnterschaftsbrunnen von 2014

Der Brunnen wurde durch den Künstler Azar Valizada erschaffen und stellt die europäischen Partnerschaftsstädte dar. Die Stelen stehen für Uffenheim, Pratovecchio/Toskana (1981), Egletons/Corrèze(2000) und Kolbudy/Pommern(2006).

Die Bronzereliefs zeigen wichtige Bauwerke in den jeweiligen Städten und bedeutende Persönlichkeiten.

Der Fluss des aufsteigenden Wassers zeigt den Weg der Kulturen, erst für das eigene Land und dann für die ganze Welt. Im Becken vermischen sich die kulturellen Leistungen dieser Länder. Das Wasser weist hin auf die Zeit mit ihrem Gegensatz aus der Vergangenheit durch die Gegenwart in die Zukunft und dem als einmalig erlebten Moment.

23. Bürgerturm

Bürgerturm, hinter der Stadthalle

 

Der hohe, schlanke und unverputzte Rundturm aus Natursteinquadern mit Schießscharten befindet sich an der Nordostecke von Uffenheim hinter der Stadthalle. Er diente neben der Verteidigung auch als Verlies für straffällige Bürger, daher sein Name „Bürgerturm“. Die im Turm für geringe Vergehen verurteilten Häftlinge genossen das Privileg, sich von ihrer Familie verpflegen zu lassen.

Heute ist er nicht mehr begehbar. Die historische Eingangstür befindet sich auf der Westseite in Höhe des ehemaligen Wehrganges.

Das hügelige Gelände östlich des Turmes wird als die „Uffenheimer Schweiz“ bezeichnet. Die Abhänge dienten in früheren, schneereichen Wintern der Jugend als Rodelbahn. Am Hang gegenüber befindet sich der Notausgang des „Heinrichskellers“, einem Bierkeller der ehemaligen Brauerei Georg Geuder. Der Ausgang war für die hier einige Jahre betriebene Kellerwirtschaft feuerwehrtechnisch erforderlich. Über diese Kellerräume war der Zugang zu den  unterirdischen Geschossen des ganzen Brauereigeländes gegeben. (Heute leider nicht mehr begehbar).

Die vormaligen Zugänge zu den alten Kellergewölben unterhalb des Turmes außerhalb der Stadtmauer wurden schon vor längerer Zeit zugeschüttet.  

 

 

24. Goldener Stern

Gasthaus Zum Goldenen Stern, Spitalplatz 9

 

Das Vorgebäude an gleicher Stelle war bis 1685 ein herrschaftliches Brauhaus, später die Tavernwirtschaft „L´Etoile d`Or“ (Goldener Stern).

In den Tavernwirtschaften wurden Bier und Wein sowie kalte und warme Speisen ausgegeben. Ebenso konnte man dort übernachten. Heute bezeichnet man ein solches Haus als Hotel.

Das heutige Gebäude wurde 1769 nach Plänen des Amtskastners Konrad Christoph Jung, dem späteren Justizdirektor, als Gasthaus „Zum Goldenen Stern“ neu errichtet. Es handelt sich um einen Barockbau mit gewalmtem Dach und Gurtgesimsen. Die Rocailles (muschelförmige Ornamentik) an den Fenstern sind bereits kunstgeschichtliche Elemente des Rokokos.

Ein Festsaal befand sich im zweiten Obergeschoss.

Der Ansbacher Lehrer und Dichter Friedrich Wilhelm Güll übernachtete hier häufiger und verfasste dort das Gedicht „Tischgebet“:

An der Tafel im Gasthaus zum goldenen Stern saßen beisammen viele reiche Herrn…“

Auch das wesentlich bekanntere Gedicht „Das Büblein auf dem Eise“ stammt aus der Feder Friedrich Wilhelm Gülls.

Nach dem Bau der Eisenbahn im Jahre 1864 ließ der Reiseverkehr durch Uffenheim stark nach. Insbesondere spürte das der Goldene Stern, denn seine zahlungsfähigen Gäste blieben aus, weil sie die weit bequemere und schnellere Reise mit der Bahn vorzogen. Das Gasthaus schloss seine Pforten um das Jahr 1870. In den ehemaligen Gasträumen hatte Herr Siegmund Schwarzbart um die Jahrhundertwende ein Konfektions- und Wäschegeschäft eingerichtet, bis er 1905 in das Mantelshaus/Kuglerseck (Luitpoldstr. 1) schräg gegenüber umzog.

Das Haus wurde entsprechend den seinerzeitigen Besitzern auch als „Göllershaus“, später „Currlinshaus“ bezeichnet.

25. Spitalkirche

Spitalkirche, Spitalplatz 1

 

Die Spitalkirche wurde Mitte 1360 durch den Edelfreien Gerlach von Hohenlohe (geb. vor 1344 – gest. nach 1387) und seine Frau Margarethe als capella im Rahmen der Hohenlohe-Stiftung erbaut. Damit wurde die Absicht von Gerlachs Vater, Ludwig von Hohenlohe (1312 – 1356) umgesetzt.

Lt. Urkunde lag die Kirche „extra muros“, was darauf hindeutet, dass der ursprüngliche Stadtmauerverlauf wohl enger um den alten Stadtkern gezogen war. Der heutige Verlauf der Stadtmauer wurde vermutlich erst Ende des 15. Jahrhunderts hergestellt.

Die Stiftung war ursprünglich ein Armenspital. Erst in späterer Zeit konnten sich Pfründner einkaufen, und das Haus erweiterte sich um das Reichenspital.

In das Spital wurden Arme, Kranke, Sieche und Alte aufgenommen. Der Unterschied zwischen den Insassen von Armen- und Reichenspital bestand vor allem in der Verköstigung und in der Verpflichtung der armen Pfründner, sich nach Kräften an anfallenden Arbeiten beteiligen zu müssen.

Die reicheren Pfründner mussten sich einkaufen oder ihre Güter einbringen. Mitzubringen war von Allen ein Bett.

Der Spitalbereich selbst darf zur Gründungszeit innerhalb des Langhauses vermutet werden. Der Kirchenbereich dürfte sich auf die Apsis beschränkt haben.

Der Bau des ehemaligen Hospitalgebäudes links neben der Spitalkirche erfolgte wohl erst im 16. Jahrhundert.

Die Pfründner wurden nicht auf dem Friedhof der Stadtkirche St. Johannis, sondern auf dem eigenen Spitalfriedhof beigesetzt. Dies änderte sich erst mit der Anlage des neuen Friedhofes an der Jobstkapelle im 15. Jahrhundert, der ab Beginn des 17. Jahrhunderts allmählich die Grabstätte für alle Uffenheimer Bürger wurde.

 „Was waren wohl die Beweggründe für die Einrichtung einer Stiftung?“

► Bittere Armut, Krankheiten (um 1347 bis 1353 Pestepidemie), Krieg, Heuschrecken verheerten drei Jahre hintereinander die Ernten, Erdbeben erschütterten vor allem den Alpenraum, führten aber auch im Jahre 1356 zur Zerstörung der Burg in Rothenburg  –  das Dasein wurde als die Hölle auf Erden betrachtet, die irdische Lebensphase wurde als ein Jammertal bezeichnet - lediglich eine vorübergehende Lebensphase.

► Das Erreichen der ewigen Seligkeit war höchstes Lebensziel. Ein schöneres und besseres Leben im Jenseits konnte man durch gute Taten erreichen und durch Beten sicherstellen. Die Begründung einer frommen Stiftung konnte dem Stifter das Erreichen dieses Zieles erleichtern.

Somit galt das Beten der Insassen sowohl deren eigenem Seelenheil als auch dem Seelenheil des Spitalstifters.

Laut Spital- und Güterverzeichnis von 1699 ist zu ersehen, dass sich der landwirtschaftliche Besitz auf 237 Morgen = 47 ha Spitaläcker und auf 209 Morgen = 42 ha Spitalholz erstreckte. Die wirtschaftlichen Erträge der Güter dienten dem Unterhalt des Spitals. Die Landwirtschaft wurde vom sogenannten Spitalbauern bewirtschaftet.

Die jährliche Abrechnung der Landwirtschaft wurde anscheinend oft schlampig oder gar nicht erstellt, was des Öfteren zu Streitigkeiten mit der Stadt als Träger der Stiftung und den zuständigen markgräflichen Beamten führte.

Die bayerische Staatsregierung verlegte ca. 1810 die Pflegschaft der Hospitalstiftung nach Rothenburg ob der Tauber in staatliche Hände und strebte die Einziehung des gesamten Stiftungsvermögens für den Staatsbesitz an. Die Uffenheimer wehrten sich dagegen und konnten dank der Stiftungsurkunde nachweisen, dass die Verwaltung der Stiftung von jeher der Stadt zustand. Damit war der Nachweis erbracht, dass es sich um eine weltliche Stiftung und nicht um eine Kirchenstiftung handelt, worauf die Königlich Bayerische Regierung ihre Ansprüche begründete.

Nach ungefähr vierjährigen Verhandlungen erhielt Uffenheim 1816 Besitz und Verwaltung in vollem Umfang wieder zurück.

 

Die Hirschbreikerwa, eigentlich Hirsebreikerwe oder Spitalkirchweih:

Sie war Teil der Stiftung und wurde seit der Stiftungsgründung 1360 jährlich am Peter- und Pauls-Tag, dem 29. Juni, ausgerichtet.

Es erfolgte dabei die Ausgabe von Hirsebrei und Milch an die Bevölkerung auf Kosten der Stiftung.

Daher bekam Gerlach von Hohenlohe innerörtlich auch den Beinamen „Breigraf“.

In der Preußenzeit (1792 – 1806) wurde die Hirschbreikerwa auf Betreiben des preußischen Sekretärs Lackhardt abgeschafft und letztmals 1796 durchgeführt.

Ab 1946 in der Hungerzeit nach dem Zweiten Weltkrieg gab es wieder Hirsebrei. Dies erfolgte bis in die 1950er Jahre.

Seit dem Jahre 1981 wird die Spitalkirchweih auf Betreiben des damaligen Spitalpfarrers Eckhard Reichelt als Gemeindefest ausgerichtet. Anstatt Hirsebrei wird zum Mittagessen Gulasch gereicht, welches in der Küche des Gerlach-von-Hohenlohe-Stifts zubereitet wird. Die Stadt Uffenheim beteiligt sich als Träger der Hospitalstiftung an den Unkosten. Bürgermeister und evangelischer Dekan übernehmen die Verteilung aus der Gulaschkanone.

Die Stiftung gehört noch immer der Stadt Uffenheim, die auch die Verwaltung  ausübt. Die Stiftungsaufsicht liegt beim Landratsamt.

Der Besitz umfasst derzeit (2018) 70 ha Wald, 15 ha landwirtschaftliche Flächen, Grundstücke, Rücklagen und Wohnhäuser in Uffenheim.

Die Grundstücke konnten ursprünglich nur getauscht, nicht aber verkauft werden. Nach neuerem Stiftungsrecht ist zwar ein Verkauf grundsätzlich möglich, aber an strenge Auflagen gebunden. Der Erlös muss für Stiftungszwecke verwendet werden und bei einem Verkaufserlös, welcher den Schätzpreis unterschreiten würde, müsste die Stadt Uffenheim die Differenz einschießen.

Zu den Einnahmen der Stiftung zählen auch ¾ der Klingelbeuteleinlagen in der Spitalkirche.  Das restliche Viertel erhält die evangelische Kirchengemeinde.

 

 

Zeittafel:

1360

Errichtung durch den Edelfreien Gerlach von Hohenlohe und seine Frau Margarethe als capella im Rahmen der Hohenlohe-Stiftung. Die Stiftung beinhaltete auch eine ewige Caplanei (Pfründe für einen Kaplan) und eine Messe (Erste Messpfründe = ein gestifteter Geldbetrag zur Lesung von Messen der gleichzeitig dem Unterhalt des Geistlichen dient).

1391 und 1402

In der Kirche befinden sich neben dem Hochaltar noch zwei Seitenaltäre, ein Marienaltar („Unsere lieben Frauen“) wird 1391 und ein Jakobsaltar wird 1402 im Zusammenhang mit einer zweiten Messpfründe erwähnt.

1504

Markgraf Friedrich d. Ä. (1486 – 1515) stiftet mit dem Ratsgremium eine Messe zum Marienaltar. (dritte Messpfründe)

1528

Mit Einführung der Reformation 1528 durch Markgraf Georg den Frommen (reg. 1515 – 1543) wurde auch der Spitalpfarrer evangelisch. Die markgräflichen Untertanen mussten sich zum evangelischen Glauben bekennen - cuius regio eius religio -

Gläubige, die nicht mit dem Bekenntnis des Landesherrn einverstanden waren, wurden des Landes verwiesen.

1554

Einrichtung einer Dekanatsstelle in Uffenheim

1610 

Kanzel von Georg Brenck d. Ä.

1661

Die Orgel wird repariert. Wann diese angeschafft wurde ist nicht bekannt.

1691            

Die beiden „dem Einsturz nahen Thürmchen“ werden abgebrochen und ein neuer Dachreiter aufgesetzt.

3 weltliche Vorgebäude werden erstellt;

Südseite:  Zinngießer Gerlach

Giebelseite  links:     Zeugmacher Holzmann

Giebelseite rechts: Strumpfwirker Weinreich

1704

Renovierung des Hospitalgebäudes

1710/11    

Umgestaltung der Spitalkirche:

- Entfernung des gotischen Chorbogens

- Einbau neuerer und größerer barocker Fenster

- Barockportale Süd- und Nordseite

- Barockisierung des Innenraumes

- Einbau umlaufender Emporen

Renovierung von Pfarrhaus, Spitalgebäude und Scheunen.

1720          

Barockaltar und Orgelprospekt (wahrscheinlich aus Wilhermsdorf)

1722

Innen- und Außeninstandsetzung – die Kanzel wird umgestellt

1723

Die zwei Glocken werden umgegossen.

1726

Die Grabplatte Ludwigs II. von Hohenlohe und weitere Grabplatten  werden in die Spitalkirche verbracht.

1738

„In den vormaligen Stallungen und dem Hospitalgebäude werden drei Knabenschulen mit Inbegriff der Rektoratsklasse, und aus den Pfründner- und Dienstbotenwohnungen drei geräumige Lehrerwohnungen, dazu mit einer gemeinschaftlichen Waschküche eingerichtet respektive hierher verlegt.“

-          Auszug aus J. A. Bullnheimer, Geschichte von Uffenheim, Kap. 19

Es handelte sich hierbei um die Verlegung der im Jahre 1741 abgebrochenen alten Lateinschule vom Vorplatz der Stadtkirche.

1750

Neue Turmfahne nebst vergoldetem Knopf wird angebracht

1796

Ende der Hirsebreikirchweih

1814 

Neugestaltung des Altares

1870 

Umfangreiche Renovierungen

1879             

Die zwei Vorgebäude an der Giebelseite (Handwerkerhäuser: Zeugmacher Holzmann, Strumpfwirker Weinreich) werden abgebrochen.

1881/82      

Vorbau des neuromanischen Turms mit seinem neugotischen Oberteil sowie der Stirnfassade. Pläne Baurat Simon/Ansbach, Maurerarbeiten Georg Andreas Reingruber/Uffenheim.

Bedingt durch Moorschichten war eine zusätzliche Fundamentgründung erforderlich. Die Gesamtkosten beliefen sich hierfür auf 12.528 Mark. Für Reparaturen im Innenraum wurden zusätzlich 3.677 Mark ausgegeben.

1888

Das Gebäude des Zinngießers Gerlach auf der Südseite wird abgebrochen.

1901

Ein eiserner Glockenstuhl wird angeschafft

1912          

Einbau Steinmeyer-Orgel (Oettingen) mit 13 Registern

1931

Verbringung weiterer Epitaphien von der Friedhofmauer in die Spitalkirche, um sie vor weiterer Verwitterung zu schützen. Sie  waren um 1730 nach Abbruch der Johanniskirche an die Friedhofsmauer verbracht  worden.

1934 

Große Renovierung

- Abschlagen des Außen- und Innenputzes wegen Feuchtigkeit

- Erneuerung des Außen- und Innenputzes

- Trockenlegung des Gestühls

1942         

Eine der beiden Glocken wird für Kriegszwecke abgenommen

1945

In den Tagen des 10. – 12. April 1945 werden Dach und Fenster der Spitalkirche durch einschlagende Granaten nur leicht beschädigt.

Dem beherzten Eingreifen von Herrn Karl Pfahler ist zu verdanken, dass die eingeschlagenen Phosphorgranaten keinen Brand der Kirche auslösten. Er konnte diese Granaten noch rechtzeitig in eigens dafür vorgesehenen Sandeimern ersticken. 

1946

Als Ersatz für die 1942 abgenommene Glocke wird die Glocke vom Ansbacher Torturm in den Glockenstuhl der Spitalkirche eingebracht.

1968

Abschluss einer gründlichen Innenraumrenovierung unter Dekan Max Tratz.

- Feuchtigkeitsabdichtung des Fussbodens durch eine Betonplatte

- Renovierung der Sitzbänke mit Neuanstrich und Einbau der Sitzheizungen

- Neuanstrich der Empore

- Verlegung eines neuen Teppichbodens

- Neuanstrich der Innenwände

- Restaurierung des Altars

- Austausch der Liedertafeln

1977

Außenrenovierung und Errichtung eines neuen, 2 Meter hohen, Turmkreuzes durch Spenglermeister Rudolf Göller.

1981

Einrichtung der Spitalkirchweih als Gemeindefest unter Spitalpfarrer Eckhard Reichelt.

2019

Der alte hölzerne Glockenstuhl wird durch eine Neukonstruktion ersetzt. Diese Arbeiten werden durch die „Fachfirma Dürr GmbH & Co. KG“ in Rothenburg ob der Tauber vorgenommen. Die nötigen Blecharbeiten werden durch die Firma „Göller Heizung Sanitär Bauspenglerei GmbH“ in Uffenheim ausgeführt.

 

 

 

Kirchenbau:

Die Spitalkirche ist eine einschiffige Kirche mit abgesetztem Polygonchor und neoromanischer/neogotischer Westfassade mit Dachreiter.

Das 6-achsiges Langhaus hat mit dem Chor eine gemeinsam verputzte Flachdecke. An den Wänden des Langhauses und im Chor finden sich barocke Rundbogenfenster mit stichbogigen Gewänden.

Die Höhe des 1881/82 vorgebauten neuromanischen Turmes beträgt bis zur Oberkante Spitze (aber ohne Kreuz) 27,15 m.

 

Innenausstattung:

Eingang

Rechts und links sind die Emporen-Aufgänge geschmückt mit lebensgroßen Gemälden der Evangelisten nach Dürer. Sie wurden angefertigt von dem Baumeister, Architekten und Maler Georg Eberlein (*1819  +1884), der zwanzig Jahre als Professor an der Kunstgewebeschule Nürnberg wirkte.

Zwei Ölgemälde des Uffenheimer Malers Hugo Gatscher (*16.05.1921  +26.06.2009) zeigen die ehemals  vorgebauten Häuser.

Die ursprünglich bis 1724 in der Stadtpfarrkirche aufgestellten Epitaphien  sind wie folgt im Vorraum von links (im Norden) nach rechts (im Süden) angeordnet:

•     Rittergrabstein aus der Zeit um 1500; eine ehemalige Tumbaplatte mit dem Wappen Seckendorff oben rechts (vermutl. Wappen der Mutter der Verstorbenen)

•   Wappenstein Georg Christoph von Auerbach gest. 1674 zu Wallmersbach

•     Ganzfigurenrelief mit Wappen 16. – 17. Jahrhundert (vermutlich Anna von Seckendorff)

•      Georg Mulfinger 1573 – 1627, Gerber und Ratsherr zu Uffenheim,

           Ganzfigurenrelief Sandstein

•      Gustav Gustavson, Kind des schwed. Feldmarschalls Gustav Horn auf            Kancka, geb. u. gest. 1648 in Kulmbach, begraben 1649 in Uffenheim

•      Ganzfigurenrelief einer Frau, erste Hälfte 17. Jahrhundert

 

Apsis

Die asymmetrische Gestaltung der Decke weist auf die mittelalterliche Vorstellung hin, dass sich der Mensch nicht an der Vollkommenheit Gottes messen solle.

 

Altar

Der barocke Altar von ca. 1720 stammt wahrscheinlich aus Wilhermsdorf.

Über dem spätmittelalterlichen Altartisch befindet sich der barocke Aufbau.

Im Bildfeld befindet sich ein geschnitztes, gefasstes Kruzifix vor gemalter Landschaft. Seitlich zwischen den Säulen symbolisieren die  Standfiguren von Moses (links)  das „Alte Testament“ und Johannes der Täufer (rechts) das „Neue Testament“.

In der Predella stellt ein  Relief die Geburt Christi dar.

In der Wolkenbandkrone des Aufsatzes steht eine geschnitzte und gefasste Figur des Auferstandenen mit der Siegesfahne. Obenauf thront die Figur des in den Himmel fahrenden Erlösers im Strahlenkranz.

In der Vertikalen ist somit die gesamte Aussage des Evangeliums enthalten.

 

Sakramentsnische

In der nördlichen Chorwand befindet sich eine Sakramentsnische aus dem späten Mittelalter. Das Gitter stammt von Franz Schwerin (ehemaliger Lehrer für Kunsterziehung an der Christian-von-Bomhard-Schule). Sie dient heute der Aufbewahrung liturgischer Geräte. Früher erhielt man angeblich durch Auflegen der Hand dort Kirchenasyl.

 

Epitaph mit dem Bild Ludwigs von Hohenlohe

Die Darstellung zeigt Ludwig II. von Hohenlohe, einen Bruder des Gerlach von Hohenlohe, als Probst zu St. Stephan in Bamberg. Das Epitaph war ursprünglich in der Stadtkirche St. Johannis und wurde nach hier verbracht.

Die umlaufende Schrift lautet:

„Ludwig von Hohenlohe, ein Sohn Ludwigs von Hohenlohe (= der Vater, genannt Ludwig der Reiche), mütterlicher Abkunft von Nassau. Erbarme Dich meiner, oh Gott, nach Deiner Barmherzigkeit“

 

 

Das Werk wird dem sogenannten Wolfskeelmeister zugeschrieben.

Wolfskeelmeister“ ist ein Notname. Von ihm stammt auch das im Dom zu Würzburg stehende Denkmal des Bischofs Otto II. von Wolfskeel. Auch das im Bamberger Dom befindliche Bildnis des Bischofs Friedrich von Hohenlohe-Wernsberg wird dem Wolfskeelmeister zugeschrieben. Der eigentliche Name des Künstlers ist nicht überliefert.

 

Kanzel

Sie stammt aus dem Jahre 1610, also aus der Renaissance datiert und signiert von Georg Brenk dem Älteren aus Windsheim.

Die fünf Brüstungsseiten tragen gefasste Statuetten der vier Evangelisten mit ihren Attributen und des Erlösers (Christus Salvator mundi - Christus Erlöser der Welt), sowie Engelskopfappliken.

An der Unterseite des Schalldeckels findet sich die Taube des Heiligen Geistes. Die Volutenkrone trägt Statuetten von Gottvater und von Engeln.

Die Treppenbrüstung stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Sie ist aus gebeiztem Holz und mit geschnitzten Fruchtgehängen verziert, die  teilvergoldet und gefasst sind.

 

Umlaufender Text am Sockelfries

„Jesaja VIII, Ja, nach dem Gesetz und Zeugnis. Werden sie das nicht sagen, so werden sie die Morgenröte nicht haben.“

Es handelt sich hier um Jesaja VIII, Vers 20.

Diese Umschrift weist hin auf die Bedeutung der Verkündigung des Wortes Gottes im evangelischen Gottesdienst. Auf der Spitalkanzel in Bad Windsheim steht der gleiche Spruch.

 

Taufstein

Er trägt die Jahreszahl 1588. Er stammt ursprünglich aus dem Bestand des Gollachgaumuseums. Seine Herkunft ist  vermutlich Gnodstadt.

 

 

Innenansicht Altarseite:

 

Orgel:

Die Steinmeyer-Orgel aus Oettingen mit 13 Registern wurde 1912 eingebaut.

Der siebenteilige und fünftürmige Orgelprospekt mit Engelskopfkonsolen und seitlichen Blendflügeln zeigt die bildliche Darstellung des Psalms 150, dem großen Gotteslob.

Lobet Gott in seinem Heiligtum,

lobet ihn mit Posaunen,

lobet ihn mit Psalter und Harfen!

Lobet ihn mit Pauken und Reigen,

lobet ihn mit Saiten und Pfeifen!

Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!

Halleluja!

Die im Text unterstrichenen Instrumente und das Halleluja finden sich in den Aufsatzfiguren und dem zentralen Schriftzug wieder.

Die Psalter (veraltet für Psalmen) werden durch die Schriftrolle und das Buch symbolisiert, welche die linke Männerfigur in Händen hält.

Bei der rechten Gegenfigur mit Harfe handelt  es sich um den oft mit einer Krone dargestellten König David.

Die „Saiten“ werden in Form von Laute (links) und Geige (rechts) spielenden Engeln gezeigt, über denen zwei weitere Engel mit Posaunen thronen.

Die bemalten Prospektpfeifen sind keine klingenden Pfeifen sondern Holzimitate.

Der Orgelprospekt und Altar von ca. 1720 dürften vom gleichen Künstler stammen.

Innenansicht Orgelseite:

 

 

Die Glocken:

Obere Glocke:

An die Stelle der im 1. Weltkrieg abgenommenen kleinen Glocke trat 1920 eine Ersatzglocke mit einem feinen, aber ziemlich schwachen Klang (lt. S. Frühwald). Sie trägt keinerlei Inschrift und wurde von der Glockengießerei Gg. Wolfart in Lauingen an der Donau „als gebrauchte Glocke aus 135 Kilogramm bester alter Bronze“ geliefert und kostete „mit Anpassen der Armatur und Erneuerung der Hangschrauben, Verbesserung des Läutarms“ 4.880,00 Mark. Diese Glocke hängt auch heute noch auf dem Turm. Laut Gutachten stammt sie noch aus dem 15. Jahrhundert und befindet sich noch in einem erstaunlich guten Zustand. Sie hat einen Durchmesser von 512 mm und einen Nominalton von G“ +5HS.

Untere Glocke:

Die für Kriegszwecke im 2. Weltkrieg abgenommene große Glocke wurde bereits 1946 durch die Turmglocke des Ansbacher Tores ersetzt.

Beschreibung:

Die vier tragenden Kronenbügel sind an der Vorderseite gerippt. Auf der Glockenhaube befinden sich drei Stege, auf dem Übergang zur Schulter zwei Engelsköpfe und eine Rosette. Die Glockenschulter zeigt ein Friesband aus Akanthusvoluten, getrennt durch Palmetten mit der Inschrift „Gos mich Nicolaus und Claudi Arnoldt von Dinkelsbühl Anno 1747“ in reich verzierter Schrift. Darunter erkennt man eine Strichpunktreihe und ein Fries aus hängenden Kreuzblumen, Lilien und Knospen, verbunden durch Bögen und Ranken. Die  Flanke der Glocke ist von vier Engelsköpfen über jeweils einem darunter hängenden Salbeiblatt (zur Abwehr von Unwetter und Blitzschlag) geprägt. Unmittelbar über dem obersten der fünf Stege des Schlagringes sind je zwei Akanthuspalmetten und Rosetten erkennbar. Der Schlag an der Unterkante der Glocke besteht aus drei unregelmäßig angeordneten Stegen.

Laut Gutachten hat diese Glocke einen Durchmesser von 586 mm, den Nominalton e“ + 5 HS und ist ebenfalls aus Bronze gegossen.

Auf dem Ansbacher Tor hängt heute nur noch eine Attrappe aus verzinktem Blech.  

 

 

26. Jung´sches Haus

Jungsches Haus, Dammgasse 4

 

Das Haus wurde 1738 neu erbaut nach einem Entwurf aus dem markgräflichen Bauamt Ansbach vom Kastenamtsadjunkt (Adjunkt = Gehilfe eines Beamten / Kastenamt = Behörde, die die Einkünfte des Landesherrn verwaltet) Johann Gottfried Jung auf dem Standort des alten Schaffnerschen Anwesens.

Durch seine ausgewogene Putzgliederung ist dieses Haus eines der prägnantesten Beispiele für die Ansbacher Bauweise der Spätzeit. 

Bei dem zweigeschossigen, massiven Walmdachhaus zeigen sich breite genutete Ecklisenen bei gut proportionierter Putzfelderung. Im Dachgeschoss befinden sich Walmdachgauben. Gegen die Schmiedsgasse zeigt sich eine entsprechend gegliederte Hofmauer mit von Pylonen gerahmter Einfahrt.

Der Hauseingang auf der Hofseite trägt die Portalinschrift „Johann Gottfried Jung“.

Das Haus hat nach dem Privileg von 1737 (die Baugnade wurde 1731 gewährt) 20 Freijahre (das bedeutete 20 Jahre keine Tilgung der aufgenommenen Kreditsumme und Steuerfreiheit). Diese Freijahre endeten de facto erst 1759.

Das Haus wird dann dem Sohn des Erbauers, dem späteren Justizdirektor Konrad Christoph Jung vererbt.

1823 übernimmt es der Kaufmann Christoph Friedrich Grieninger von seiner verwitweten Schwiegermutter Sophie Michel.

Bis 1928 verblieb das Haus im Besitz der Familie Grieninger. Dann kauften es Dr. Leonhard Krämer und seine Ehefrau Bertha. Anschließend ging der Besitz auf seinen Sohn Dr. Friedrich Krämer über, dem dann Wolfgang Barz folgte.

Somit wird in dem Haus seit 1928 durchgehend eine Arztpraxis betrieben. 

 

 

 

 

27. Alte Sparkasse

Alte Sparkasse, Friedrich-Ebert-Straße 18

                  

Das vom ehemaligen Uffenheimer Kammerrat und Amtskastner Georg Ludwig Greiner erbaute Gebäude stammt aus der ersten Hälfte 18. Jahrhunderts und wurde zum Teil auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus errichtet.

Im Jahre 1743 kam es durch ein Tauschgeschäft in markgräflichen Besitz, wurde 1744 mit einem Aufwand von 1.181 fl renoviert und diente im Anschluss als Dienstwohnung für den Oberamtmann.

Es handelt sich um ein sehr stattliches dreigeschossiges Eckhaus mit Walm-Mansard-Dach. Die Fachwerkobergeschosse waren ursprünglich, wie im Barock üblich, verputzt. Das Fachwerk wurde 1930 freigelegt, um schließlich 1994 doch wieder verputzt zu werden. Zur Friedrich-Ebert-Straße hin ragt ein Balkon aus der Fassade, der auf drei mit Voluten geschmückten Konsolen ruht (Volute ist eine schneckenförmige, künstlerische Ornamentik in der Architektur).

In der „Alten Sparkasse“ befinden sich unter abgehängten Decken alte Stuckdecken, bemalte Decken mit freier- und Schablonenmalerei. Zwei aus diesem Haus stammende, restaurierte farbige Stuckmedaillons mit den Darstellungen eines Fasans und einer Wildente befinden sich im Gollachgaumuseum.                            

Die „Alte Sparkasse“, das ehemalige „Markgräfliche Amtshaus“, wurde vom  Kastner und späteren Justizdirektor Konrad Christoph Jung (Junior) 1778 von der Markgrafschaft gekauft.

Ein „Kastner“ wurde für einen Amtsbezirk bestellt, wo er mit der Aufsicht und Verwaltung des herrschaftlichen Kammerguts beauftragt war. Dies betraf zunächst den „Kasten“, also den Speicher, wo die Naturalabgaben der Untertanen zusammenflossen (zum Beispiel Getreide, Grieß, Mehlsorten, Kleie, Salz). Dem Kastner oblagen somit die sachgerechte Lagerung der Naturalien, die Qualitätssicherung, aber auch die Überwachung der Arbeitsleistungen der Untertanen bis hin zur Bestimmung des Brotpreises.

Da sich aus den Naturalabgaben die Steuern entwickelten, wurde Kastner zu einer Bezeichnung für den Aufseher über alle Einkünfte eines Grundherrn, also für einen Rentmeister.

Das Haus verblieb bis 1847 im Besitz der Familie Jung bis es der Rittergutsbesitzer und Kreditkasseninhaber Johann Georg Krämer aus Wallmersbach erwarb. Er hatte sein Handwerk nach den napoleonischen Kriegen im Hause Rothschild in Frankfurt erlernt und gründete im Jahre 1855 die „Krämersche Kreditkasse und Wechselbank“. Er war seit 1837 mit der Urenkelin des obengenannten Konrad Christoph Jung, Maria Dorothea Luz aus Uffenheim, verheiratet.

Anschließend wurde das Haus von seinen Söhnen, Richard Krämer (er war von 1897 bis zu seinem Tod am 05.08.1899 auch Bürgermeister von Uffenheim) und Otmar Krämer, beide Bankiers, übernommen.

Die im Laufe der 1890er Jahre einsetzende ungeheure Bautätigkeit der rasant wachsenden Großstädte hatte das Bankhaus Krämer dazu veranlasst, an der Peripherie von München Bauerwartungsland aufzukaufen, um es später zu parzellieren und mit hohem Gewinn als Bauplätze zu verkaufen. Abgestoßen wurde immer nur so viel Land wie zur laufenden Solvenz nötig war.

Der Ausbruch des russisch-japanischen Krieges im Jahre 1904 löste eine weltweite Schockwirkung aus, die zu einer – wenn auch nur kurzfristigen und vorübergehenden – Stagnation der deutschen Konjunktur führte. Die bisher lebhafte Nachfrage nach Baugelände brach ein und es kam zu einem rapiden Preisverfall der Grundstücke. Die durch die Alarmnachrichten der Presse nervös gewordenen Anleger begannen anfangs nur vereinzelt ihre Gelder abzuziehen. Als sich jedoch in Uffenheim das Gerücht verbreitete, die Bank habe sich derart verspekuliert, dass sie bereits ihre Depots angegriffen habe und zahlungsunfähig sei, führte dies zu einem massenhaften Abzug der Kundeneinlagen und in der Folge zur faktischen Insolvenz der Bank. Wie sich später herausstellte, waren keine Depots angegriffen worden und das Bankhaus fiel nur der allgemeinen Hysterie zum Opfer. Die Ansprüche der Anleger konnten letztlich mit den Erlösen aus Versteigerungen und dem Verkauf des bankeigenen Grundbesitzes (u.a. Gut Aspachhof) und dem Einsatz privater Mittel vollständig befriedigt werden.

1906 kauft die Stadtgemeinde Uffenheim als Inhaberin der Städtischen Sparkasse Uffenheim das Anwesen.

 

Berühmte Gäste des Hauses:

 

Uffenheim war 1791 preußisch geworden, Landesherr war nun König Friedrich Wilhelm II., ab 1797 sein Sohn König  Friedrich Wilhelm III.

In die Ära des letzteren fielen die Napoleonischen Kriege. In der Schlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806 ging diese preußische Herrschaft über Uffenheim unter.

Am Freitag, dem 13. Juni 1792 besuchte der preußische König Friedrich Wilhelm II. sein neues Herrschaftsgebiet und hielt Einzug in Uffenheim.

Vom Balkon des Hauses Nr. 18 nahm er die Huldigung der Uffenheimer zusammen mit seinem Minister Karl August Freiherr von Hardenberg entgegen. Unter beständigem Rufen, mit dem Donner von Böllern und dem Erschallen von Pauken und Trompeten riefen die in großer Anzahl gekommenen Uffenheimer: „Es lebe der König“.

Anschließend folgte dann die eigentliche Attraktion: Dem 21-jährigen Kronprinzen, wurde die von Johann Georg Schuster gebaute Rechenmaschine Schuster I vorgeführt. Dies war eine Rechenmaschine, welche die vier Grundrechnungsarten bis in den 12-stelligen Bereich beherrschte. Die Erfindung (Entwurf) stammte von seinem Schwager, dem Pfarrer Philipp Matthäus Hahn (siehe Uffenheimer Bilderbogen I Abb. 7).

Schuster, ein Bauernsohn aus Westheim an der Frankenhöhe, war seiner Zeit voraus und hatte nach den Anfängen in Westheim sich mit seiner Familie in Uffenheim angesiedelt. Diese Rechenmaschine fertigte er hier, wie der Aufschrift zu entnehmen ist: „...angefangen 1789, vollendet 1792 in Uffenheim“. Diese Rechenmaschine befindet sich heute im Deutschen Museum in München.

Zwei Jahre später ernennt ihn die Ansbacher Uhrmacherzunft zum Meister. Dort fertigte er zwei weitere Rechenmaschinen, die Schuster II, die 1820 fertiggestellt wurde und die Schuster III.

Letztere wurde 1993 für 7.707.500 £ bei Christie´s in London versteigert. Sie ging an das Forschungsinstitut für Diskrete Mathematik in Bonn, wurde restauriert und kann nun der Öffentlichkeit präsentiert werden.

 

Im Jahre 1805 residierte Marschall Jean-Baptiste Graf Bernadotte (1764-1844), der spätere schwedische König, im Auftrag seines französischen Kaisers in diesem Haus. Er hielt am Schellenberg an der Nordseite des Hochholzes eine Manöverschau mit zwei Kürassierregimentern (Kürassier: ein mit Brustpanzern ausgestattete schwerer Kavallerist). Marschall Bernadotte erfreute sich mit seiner leutseligen Art in Uffenheim großer Beliebtheit.

Ab 1818 bis 1844 war Graf Bernadotte dann als Karl XIV. Johann König von Norwegen und Schweden. Karl XIII., der letzte der Dynastie Holstein-Gottdorf, hatte keine überlebenden Kinder und adoptierte den Grafen Bernadotte 1810.

Nachdem sein Adoptivvater erkrankt war, führte Graf Bernadotte bereits ab 1811 die Amtsgeschäfte und wurde nach dem Tode Karl XIII. im Jahre 1818 somit zum ersten Vertreter der noch heute in Schweden amtierenden Königsfamilie Bernadotte.

 

 

28. Ansbacher Tor

Ansbacher Tor

 

Ein Baujahr des Turmes lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Ein Schwellbalken im obersten Turmgeschoss wurde dendrochronologisch auf das Jahr 1488 (+/-2 Jahre) datiert. Die darin noch sichtbaren Zapfenlöcher und schrägen Ausblattungen lassen den Schluss zu, dass dieses Geschoss ursprünglich aus einer Fachwerkkonstruktion bestand. Darunter befand sich ein kreuzgewölbter Raum, dessen Eckauflager („Dienste“) noch sichtbar sind.

Mit „Dienst“ wird im Zusammenhang mit der romanischen und insbesondere der gotischen Architektur eine vergleichsweise schlanke Viertel-, Halb- oder Dreiviertelsäule bezeichnet, die einem Pfeiler oder einer Wand scheinbar vorgelagert ist.

Im Tordurchgang sind noch die gotischen Bögen der Bauzeit sowie Angelsteine für die Toraufhängung zu sehen. An der Außenseite befindet sich ein Rundbogen unter  der „Eckbarbakane“, die um das Jahr 1600 erstellt worden ist.

Barbakane“ ist ein dem Tor einer spätmittelalterlichen bzw. renaissancezeitlichen Stadtmauer vorgelagertes Verteidigungswerk. Die in klassischer Baumanier meist runde Bauform diente als Kanonenbastion ohne Vorzugsrichtung für das Richten der dort frei aufgestellten Kanonen. Damit waren die Flanken einsehbar und auch bestreichbar.

Das bedeutet, dass diese Bastion ehemals oben offen war und das heutige Fachwerkgeschoss erst in der Barockzeit aufgesetzt wurde.

Das Mauerwerk der Turmecken besteht aus Schilfsandstein, die Buckelquader sind typisch spätmittelalterlich. Ansonsten ist das Muschelkalkmauerwerk verputzt. Die Stabilität wird durch Zugstangen (überkreuzte Maueranker) und verzahnte Steine erhöht.

 

1746/47 erfolgte der Ausbau des Obergeschosses im Turm.

Die Turmhöhe bis zur Kugel beträgt 32,50 m. Der Turm ist nicht öffentlich begehbar. Die Dachgauben für die zwei früheren Turmuhren wurden 1970 entfernt. Die Glocke wurde bereits 1946 auf den Turm der Spitalkirche verbracht, wo sie sich noch heute befindet. Die Glocke auf dem Ansbacher Tor wurde durch eine  nicht funktionsfähige Attrappe aus verzinktem Blech ersetzt.

 

 

Der stadteinwärts linksseitige Anbau stammt von 1732.

Er wurde als „Spitalscaserne“ für Invaliden und in preußischer Zeit von 1792 – 1806 als Husarenkaserne genutzt. Ab 1834 diente er als Stadtkrankenhaus, später wohl auch als Armenhaus.

Vorher stand an gleicher Stelle, nach den Mauerresten zu schließen, ein Zwinger, um Kanonen aufstellen zu können. Der „Zwinger“ reichte bis zum Folterturm.

Ein „Zwinger“ ist ein zwischen zwei Wehrmauern gelegenes offenes Areal, das der Verteidigung dient. Zwingeranlagen wurden im Mittelalter und in der frühen Neuzeit als Verstärkung von Stadtmauern errichtet.

Hinter der jetzt zugemauerten Türe in der Tordurchfahrt befanden sich früher die Geschäftsräume folgender Firmen in chronologischer Reihenfolge:

Ø Glas- und Porzellanwaren der Baaderswitwe Marie Fetzer

Ø Zahnatelier des Baaders Wilhelm Lackner (1901 - ?)

Ø Fa. Cröner Rothenburg (? – 15.12.1924) vermutlich Elektrogeschäft

Ø Elektrogeschäft der Familie Schäfer(Demski) ab 15.12.1924 –  1952

Ø Bekleidungsgeschäft und später Reinigung der Fam. Hopf

Heute beherbergt der Turm die Vereinsräume des „Landesbundes für Vogelschutz“.

 

 

Die „Growagärtli“ und der „Eselgraben“: Heute Karl-Arnold-Straße

 

Vom Folterturm im Südosten von Uffenheim bis etwa zur heutigen Luitpoldstraße verlief entlang der Stadtmauer der wassergefüllte Stadtgraben, der im Bereich vom Folterturm bis zum Ansbacher Tor noch erkennbar ist.

Der Graben konnte nur über eine Zugbrücke am Tor überquert werden, die bei Bedarf geschlossen werden konnte.

Obwohl der Graben durch den Zufluss über den „Metzgersbach“ mit frischem Wasser gespeist wurde, überzog sich dieses durch das lange Stillstehen in den Sommermonaten mit Algen und der Graben wurde morastig. Der Abfluss in Richtung Gollach wurde nicht umsonst der „Moorenbach“ genannt. Die geringe Strömung führte zudem zu einer enormen Geruchsbelästigung. Schon 1481 ist in einem Bewilligungsschreiben des MG Albrecht Achilles zu lesen, „dass Bürgermeister und Rath die Mittel dafür zu verwenden hatten, die vermoosten Gräben um die Stadt wieder anzurichten und mit Fischen zu besetzen“.

Im Jahre 1742 wurde der Stadtgraben zugeschüttet und auf dem gewonnenen Gelände wurden Gärten angelegt: Die „Growagärtli“ (Grabengärtchen).

Für den Wasserablauf zum Moorenbach wurde jedoch ein vorhandener weiterer Wasserlauf belassen. Dieser Mühlbach führte zur Grabenmühle und zweigte bei der Südseite des heutigen Kolbudyplatzes ab. Er wurde erst während des Turnhallenbaues 1911/12 verrohrt und zugeschüttet.

Schon von alters her führte vom Ansbacher Tor zur „Grabenmühle“  ein Eselsweg an besagtem Mühlbach entlang, um die Getreide- und Mehlsäcke zu transportieren.

Diese ursprüngliche Getreidemühle, spätere Lohmühle (Herstellung pflanzlicher Gerbmittel), wurde wohl um 1870 aufgegeben. Sie stand im Kreuzungsbereich der Luitpoldstraße mit der B 13.

Nach dem Ausbau der „Growagärtli“ zur Straße  wurde diese „Grabengartenstraße“ mit Stadtratsbeschluss vom 07.02.1930 nach dem 1853 in Uffenheim geborenen Professor der Chemie Dr. Karl Arnold umbenannt. Er war der Sohn eines Uffenheimer Apothekers.

 

 

 

29. Zollhaus

Zollhaus am Ansbacher Tor, Ansbacher Straße 22

 

Es wurde als eines von zwei Zollhäusern im Jahre 1719 erbaut, worauf die Inschrift Johannes Ludovicus Fleischmann 1719 den 31.May“ im Türstock hindeutet.

Das zweite Zollhaus im Bereich der westlichen Ringstraße vor dem Hartungshof  wurde in den 1960er Jahren im Rahmen der Straßenerweiterung beseitigt.

Es handelt sich um einen zweigeschossigen Fachwerkbau mit massivem Erdgeschoss und Walmdach, der ursprünglich zur Hälfte über einer steinernen Bogenbrücke errichtet war. Am Zollhaus stand auch ein Schlagbaum.

Die Erhebung von Pflasterzoll ist von 1719 bis 1923 nachgewiesen!!

Als im Jahre 2012 die Brücke über den Metzgersbach erneuert wurde, musste auch das Zollhaus weichen. Dazu musste das Obergeschoss mit Dach im Ganzen abgehoben und am Schießhausplatz zwischengelagert werden. Das Erdgeschoss wurde um ¾ Meter nach Osten verschoben (also stadtauswärts) und unter Verwendung des originalen Türsturzes neu errichtet. Schließlich wurde das Obergeschoss mit Dach wieder aufgesetzt. Grund für die Verschiebung war u.a. die Verbreiterung des Weges entlang des Metzgersbaches, der unter dem Zollhaus durchfließt.

Er hat seinen Namen möglicherweise von den früheren Eigentümern von Hs. Nr. 67 (zwischen Ansbacher Tor und Zollhaus), die über viele Generationen dem Beruf eines Metzgers nachgingen.

Das Untertauchen unredlicher Metzger und Bäcker in diesem Bach ist legendenhaft. Wahrscheinlich war lediglich eine Staustelle zum Auswaschen von Tierhäuten vorhanden.

            

 

 

 

 

 

 

„Brücken- und Pflasterzoll-Ordnung

der Stadtgemeinde Uffenheim“

Abteilung I

Bestimmungen über die Zollpflichtigkeit und der einzelnen Tarifsätze.

Von allen das städtische Pflaster oder die städtische Brücke passierenden Tieren und Fuhrwerken ist der Brücken – und Pflasterzoll nach folgenden Tarifsätzen zu entrichten:

                                 1 Kr. Von einem Pferd oder Stück Rindvieh

                                 ½ Kr. Von einem Schaf oder Triebschwein

                                 4 Kr. Von einem zweispännigen Wagen

                                 6 Kr. Von einem dreispännigen Wagen

                                 8 Kr. Von einem vierspännigen Wagen

                               12 Kr. Von einem sechsspännigen Wagen

                                 3 Kr. Von einer einspännigen Chaise oder Reisewägelein

                                 4 Kr. Von einer zweispännigen Chaise oder Reisewägelein.

 

Fremde Fuhrwerke jeder Art sind beim Auspassieren aus der Stadt von der Bezahlung des Pflastergeldes frei, wenn diese Ausfahrt am Tage ihrer Hieherkunft oder am anderen Tage darauf erfolgt. Das später ausfahrende Fuhrwerk ist pflasterzollpflichtig.

Hinweis:

Als bayerische Leitwährung diente zu dieser Zeit der Gulden.

1 Gulden entsprach 60 Kreuzern und 1 Kreuzer 12 Hellern.

Der Wochenlohn eines Baumwoll- und Leinwebers lag in der Mitte des 19. Jahrhunderts bei 3 Gulden und 41 Kreuzern, während die durchschnittlichen  wöchentlichen Lebenshaltungskosten eines Fünfpersonenhaushaltes bei 6 Gulden und 10 Kreuzern lagen. Zum Lebensunterhalt mussten also auch die anderen Familienmitglieder beitragen.

3 Schwarzbrote kosteten damals 36 Kreuzer und 1 Liter Bier war für 5 Kreuzer zu haben.

Die Tarife für den Uffenheimer Pflasterzoll waren vor diesem Hintergrund also verhältnismäßig günstig.

 

 

Abteilung II

Bestimmungen über Zollbefreiungen

Von der Entrichtung eines Pflasterzolles sind befreit:

1.              Die zur k. Hofhaltung oder zu Staatszwecken dienenden Transporte und Fuhrwerke                              

2.              Die Fuhrwerke der Staats- und Gemeindebeamten, der Ärzte und        Geistlichen,       wenn dieselben in dienstlichen Geschäften reisen.

3.              Die Post- und Eilwägen, einschl. der im Auftrage der k. Generaldirektion der Verkehrsanstalten übernommenen Postomnibusfuhren.

4.              Das Militär sowie diejenigen Fuhrwerke, welche zu Lieferungen für das im Amtsbezirk passierende oder in demselben kantonierende Militär dienen.

5.              Die k. Gendarmerie.

6.              Alle Fuhrwerke in polizeilichen und Communaldiensten.

7.              Die Feuerlösch- und Hilfsfuhren.

8.              Alle Fuhrwerke mit inländischen Bergwerksprodukten, einschlüssig der Fuhren mit Stein- und Braunkohlen.

9.              Die Bewohner der Gemeinde Uffenheim.

10.         Das nicht zum Handel bestimmte, insbesondere das Schlachtvieh der

hiesigen Metzger.

11.         Die Müller von ihren in die Stadt zu liefernden oder aus dieser zum

Vermahlen für hiesige Einwohner abzuholenden Getreide.

12.         Die Angehörigen der Landgemeinde Uttenhofen kgl. Bezirksamtes

Uffenheim.

Uffenheim, den 28. Dezember 1870

Stadtmagistrat

L.S.                       gez. Haas                      v.n.                                  gez. Schörk

 

Tarifsätze nach dem 1. Weltkrieg:

 

1. Von einem angespannten Pferd                                                                  -. 50 RM

    bei mehrspännigen Fuhrwerken von jedem weiter

    angespannten Pferd ein Mehrbetrag von                                                   -. 50RM

2.  Von jedem leergehenden oder gerittenen Pferd sowie

     von jedem Stück Hornvieh                                                                           -. 50 RM 

3.  Von Jungvieh und Kleinvieh als Kälber, Schafe,

     Schweine, Ziegen etc. für das Stück                                                            -. 20 RM                            

     in herdenweisen Trieb für je 10 Stück                                                        1.00 RM

4.  Von Lastkraftwagen                                                                                      4.00 RM

     Von Personenkraftwagen                                                                             2.00 RM

     Von Anhängewagen                                                                                       2.00 RM

 

Die Aufhebung des Pflasterzolls für Fuhrwerke und Kraftwagen erfolgte 1923 auf Grund eines Stadtratsbeschlusses zwecks Förderung des Fremdenverkehrs und weil die Ausgaben für die Verwaltung in keinem Verhältnis mehr zu dem geringen Erträgnis desselben standen.

Ersatzleistung für den erstgenannten Zoll ist nicht erfolgt; ein teilweiser Ersatz für den Ausfall an Kraftwagenzoll kann in der seit Jahren stattfindenden Kraftfahrzeugsteuer-Überweisung erblickt werden.

Die Erhebung des Pflasterzolls wurde um Neujahr schon seit vielen Jahren auf dem Rathaus öffentlich an den Meistbietenden versteigert.

Die Steigerer mussten den gebotenen Betrag abliefern und durften den Überschuss für ihre Dienstleistung behalten.  Dass sie eifrigst bestrebt waren, möglichst viel einzunehmen, können wir uns wohl denken.

30. Seiboldshaus und Reinhardhaus

Bürgerhäuser Ansbacher Str. 26 und 28

 

 

Die beiden Bürgerhäuser gehören zur Baugruppe der dem Ansbacher Tor vorgelagerten unteren Vorstadt. Städtebaulich von herausragender Bedeutung ist die überzeugende Lage der spätbarocken Gebäude an der Gabelung der beiden Ausfallstraßen nach Ansbach und Rothenburg.

Der Maurer und Steinhauer Johann Georg Endner hatte das Anwesen 1794 von seinem Vater übernommen und die beiden Häuser nach dem Abbruch des Vorgängergebäudes (Baujahr 1754) im Jahre 1798 neu errichtet. Seine beiden Berufe hat er hierbei  in Allegorien verewigt.

Das zweigeschossige Eckhaus (Nr. 26) in Massivbauweise mit Mansard-walmdach steht mit seiner Frontseite in der Sichtachse der Ansbacher Straße. Die Verkürzung des Gebäudes von 4 zu 5 auf 4 zu 3 Achsen erfolgte in den Jahren 2018 und 2019 zur Entschärfung der Kurvensituation auf der Staatsstraße 2419. Bei der Verkleinerung des im Besitz der Stadt befindlichen Gebäudes wurden hier drei Einzimmerwohnungen eingerichtet.

Hierbei wurden die ursprüngliche Lisenengliederung und das vormalige Gurtgesims nur noch farblich angedeutet. Lisenen sind schmale und leicht hervortretende vertikale Verstärkungen der Wand.

Die Frontseite wird von einem flachen dreigeschossigen Mittellrisalit dominiert.  Die mittlere Achse der Längsseite ist durch ein hausteingerahmtes Pilasterportal mit gerader Gesimsverdachung besonders hervorgehoben und wird von einer Supraporte mit  der Inschrift „17 Johann Georg Endner 98“ und einem Relief (Allegorie der Architektur) bekrönt.

Schon vor dem 2. Weltkrieg hatte hier die Familie Reinhard ein Lebensmittelgeschäft eingerichtet. Deren Sohn Dr. Karl Reinhard eröffnete in den Räumen ca. 1955 seine Arztpraxis. Die von seiner Witwe Ilse Reinhard begründete „Hartungshof – Dr. Karl und Ilse Reinhard Stiftung“ ist seit 1988 rechtsfähig und dient dem Zweck der Kultur- und Denkmalschutzförderung in Uffenheim.

 

Das in einer fortlaufenden Front anschließende Haus Ansbacher Str. 28 weist im Gegensatz zum Nachbargebäude noch die Originale der Ecklisene und des Gurtgesimses auf. Hier sind auch noch die beim Eckgebäude schon seit vielen  Jahren verschwundenen Putzgliederungen in Form von diglyphengerahmten (Rahmen mit 2 Rillen) Lambrequins (Darstellungen von Vorhängen) erhalten geblieben. Das zentrale Hausteinportal mit gerader Gesimsverdachung ist auch hier besonders hervorgehoben und trägt eine Allegorie (Darstellung) der Bildhauerkunst.

Hier eröffnete Konrad Seibold am 30.03.1909 seinen Betrieb. Dessen vielfältige Angebote umfassten im Laufe der Jahre bis 1964 die Bereiche Schlosserei, Fahrrad- und Nähmaschinenverkauf, Autovermietung, Reparaturen und Wasserinstallation.

31. Folterturm

Folterturm, Ansbacher Straße 14

Entgegen der Adressangabe erreicht man den Folterturm nur vom Amtsgartenweg aus.

Urkundlich sind hier keine Folterungen nachweisbar.

Der runde, ehemalige Wehrturm an der Südostecke der Stadt ist der Stadtmauer vorgelagert. Er trägt ein Kegeldach über einem auskragenden profilierten Gesims. Die Vorlagerung vor die Stadtmauer diente dazu, diese gegen die im 16. Jahrhundert aufkommenden Feuerwaffen besser verteidigen zu können.

Der Turm wurde Im 19. Jahrhundert zu Wohnzwecken ausgebaut und mit zeitgenössischen Fenstereinbauten verändert.

32. Schnellerturm

Schnellerturm, Schloßplatz 5

 

Der Schnellertrum ist das Endgebäude der südwestlichen Bastion, wahrscheinlich aus dem Ende des 15. Jahrhunderts stammend. Die obere Ebene diente zur Aufstellung von Kanonen.

Eine „Bastion“ oder „Bollwerk“, oberdeutsch auch „Bastei“ genannt, ist eine Anlage, die aus der Linie eines Festungswalls/einer Stadtmauer vorspringt. Ihre Aufgabe war es, den Raum unmittelbar vor dem Wall/Stadtmauer, den die Verteidiger von der Brustwehr aus nicht unmittelbar einsehen konnten, seitlich bestreichen (d.h. erreichen) zu können.

Den hier  im Mittelalter durchgeführten  „Peinlichen Gerichtsverfahren“ verdankt der „Schnellerturm“ wohl auch seinen Namen. „Schnellen“ ist eine alte Bezeichnung für „aufziehen“ oder „strecken“.

Nach Aufgabe der Wehrfunktion erfolgte im 18. Jahrhundert der Ausbau zu Wohnräumen für drei Familien.

Heute sind davon noch zwei originale Kochstellen mit gemauerten Herden vorhanden.

Das Gebäudeensemble beherbergt heute zusammen mit dem Alten Turm die volkskundliche Abteilung des sehenswerten 1914 eröffneten Gollachgaumuseums, benannt nach dem gleichnamigen Gau, der seinen Namen vom Gollach-Bach ableitet.

Der Name „Gollach“ leitet sich ab vom keltischen „achwa“ für Wasser und der durch den Lösseintrag bedingten, Gelbfärbung des Wassers bei Niederschlägen. Entsprechend wird die Goldammer auch als Gollammer bezeichnet.

(Siehe auch die Bäche: Volkach, Schwarzach, Sommerach und Steinach)

Die Gollach entspringt in der Flur etwa zwei Kilometer östlich des Ortes Ulsenheim, durchfließt Uffenheim und Aub und mündet nach 29 Kilometern bei Biberehren in die Tauber.

Die auf der Südseite des Hainbaches gelegenen Gebäude, das Jungsche Kellerhaus und das ehemalige Staatliche Forstamtsgebäude waren einst im Besitz der Uffenheimer Bankiersfamilie Krämer, woher sich die heutige Bezeichnung dieses Straßenzuges „Im Krämersgarten“ ableitet.

33. Alter Turm

Alter Turm, Schloßplatz 5

 

Der viereckige Befestigungsturm wurde vermutlich nach 1300 errichtet, also in Hohenlohischer Zeit (1266 – 1378), als Südwestecke einer Vorburg.

Nach Südwesten vorgelagert ist der „Schnellerturm“ als Bastion, wahrscheinlich vom Ende des 15. Jahrhunderts stammend.

Rechts des heutigen Eingangs zum Gollachgaumuseum befindet sich eine verkleinerte Rekonstruktion der ehemaligen Stadtmauer, die noch von Erich Wieser in seiner Zeit als Kreisbaumeister des Alt-Landkreises Uffenheim (bis 1972) initiiert wurde.

Auf der Feldseite des Alten Turmes befand sich einst eine schmale Pforte, die mit einem hölzernen Schiebebalken gesichert werden konnte. Schiebeloch und

Einhängenut für den Balken sind heute noch vorhanden und im Rahmen eines Besuches im Gollachgaumuseum einsehbar.

Die Stadtmauer

Die Stadtmauer

 

Der Stadtmauerring um die Altstadt von Uffenheim ist heute noch zum Großteil erhalten.

Alte Teilbereiche einer ersten Stadtmauer im Bereich des Schlosses datieren wohl aus dem 13. und dem Anfang  des 14. Jahrhunderts.

Ø Das bei Grabungen vorgefundene Drainagesystem (sogenannte „Buhnen“) im Fundamentbereich vor der alten Stadtmauer konnte anhand eines dendrochronologischen Gutachtens der verwendeten Pfosten ca. auf das Jahr 1300 datiert werden. Es diente eventuell einst zur Entwässerung der Baugrube.

Ø Weitere im Bereich innerhalb der Stadtmauer vorgefundene Holzpfähle stammen aus dem Jahr 1494 und waren noch gut erhalten.          

Eine weitere Ausdehnung der Stadtbefestigung erfolgte zum Großteil nach dem Erwerb Uffenheims durch Ludwig von Hohenlohe, gen. Lutz der Reiche im Rahmen der hohenlohischen Erbteilung im Jahre 1330.

Der Bau der Stadtmauer mit überdachten, innenliegenden Wehrgängen, Toren und Türmen (heute: Würzburger Tor und Ansbacher Tor sowie  Schnellerturm, Folterturm, Bürgerturm, Heinrichsturm und Schulzenturm) war die Voraussetzung für die Stadterhebung durch Kaiser Karl IV. im Jahre 1349.

Der heutige Verlauf der Mauer entstand durch weitere Ausdehnungs- und Verstärkungsmaßnahmen an der bestehenden Mauer Ende des 15. Jahrhunderts durch die Territorialherren, den Markgrafen aus dem Hause Hohenzollern.

Die Spitalkirche wurde 1360 noch „extra muros“ errichtet und gibt somit einen weiteren Hinweis auf den früher wohl enger gezogenen Stadtmauerring und die vorgenannte Stadterweiterung durch die Markgrafen von Ansbach.

Die Mauerstärke beträgt bis zu 1,30m.

Der Mauerverlauf wurde mit Absicht nicht geradlinig angelegt, weil er folgende Aspekte ermöglicht:

Ø Bessere Einsichtnahme der einzelnen Abschnitte

Ø Trennung der angreifenden Verbände

Ø Bekämpfung des Gegners von zwei Seiten, vor allem in dessen Rücken.

Dem gleichen Zweck dienten die vorgeschobenen Eckbastionen Schnellerturm, Folterturm und Heinrichsturm.

Die Uffenheimer Stadtmauer erfüllte stets ihren Zweck:

Im Rahmen der Kampfhandlungen mit dem Fürstbischof von Würzburg Johann III. von Grumbach im Bayerischen Krieg (1459-1463) wurde Uffenheim am 22. September 1461 angegriffen.

Angesichts der immensen Übermacht der würzburgischen Truppen unter dem Pfalzgrafen Friedrich I., dem Siegreichen, hatte Uffenheim widerwillig seine Tore geöffnet. Uffenheim wurde dem Würzburger Kommandanten Schenk Georg von Limburg unterstellt.

Im Gegenzug rückte der Markgraf Albrecht Achilles am 06. November 1461 vor seine Stadt, um sie zurückzuerobern, musste aber empfindliche Verluste hinnehmen und zog unverrichteter Dinge wieder ab. Er plünderte dafür im Gegenzug würzburgische Orte. Die fremde Besatzung wollte oder konnte daraufhin die Stadt nicht länger halten und wurde von der Bevölkerung Uffenheims vertrieben.

1462 zog Fürstbischof Johann III. von Grumbach selbst gegen Uffenheim und versuchte den Sturm, wurde aber durch die tapferen Verteidiger zurückgeschlagen und musste unter schweren Verlusten abziehen, wobei eine Reihe von Orten, darunter Bullenheim, fast ganz in Flammen aufgingen. Der Markgraf selbst, der Gollhofen eingenommen hatte, wurde bei dieser Gelegenheit verletzt und lag hilflos vor der Kirche. Es war sein Glück, dass der würzburgische Feldhauptmann Graf Wilhelm von Henneberg, der mit 4.000 Mann vor Gollhofen lag, sich  sehr schnell wieder zurückzog.